Film "Maniac"Der Zuschauer und das Biest
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Blutige Skalps auf Puppenköpfen

Der Zuschauer kommt dieser verschreckten, gebrochenen Figur so nah, dass ihre unheimliche Brutalität umso fremdartiger erscheint. Manchmal nimmt seine fragmentierte Identität noch in Spiegelbildern Gestalt an, doch auch dort zeigt sich nur zerrissene Persönlichkeit. Eine der beiden einzigen Außenperspektiven zeigt Frank dann auch als geschlechtlose Schaufensterpuppe, das ultimative Wahnbild. Die kalten Puppen stellen eine saubere, unbedrohliche Körperlichkeit in Aussicht, der sich der Mörder auf seinen nächtlichen Streifzügen zu versichern versucht. Um seine Illusion perfekt zu machen, krönt er ihre Plastikköpfe mit den blutigen Skalps seiner weiblichen Opfer.

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Die Schaufensterpuppen sind es auch, die die Neugier der jungen Fotografin Anna wecken. Eines Tages steht sie in seinem Laden und bewundert seine Arbeit mit den antiquarischen Mannequins. Frank erkennt in ihr sofort eine verwandte Seele. So wie er es in seiner Fantasie jeden Tag durchspielt, vermag auch sie tote Objekte zum Leben zu erwecken – mithilfe der Fotografie. Ihre Bewunderung für seine Puppen ("als wären sie echte Menschen") wecken in Frank ein Begehren, das zuvor durch die Sexualität seiner Mutter belastet war. "Manchmal kommst Du mir vor wie aus einer anderen Epoche", beschreibt sie seine Fremdartigkeit. Die Gegenwart jedoch scheint der falsche Ort für die beiden zu sein, und wie zum Beweis haben die Straßen von Los Angeles nie leerer und trostloser ausgesehen. Franks nächtliche Fahrten sind Montagen aus Elend und Armut, sie zeigen eine Gesellschaft, die sich selbst überlassen ist.

William Lustig musste sich seinerzeit noch den Vorwurf der Gewaltpornografie gefallen lassen. Dreißig Jahre später bedarf es nur kleiner Korrekturen, um hinter grellen Splattereffekten ein erschütterndes Psychodrama herauszuschälen.

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Leserkommentare
  1. nie wieder das Wort "ultimativ" lesen müssen.

    Vielen Dank.

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  2. .. Orte, da muß man nicht gewesen sein.
    .. Drogen, die muß man nicht genommen haben.
    .. Bücher, die muß man nicht gelesen haben.
    .. Filme, die muß man nicht gesehen haben.
    .. Kommentare, die muß ich nicht geschrie ... :)

    Eine Leserempfehlung
  3. nie wieder das Wort "Sozialleben" lesen müssen.

    Vielen Dank.

    • B-Saite
    • 27. Dezember 2012 16:20 Uhr

    Ich möchte in Beiträgen der Zeit nie wieder blöde Kommentare lesen müssen.

    Vielen Dank.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ja sind wir hier bei Wünsch Dir Was?"

    Ja, sind wir. :-P

    Ich möchte in Artikeln auf ZEIT Online nie wieder den Satz
    "sie war ein leichtes Mädchen" lesen müssen.

  4. "Ja sind wir hier bei Wünsch Dir Was?"

    Ja, sind wir. :-P

    Ich möchte in Artikeln auf ZEIT Online nie wieder den Satz
    "sie war ein leichtes Mädchen" lesen müssen.

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  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

    Eine Leserempfehlung
  6. Und wie immer ist die Mutter schuld, dass der Mann ein Mörder wird. Und wie üblich ist sie nur deswegen schuld, weil sie ein Sexualleben hatte, was der gesellschaftlichen Moralvorstellung nicht entspricht.

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  • Schlagworte Film | Michael Haneke | Puppe | Los Angeles
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