Stefan Raab © Henning Kaiser/dpa

Frage: Herr Raab, die ARD erwägt gerade ernsthaft, ihre politischen Talkshows zu reduzieren …

Stefan Raab: … dann hat unsere Aktion ja schon gezündet.

Frage:  Es gibt zu viele. Jeden Tag sitzen in den Studios der Republik dieselben Personen und kommentieren Themen wie "Rücksichtslos und asozial – verkommen wir zur Rüpelrepublik“, "Deutscher Hass – wie tief ist der Neonazi-Sumpf?“, "Droht uns im Alter die Armut?“. Und jetzt kommen Sie?

Raab: Genau. Doch diese Gleichförmigkeit ist nicht Schuld der Politiker. Es wird nun mal nur alle vier Jahre gewählt, wodurch neue Personen auf wichtige Positionen rücken. Sie wollen ja nicht den Hinterbänkler in der Runde haben, sondern zumindest mal einen stellvertretenden Parteivorsitzenden, einen Minister oder Fraktionsvorsitzenden.

Frage: Um die gibt es nun bei der ersten Sendung gleich Streit: Ein Minister hat abgesagt.

Raab: Streit gibt es allenfalls zwischen zwei Referenten, nämlich zwischen dem von Herrn Altmaier und dem von Herrn Beck.

Frage: Hatten Sie sonntagabends nichts Wichtigeres vor?

Raab:Nur da hatte ich noch Zeit.

Frage: Der Abend gehört bei vielen Menschen der Familie.

Raab: Machen Sie sich um mein Privatleben keine Sorgen. Bevor ich aber sonntagabends zu Hause sitze und mir Günther Jauch ansehe, mache ich das doch lieber selber. Allerdings etwas anders als die politischen Talkshows, die Sie kennen.

Frage: In denen haben die Politprofis drei Botschaften, die sie loswerden wollen. Der Rest: engagierte, aber unbedarfte Bürger. Todlangweilig.

Raab: Das Problem ist, dass alle Talkshows nach demselben System agieren. Es werden Fragen gestellt und Antworten gegeben, aber keine Erkenntnisse bewertet. Das kann eigentlich nur der Zuschauer. Und diese Chance geben wir ihm.

Frage: Wie läuft das ab?

Raab: Nach jedem Thema, das wir diskutieren, findet eine Abstimmung statt. Derjenige, der die schlechteste Performance abgeliefert hat und die wenigsten Prozente bekommt, fliegt aus der Wertung. Er darf zwar weiter mitdiskutieren, so demokratisch sind wir schon noch, aber er ist nicht mehr Kandidat für die absolute Mehrheit.

Frage: Sie wenden also die Idee des Wettkampfs auf die politische Bühne an? Und da, glauben Sie, macht Guido Westerwelle mit?

Raab: Auch beim Bundesvision Song Contest hatten wir anfangs große Mühe, die Stars zur Teilnahme zu bewegen. Weil sie ja wussten, dass von ihnen ein Sieg erwartet wird. Warum sollte Westerwelle nicht auch den Jackpot knacken wollen?

Frage: In Ihrer Sendung kriegt der Sieger 100.000 Euro.

Raab:Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Wahlkampfkostenerstattung.