Der Dreisatz der Serie The Newsroom klingt nicht sonderlich subtil, aber die Nation ist in Gefahr, da kann man mal dick auftragen. Also: Politiker lügen, Medien verschleiern, das Land geht vor die Hunde. Aaron Sorkins HBO-Serie The Newsroom , das wird nach wenigen Minuten klar, pflegt eher die brachialere Tonart. Ihr Handlungsort, ein fiktiver Fernsehsender, trägt den bedeutsamen Namen Atlantis Cable News , und darum geht's schließlich in den zehn Folgen, die nun in Deutschland anlaufen: Um den drohenden Untergang zweier einstiger Großmächte. Zum einen der amerikanische TV-Journalismus, zum anderen natürlich Amerika selbst.

Klar ist Sorkin, dass beides verbunden ist. Den recht vereinfachten Verblödungszusammenhang zwischen Krise des Fernsehjournalismus und Krise der Demokratie stellt die Serie früh und deutlich her. Der Traum der Aufklärungsmaschine Fernsehen – falls er sich je einmal verwirklicht hat – liegt in Trümmern. Übrig sind Krawallsendungen wie Fox News, die ihre Propaganda auf eine entmündigte, polarisierte Öffentlichkeit schießen, die nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Natürlich gibt es Aussicht auf Besserung. Immerhin soll in The Newsroom eine Heldengeschichte erzählt werden, jene vom Nachrichtenansager Will McAvoy, der sich gegen den Bedeutungsverlust des neutralen Journalismus stemmt. Knapp zwei Millionen Zuschauer in den USA schalteten ein.

McAvoy (Jeff Daniels) ist ein Intellektueller, der sich über die Jahre in einen behaglichen Zynismus gerettet hat und sich die Welt mit Witzen vom Leib hält. In einer vorab getrailerten und von Kritikern zur Schlüsselszene ausgerufenen Stelle schießt er eine öffentliche Tirade gegen die Misere der USA: "Amerika ist nicht das beste Land der Welt, aber es könnte es sein." Und nach diesem Erweckungserlebnis verfolgt man fortan McAvoys Wandlung vom gebrochenen Zyniker zum aufrichtigen Idealisten, der zu Ehren Sorkin bereits im Vorspann durch die gesamte schwarzweiße Ruhmeshalle amerikanischer Investigativjournalisten zappt.

 
 

McAvoys wiederentdecktes Ethos heißt: " Speaking truth to stupid ". Zumindest nennt das seine neue Programmchefin MacKenzie McHale (Emily Mortimer) so. Sie ist außerdem seine Ex-Freundin, was im Fortgang noch einige Verwicklungen geben wird. Ebenso werden schwindende Zuschauer und Werbekunden das journalistische und auch patriotische Großprojekt immer wieder gefährden. McAvoys Redaktion, die er zuvor mit Grußlosigkeit strafte, ist natürlich sogleich auf der Seite ihres frühlingserwachten Chefs, schreitet mit ihm auf dem Pfad der Tugend und recherchiert, bis Telefon und Computer glühen (worauf aus Zeit- und Langeweilegründen nicht ausführlichst eingegangen wird).

Was Sorkin hier Folge um Folge ausbreitet, ist freilich nicht ohne Charme. Die auf Hochglanz polierte Vision des wahren, reinen Fernsehjournalismus, der unbeeindruckt von Quoten und Hysterie Aufklärung betreibt, dürfte auch hierzulande anschlussfähig sein – selbst, wenn man schon Claus Klebers verschworenes Zwinkern für das unheilvollste Problem im deutschen Nachrichtengeschäft hält.

McAvoy lässt keine Gelegenheit aus, fundamentalistische Moraltröten der Tea-Party überaus sehenswert vorzuführen. Er triezt Republikaner solange, bis hinter dem Phrasenschotter verbretterte Geister ans Licht kommen. Alles vor laufender Kamera. Jede Folge steht unter dem Zeichen einer nachrichtlichen Großlage. Die Redaktion erlebt die Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon, den Atomunfall in Fukushima , den arabischen Frühling, die Erschießung von Osama bin Laden .