Film "Cäsar muss sterben"Was Shakespeare mit den Menschen macht
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Kunst verwandelt

Das ist erstaunlich, das ist von großer Dichte, und der dahinterstehenden Vision "Kunst verwandelt!" ist unbedingt zuzustimmen. Andererseits wirkt die radikale Ästhetisierung bei penetranter Ausblendung der Gefängniswirklichkeit auf Dauer verharmlosend. Etwas fehlt. Und das ärgert bald ungemein. Immerhin präsentiert der Film in einer der letzten Szenen den Märchenstoff, aus dem er gemacht ist, und ruft den Horror der aus dem Bild verbannten Welt indirekt doch auf. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Cosima Rega, bis eben noch Cassius, blickt statuarisch in die Kamera und sagt: "Seit ich weiß, was Kunst ist, kommt mir meine Zelle vor wie ein Gefängnis."

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Als im Lichtenberger Gefängnissaal nach 70 Minuten die Lichter wieder angehen, sitzt nur noch die Hälfte der Frauen da. Die geblieben sind, finden den Film gut und sind beeindruckt von der Intensität des Spiels. Besonders die Szene, in der die Schauspieler nach der Premiere allein in ihre Zellen zurückmüssen, habe sie bewegt, sagt eine Frau. Eine andere will wissen, ob die Dauer der Haftstrafen, die eingeblendet wurden (zwischen 10 und 25 Jahre) stimmen. Ja, sagt die Dame vom Filmverleih.

Viel wollen die Frauen nicht sagen, viel wollen die Journalisten auch nicht wissen. Ein- bis zweimal im Jahr findet solch eine Filmvorführung statt, es gibt regelmäßig Theaterprojekte und eine Malgruppe. Und einen Lauftreff, organisiert von Beamten der Anstalt. Im Buchregal an der Wand stehen 15 Exemplare von Der Name der Rose, daneben ein Band mit Erzählungen von Alice Munro.

Danach führt Anstaltsleiter Matthias Blümel, ein zuvorkommender Mann mit der Ausstrahlung eines Herbergsvaters, durch einen der Trakte. Es gibt einen Aufenthaltsraum mit Sofaecke und Spielen im Regal, seit dem Rauchverbot aber wird er kaum mehr genutzt. Junge Frauen huschen verlegen lächelnd auf Socken zwischen den offenen Zellen hin und her. Die sind so groß oder klein wie Zimmer in Studentenwohnheimen und mit kleinem Bad und mietbaren Flachbildfernsehern ausgestattet. In der Gemeinschaftsküche riecht es nach Plätzchen, eine Frau lehnt allein an der Heizung.

Gewalt spiele hier, anders als im Männergefängnis, keine große Rolle, sagt Blümel. Dann sagt er noch: "Bitte gehen Sie vor mir." Er lächelt ironisch. "Wer die Schlüssel hat, hat die Macht."

Erschienen im Tagesspiegel

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