Gerade 50 geworden, muss Tom Cruise noch einmal alles zeigen. Mit nacktem Oberkörper posiert er vor der Kamera, präsentiert seinen Waschbrettbauch und die gut trainierte, sauber enthaarte Männerbrust. Die Frau, die ihm gegenüber steht, spricht die Gedanken der Zuschauer laut aus: "Könnten Sie sich bitte ein T-Shirt überziehen." Aber das einzige Oberbekleidungsstück hängt nass und tropfend über der Hotelbadewanne, und Jack Reacher reist ohne Gepäck.

Die Figur, die Cruise jetzt für sich entdeckt hat, stammt aus der Feder von Lee Child, der dem ehemaligen Militärkriminalisten ganze 17 Romane gewidmet hat. Genug Stoff also, um in Serienproduktion zu gehen, was angesichts dieses Pilotfilms als echte Drohung empfunden werden kann. 

Aus dem Nichts taucht dieser Reacher auf, seit er den Armeedienst quittiert hat, driftet er ohne festen Wohnsitz, Auto und Kreditkarte durch die Vereinigten Staaten. Diesmal lockt ihn ein Amokschütze hervor, der in Pittsburgh scheinbar wahllos fünf Menschen an der Uferpromenade erschossen hat – Bilder, die nach dem jüngsten Massaker an der Sandy Hook Elementary School bitter aufstoßen.

Ein mutmaßlicher Täter wird von der Polizei festgenommen, und seine einzigen Worte, bevor er von Mitgefangenen ins Koma geprügelt wird, sind: "Holt Jack Reacher".

Kurz danach klopft dieser bei der Polizei an. Reacher kennt den verdächtigen Scharfschützen aus dem Krieg im Irak, wo dieser einschlägig verhaltensauffällig geworden war. Reacher lässt sich schließlich von der Anwältin Helen (Rosamund Pike) als Ermittler für die Verteidigung unter Vertrag nehmen und schon bald findet der Superdetektiv heraus, dass sich hinter dem vermeintlichen Amoklauf – welch Überraschung – ein Komplott verbirgt. 

Äußerst schleppend verwebt der Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie die sukzessiven Enthüllungen zu einem nicht wirklich glaubwürdigen Plot. Eine Hand voll eher traditionell als innovativ in Szene gesetzter Actionsequenzen bringen die Angelegenheit nur punktuell in Wallung. Tom Cruise cruist im gewohnt selbstgefälligen Modus durch die zerfaserte Geschichte und die gute Rosamund Pike hat die undankbare Aufgabe, dem Helden die Bälle zuzuwerfen und das eitle Ego des Hauptdarstellers zu verstärken.

Einzig Werner Herzog als finsterer Bau-Mafiosi, dessen Unbarmherzigkeit auf Erfahrungen im sowjetischen Gulag beruht, entwickelt einen gewissen Camp-Faktor. Seine schrulligen Auftritte verweisen jedoch gleichzeitig darauf, dass Jack Reacher im B-Movie-Regal sehr viel besser aufgehoben wäre als auf der großen Leinwand.