Neue Raab-Show : "Ich bin erfolgreich, weil ich keine Angst habe"

Stefan Raab hat gelernt, aus allem einen Wettkampf zu machen – meistens mit Erfolg. Im "Tagesspiegel"-Interview erzählt er, wie er den Polit-Talk revolutionieren will.
Stefan Raab © Henning Kaiser/dpa

Frage: Herr Raab, die ARD erwägt gerade ernsthaft, ihre politischen Talkshows zu reduzieren …

Stefan Raab: … dann hat unsere Aktion ja schon gezündet.

Frage:  Es gibt zu viele. Jeden Tag sitzen in den Studios der Republik dieselben Personen und kommentieren Themen wie "Rücksichtslos und asozial – verkommen wir zur Rüpelrepublik“, "Deutscher Hass – wie tief ist der Neonazi-Sumpf?“, "Droht uns im Alter die Armut?“. Und jetzt kommen Sie?

Raab: Genau. Doch diese Gleichförmigkeit ist nicht Schuld der Politiker. Es wird nun mal nur alle vier Jahre gewählt, wodurch neue Personen auf wichtige Positionen rücken. Sie wollen ja nicht den Hinterbänkler in der Runde haben, sondern zumindest mal einen stellvertretenden Parteivorsitzenden, einen Minister oder Fraktionsvorsitzenden.

Frage: Um die gibt es nun bei der ersten Sendung gleich Streit: Ein Minister hat abgesagt.

Raab: Streit gibt es allenfalls zwischen zwei Referenten, nämlich zwischen dem von Herrn Altmaier und dem von Herrn Beck.

Frage: Hatten Sie sonntagabends nichts Wichtigeres vor?

Raab:Nur da hatte ich noch Zeit.

Frage: Der Abend gehört bei vielen Menschen der Familie.

Stefan Raab

Stefan Raab, 46, gelernter Metzger, Jingle-Produzent, Star-Caster, Turmspringer, Amateurboxer, Wok-WM-Erfinder etc. moderiert seit 1999 bei Pro 7 mehrmals pro Woche die Late-Night-Show TV total. Diesen Sonntag startet seine neue Polit-Talkshow Absolute Mehrheit. Raab lebt und arbeitet in Köln.

Raab: Machen Sie sich um mein Privatleben keine Sorgen. Bevor ich aber sonntagabends zu Hause sitze und mir Günther Jauch ansehe, mache ich das doch lieber selber. Allerdings etwas anders als die politischen Talkshows, die Sie kennen.

Frage: In denen haben die Politprofis drei Botschaften, die sie loswerden wollen. Der Rest: engagierte, aber unbedarfte Bürger. Todlangweilig.

Raab: Das Problem ist, dass alle Talkshows nach demselben System agieren. Es werden Fragen gestellt und Antworten gegeben, aber keine Erkenntnisse bewertet. Das kann eigentlich nur der Zuschauer. Und diese Chance geben wir ihm.

Frage: Wie läuft das ab?

Raab: Nach jedem Thema, das wir diskutieren, findet eine Abstimmung statt. Derjenige, der die schlechteste Performance abgeliefert hat und die wenigsten Prozente bekommt, fliegt aus der Wertung. Er darf zwar weiter mitdiskutieren, so demokratisch sind wir schon noch, aber er ist nicht mehr Kandidat für die absolute Mehrheit.

Frage: Sie wenden also die Idee des Wettkampfs auf die politische Bühne an? Und da, glauben Sie, macht Guido Westerwelle mit?

Raab: Auch beim Bundesvision Song Contest hatten wir anfangs große Mühe, die Stars zur Teilnahme zu bewegen. Weil sie ja wussten, dass von ihnen ein Sieg erwartet wird. Warum sollte Westerwelle nicht auch den Jackpot knacken wollen?

Frage: In Ihrer Sendung kriegt der Sieger 100.000 Euro.

Raab:Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Wahlkampfkostenerstattung.

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

"Viel Vorschusskritik"

Döring, Ramsauer, Klöckner etc. sind ganz und gar nicht mit Raabs Sendung einverstanden.

Er lässt sich nichts vorschreiben, das ist den Herrschaften suspekt. Wäre schön, wenn Raab tatsächlich etwas Gutes daraus machen würde, auch wenn ich nicht immer mit seiner Art klarkomme, aber anders als die "weichgespülten Verdächtigen" ist er allemal.

Diese "gescripteten Politshows" sehe ich mir nicht mehr an, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Mit Raab könnte das anders werden.

Ich wünsche ihm viel Glück mit seiner Sendung !

fleischgewordenes Selbstbewußtsein

Ich mag ihn nicht besonders. Dieses Interview war allerdings lesenswert.

Die Idee des Wettbwerbs auf die politische Bühne zu bringen, ist genau das, was die Schwafelgäste genau nicht wollen und eben deshalb wünsche ich Raab und seiner Show einen Supererfolg - schon um diesen Politdarstellern mal gehörig den Spiegel vorhalten zu können.