Film "Die Köchin und der Präsident"Allein unter Erbsenzählern

"Die Köchin und der Präsident" erzählt die wahre Geschichte der Leibköchin von François Mitterand. Leichte, manchmal sogar köstliche Kost zwischen Trüffeln und Châteauneuf du Pape. von 

Catherine Frot als Hortense Laborie bekocht den Präsidenten (Jean d‘Ormesson).

Catherine Frot als Hortense Laborie bekocht den Präsidenten (Jean d‘Ormesson).  |  © Alamode Filmverleih

Die Geschichte beginnt in der französischen Antarktis: Mit seinen ersten Bildern schon wagt der Regisseur die Nähe zu Babettes Fest , dem schönsten Film über die Wunder der Gastlichkeit, den es gibt, gedreht 1987 in der kargen Landschaft Jütlands. Da steigt die Erwartung.

Sodann die Rückblende: Beamte mit Geheimdienstallüren verschleppen eine Frau Hals über Kopf aus dem südfranzösischen Périgord, sie soll die persönliche Köchin des Präsidenten werden. Ein Abenteuer in prächtiger Umgebung beginnt für sie. Der Regisseur Christian Vincent durfte im Élysée- drehen, eine Augenweide. Gut getroffen auch die schäbigen Büros subalterner Beamter und die Aufregung am Hofe.

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Der Film ist der Geschichte von Danièle Delpeuch nachempfunden, die tatsächlich für François Mitterand gekocht hatte. Im Film heißt sie Hortense Laboire, großartig gespielt von Catherine Frot. Der Präsident freilich heißt nur "der Präsident" – besser so, denn Jean d'Ormesson gibt einen netten, etwas kindisch gewordenen Opi und nicht den rätselhaften Machtmenschen Mitterand. Die zwei, drei halbversteckten Anspielungen auf berühmte Mitterand-Zitate bleiben deswegen Fremdkörper im Drehbuch.

Der Präsident "will das Beste aus Frankreich " essen, nur einfach soll es sein. Also sehen wir allerlei Gerichte aus Frankreichs Regionalküche , unnötigerweise mit klassisch sein wollender Filmmusik serviert. Das Kochen selbst kommt darüber ein wenig zu kurz. Kein Vergleich mit den hinreißenden Küchenszenen aus Ang Lees Eat Drink Man Woman zum Beispiel, die das Handwerk selbst zelebrieren. Und gleich noch ein Küchenfilm muss zitiert werden: Ratatouille , in dem die Kindheitserinnerung, die Mutters Küche wachruft, ein bestimmendes Motiv ist – wie auch in Die Köchin des Präsidenten , hier nur leider ohne irgendeine Pointe. Der Präsident erinnert sich beim Essen an früher. Das war's dann schon.

Bald bekommt Hortense, es kann nicht anders sein, Ärger mit den neidischen Köchen der Élyséeküche. Sie zahlt es den Machos gut heim, verzweifelt aber an den Erbsen- und Kalorienzählern des Beamtenapparats. Sie soll an der Qualität sparen. Und dann auch noch Diät kochen. Weshalb Johannes Heesters , pardon: Präsident d'Ormesson eines Nachts in die Küche schleicht und nach Besserem sucht. Hortense, seine Komplizin, serviert ihm ein Butterbrot, belegt mit wahrlich dicken Trüffelscheiben, dazu ein Glas Rayas aus dem Jahrgang 1969: ein bereits damals in den 80er Jahren gut gereifter, großer Jahrgang dieses roten Châteauneuf du Pape, also genau der richtige Begleiter zu den Trüffeln. Der Film hat ein paar solcher Momente, die rundum gelungen sind.

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Die Köchin kündigt. Nimmt sodann einen Job in der Antarktis an. Dort versucht das Drehbuch, eine abschließende Wendung zu konstruieren, die wieder an Babettes Fest erinnern könnte. Das jedoch ist verhängnisvoll: Gegen das Meisterwerk fällt Die Köchin und der Präsident hoffnungslos ab.

Hingehen? Aber ja. Keine Angst vor leichter Kost! Und hinterher ins Restaurant.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Film | Diät | Drehbuch | Filmmusik | Johannes Heesters | Präsident
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