Regisseur David Ayer"Die Cops haben mir den Hintern versohlt"

Der Regisseur David Ayer wuchs im berüchtigten Südosten Los Angeles' auf, als Crack die Verbrechensrate nach oben trieb. Für seinen Film "End of Watch" ist er in das Milieu zurückgekehrt. von 

ZEIT ONLINE: Mr. Ayer, Sie sind im berüchtigten South-East von Los Angeles aufgewachsen. Ist End of Watch auch eine Art Heimatfilm?

David Ayer: Ich habe in dieser rauen Gegend meine Kindheit und Jugend verbracht. Damals tauchte in unserem Viertel gerade Crack auf und ließ die Kriminalitätsrate fast über Nacht rasant nach oben schnellen. Die Polizei war vollkommen überfordert und hatte keine Erfahrung mit einem solchen Ausmaß an Verbrechen. In dieser Zeit dort aufzuwachsen – das hat einige Narben hinterlassen. Aber ich mag dieses Viertel, weil in ihm so viel Leben steckt. Ich wohne nicht mehr dort, habe aber Familie in der Gegend und fühle mich in South-East-L.A. immer noch zu Hause.

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ZEIT ONLINE: Was hielten Sie als Jugendlicher von der Polizei?

Ayer: Ich musste oft vor den Cops weglaufen, und ein paar Mal haben sie mir auch den Hintern versohlt. Später, nachdem ich mit der Schule fertig war, habe ich mich sogar beim L.A. Police Department beworben, bin dann aber doch zur Navy gegangen.

ZEIT ONLINE: Mit Training Day sind Sie schon einmal in die Welt der Gesetzeshüter eingetaucht. Was fasziniert Sie an diesem Milieu?

Ayer: Die meisten sehen Polizisten immer nur als Vertreter der Staatsgewalt. Ich habe eine Menge Freunde, die bei der Polizei arbeiten, und wenn man hinter Uniform und Dienstmarke blickt, eröffnet sich einem eine verborgene, faszinierende Welt. Polizisten sind in ihrem Dienst mit der menschlichen Verfassung in all ihrer Pracht und Herrlichkeit konfrontiert. Sie stehen in andauerndem Kontakt mit existenziellen Tragödien und entwickeln dadurch eine ganz eigene Lebensweisheit. Das ist für einen Drehbuchautoren natürlich ein interessantes Terrain.

ZEIT ONLINE: In End of Watch nehmen Ihre Figuren selbst die Kamera in die Hand. Warum haben Sie sich für diesen selbstdokumentarischen Erzählstil entschieden?

Ayer: Ausgangspunkt für diese Form war ein Video, das ein befreundeter Cop über seine Arbeit mit einer kleinen Ansteckkamera gedreht hatte. Dieser visuelle Zugang erschien mir ideal, um das Publikum in die Welt des Streifenwagens hineinzuziehen. Gleichzeitig war mir natürlich klar, dass solche visuellen Tricks sehr schnell ermüdend wirken können. Ich wollte ja keinen found-footage -Film machen. Deshalb habe ich die emotionalen Szenen im traditionellen Kamerastil gedreht.

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