Nachruf Larry HagmanEin fabelhaft gemeiner Kerl

Als J.R. Ewing spielte er die fiese Fratze des Kapitalismus. Doch eigentlich war Larry Hagman ein Friedensaktivist und Linker. Mit 81 ist er gestorben. von Birgit Roschy

Larry Hagman 2011 auf einer Pressekonferenz zur Versteigerung von "Dallas"-Memorabilia

Larry Hagman 2011 auf einer Pressekonferenz zur Versteigerung von "Dallas"-Memorabilia  |  © GABRIEL BOUYS/AFP/Getty Images

Natürlich ist es ungerecht, beim Gedenken an Larry Hagman zuerst dieses meckernde "Hähähä" im Ohr zu haben, mit dem er als J.R. Ewing in Dallas ein neues Schurkenstück plante. Andererseits: Was gibt es für einen Schauspieler Schöneres als die Gewissheit, den Blutdruck von Millionen Zuschauern weltweit in die Höhe getrieben zu haben?

Larry Hagman hatte sehr viel Glück in seinem Leben. 1931 kam er im texanischen Fort Worth zur Welt. Als Sohn der legendären Musicaldarstellerin Mary Martin wuchs er mit dem Showbusiness auf. Er zog mit einem Wandertheater umher, leitete im Nachkriegseuropa Truppenshows für die U.S. Air Force und trat in New York in Broadway-Musicals auf, bevor er 1964 nach Hollywood ging.

Anzeige

Dort arbeitete sich der Darsteller aus der zweiten Liga durch unzählige Filme und TV-Serien. Die Internet Movie Database zählt nicht weniger als 103 Titel, ein Drittel davon sind Auftritte in Serien, von denen man wohl die meisten als "heruntergekurbelt" bezeichnen darf. Dennoch hat der B-Movie-Schauspieler gleich zweimal den Jackpot geholt. In Bezaubernde Jeannie , einer wirklich bezaubernden Serie, spielte er von 1965 bis 1970 den geplagten Aufpasser einer Flaschengeist-Blondine, die ihm auf der Nase herumtanzt.

Als "Dschei Aahr" weltberühmt

Sein größter Coup aber war die Rolle des Über-Ekels J.R. Ewing im TV-Dauerbrenner Dallas 1978. Sie machte den damals 47-Jährigen zum größten Fernsehstar des 20. Jahrhunderts. Die Saga einer Sippe texanischer Großgrundbesitzer und Ölbarone war nicht nur in den USA , sondern auch international ein Straßenfeger. Die Dallas -Fanfare lockte allein in Deutschland von 1981 an bis zu 18 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Es wurde zum Small-Talk-Thema, wie "Dschei Aahr" mit Ölfeldern, Rivalen und Frauen Monopoly spielte. Immer schaffte es dieser Stetson tragende Geilhuber mit den glitzernden Schweinsäuglein und den diabolischen Augenbrauen, sich aus allen Bredouillen herauszuwinden. Hähähä!

Die "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern"-Attitüde des machiavellistischen Entrepreneurs war ein befreiender Kontrast zu den käsigen Bedenkenträgern in ARDZDFDrittes: So machte Kapitalismus Spaß!

Erst nach immer mehr Gaga-Episoden, die in "Bobbys Traum" gipfelten, wandte sich das Publikum Mitte der Achtziger ab. Nach 357 Folgen wurde Dallas abgesetzt, erfuhr aber mehrere Sequels .

Anders als sein Alter Ego J.R., dessen Feierabendwhisky seine durchtriebenen Pläne nicht beeinträchtigte, musste sich der schwere Trinker Hagan in den Neunzigern einer Lebertransplantation unterziehen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Hollywood | USA | Dallas | New York | Wörthersee
    Service