Serie "Downton Abbey"Der Untergang des Adels

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs kämpft eine britische Adelsfamilie um ihre Existenz. Die äußerst erfolgreiche britische Serie "Downton Abbey" ist nun im ZDF zu sehen. von Mounia Meiborg

An einem Morgen im Frühjahr 1912 ist die Welt noch in Ordnung. Die Diener stehen um sechs Uhr auf, um die Kronleuchter zu putzen, den Kamin zu fegen und die Zeitung für den Hausherrn zu bügeln. Als der Graf von Grantham sie aufschlägt, gerät seine Welt ins Wanken: Die Titanic ist untergegangen. An Bord war auch der Verlobte der ältesten Tochter. Da der Graf keinen Sohn hat, wäre der junge Mann, ein entfernter Cousin der Tochter, der Erbe des Anwesens gewesen. Mit dem Untergang des Schiffes droht zugleich der Untergang des Adelshauses in Yorkshire.

Die britische Kurz-Serie Downton Abbey , die an Weihnachten im ZDF  und ZDFneo läuft, zeigt den Umbruch der europäischen Aristokratie anhand einer fiktiven Adelsfamilie. Die Produktion des britischen Privatsenders ITV kam letztes Jahr ins Guinness Buch der Rekorde, als "von Kritikern am besten bewertete Serie 2011". In rund 30 Ländern lief Downton Abbey bereits, unter anderem in Taiwan , Südafrika und Chile . In Großbritannien erreichte sie Einschaltquoten von bis zu 35 Prozent, damit ist sie dort das erfolgreichste Kostümdrama seit 30 Jahren.

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Die Idee zu Downton Abbey hatte der Drehbuchautor Julian Fellowes, der selbst einer britischen Adelsfamilie entstammt. Vor zehn Jahren zeichnete er in Robert Altmans Film Gosford Park ein düsteres Sittengemälde der britischen Aristokratie. In Downton Abbey kommt der Adel wesentlich positiver davon: Der Hausherr Lord Gratham ( Hugh Bonneville ) bezahlt selbstverständlich die Augenoperation der Köchin und kümmert sich auch sonst rührend um seine Angestellten.

Die Crawley-Familie muss mit ihrem Bedeutungsverlust umgehen. Denn die gesellschaftlichen Umbrüche dringen auch durch die Schlossmauern. Da ist der neue Chauffeur, der vom Sozialismus träumt. Und da ist eine schwarze Apparatur, die sich Telefon nennt und die der alte Butler so argwöhnisch beäugt, als hätte sie der Teufel persönlich erschaffen.

Gleich in der zweiten Folge kommt der neue Erbe von Downton Abbey an – und stellt das Lebensmodell seiner Bewohner infrage. Matthew Crawley (Dan Stevens) ist ein bürgerlicher Anwalt, der ausgerechnet aus der Arbeiterstadt Manchester stammt. Weil er aber ein entfernter Cousin der Crawley-Töchter ist, wird er nach dem Tod des Grafen dessen Titel und Besitz erben. Seinen Beruf aufzugeben, wie es sich für seine neue Stellung gehören würde, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Und sich von einem Bediensteten beim Anziehen helfen zu lassen, findet er albern: "Ich bin doch ein erwachsener Mann!"

Lord Gratham sagt dem jungen Mann, von dem er hofft, dass er sein Schwiegersohn wird: "Wir haben alle unsere Rollen zu spielen." Von da an lässt sich der Anwalt in die Kleider helfen. Morgens fährt er zwar weiter auf dem Fahrrad zur Arbeit. Aber abends beim Dinner führt er bald so gelassen Konversation wie alle anderen. 

Leserkommentare
    • wd
    • 21. Dezember 2012 18:00 Uhr
    1. Toll!

    http://www.zdf.de/zdfNeo/Unsere-Empfangs-und-Kontaktdaten-13049264.html
    Ich zitiere:
    „Antenne (DVB-T): Über Antenne ist ZDFneo von 21 Uhr bis 6 Uhr empfangbar. Der Programmplatz wird tagsüber vom KI.KA genutzt. Sie finden ZDFneo, indem Sie den automatischen Sendersuchlauf des DVB-T-Empfangsgerätes starten.“
    Wann fängt die Sendung noch einmal an?
    Wofür wollen die Gebühren?

    • Plupps
    • 21. Dezember 2012 18:25 Uhr

    Das kann man bei vielen Sendungen sagen - hier gilt es umso mehr.

    Und mal nebenbei: Man sieht auch das Dilemma des GEZ Zahlers: Die Serie ist top - aber längst gesehen - gähn!

    Auf BBC läuft in den nächsten Tagen das Christmas Special der 3 Season

  1. und die "Hunnen" (O-Ton Queen Mum) können´s wieder mal kaum erwarten, sich zu Amerikanern, Telefonapparaten und anderem Verachtenswertem zu gesellen

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    Werden Sie lieber "Boche" genannt? Wenn es Ihnen um Ausfechtung uralter Vorurteile geht, können Sie im Gegenzug die Briten ja Inselaffen nennen.

    als diese sich auch so benahmen.

    Queen Mum sprach bis zu ihrem Tod von "Huns" und meinte damit u.a. ihren Schwiegersohn (verwandt mit den Battenbergs), der wahrscheinlich wegen dieser schweren jahrzehntelangen Demütigungen jetzt jeden seiner Gesprächspartner routinemäßig beleidigt und sich wünscht, nach seinem Tod als Grippevirus reinkarniert zu werden

  2. Untergang des Adels als Überschrift trifft es nicht ganz, denn es geht in erster Linie um Veränderung, und das bedeutet auch, dass das Dienstpersonal aufsteigen kann. Die Serie zeigt, wie eine in gewisser Weise erstarrte Gesellschaft in Bewegung und Aufbruch gerät; für uns heute ist dies nicht ganz so spannend wie für die damaligen Beteiligten, weil wir wissen, wohin die Reise geht. Trotzdem eine toll gemachte Serie, die nicht nur mit Dekor, sondern hervorragenden Schauspielern glänzt. Warum sie erst jetzt im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezeigt wird, ist ein Rätsel.

  3. Besitze seit über einem Jahr die DVD's und kann nur sagen: Ein Musterbeispiel dafür, was Fernsehen zu Stande bringen kann - solange es nicht unter der Ägide von ARD oder ZDF geschieht.

    Eine Leserempfehlung
  4. Werden Sie lieber "Boche" genannt? Wenn es Ihnen um Ausfechtung uralter Vorurteile geht, können Sie im Gegenzug die Briten ja Inselaffen nennen.

  5. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • H.v.T.
    • 22. Dezember 2012 1:45 Uhr

    " Mit Verlaub, die Queen Mum sprach zu einer Zeit von „Huns“,

    als diese sich auch so benahmen."
    ---

    Eine sehr englische Sicht eben.

    • H.v.T.
    • 22. Dezember 2012 8:39 Uhr

    Nicht das ich es vergesse zu erwähnen:

    Übersieht doch gerade jener englische Hochadel gern den eigenen jahrhundertelangen weltweiten Raub -und Mordzug.

    Die Assoziation zwischen Deutchen und "Hunnen" hat der deutsche Kaiser mit seiner "Hunnenrede" im Kontext des Boxeraufstands herbeigeführt. Nüchtern betrachtet war er einfach nur ehrlich und hat die Praxis beim Namen genannt, die auch alle anderen Kolonialmächte praktiziert hatten. Die Deutschen hatten damals eigentlich immer nur versucht, ihrem Vorbild (GB) nachzueifern.

    Nebenbei sollte man ja nie vergessen, dass die Queen Mum ebenfalls von den "Hunnen" abstammte.

    • H.v.T.
    • 22. Dezember 2012 1:45 Uhr

    " Mit Verlaub, die Queen Mum sprach zu einer Zeit von „Huns“,

    als diese sich auch so benahmen."
    ---

    Eine sehr englische Sicht eben.

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