Serie "Downton Abbey" : Der Untergang des Adels
Seite 2/2:

Die Pluderhose als großer Skandal

Die größten Veränderungen machen die Frauen des Hauses durch: Sybil, die jüngste Tochter, setzt sich für das Frauenwahlrecht ein und lässt sich statt eines Kleides eine Pluderhose schneidern – ein Skandal, obwohl sie die Hose nur zum häuslichen Abendessen trägt. Und Edith, die mittlere Tochter, die sich anfangs als hässliches Entlein fühlt, lernt erst Autofahren und wird später Zeitungskolumnistin.

Zu sehen, wie die Moderne langsam hinter den schweren Samtvorhängen von Downton Abbey Einzug hält, macht Spaß. Für Fernsehserien ist es besonders reizvoll, solche Umbrüche zu beschreiben. Anders als im Film können sie über mehrere Staffeln hinweg historische Veränderungen zeigen. Als Zuschauer kann man sich wohlig zurücklehnen, denn man weiß: Die Werte, die sich damals gegen Widerstände durchsetzten, bilden heute die Grundlage unserer Gesellschaft.

Erster Weltkrieg, Spanische Grippe, irischer Unabhängigkeitskampf

Im Zeitraffer erzählen die drei Staffeln vom Ersten Weltkrieg, der Spanischen Grippe und dem irischen Unabhängigkeitskampf. Diese geschickte Dramaturgie ist wohl einer der Gründe für den Erfolg der Serie – neben den tollen Schauspielern, den pointierten Dialogen und der grandiosen Ausstattung. Denn natürlich lebt Downton Abbey auch von den Kamerafahrten entlang goldverzierter Hallen und prächtig gedeckter Tische. Davon, dass die Damen perlenbesetze Kleider tragen und die Herren weiße Manschettenknöpfe. Und davon, dass Mary, die schöne älteste Tochter, sich tatsächlich in Matthew, den schmucken Anwalt und Erben, verliebt. Man kann das Eskapismus nennen. Oder einfach gute Unterhaltung.

Nur ein paar holzschnittartige Nebenfiguren stören etwas. Da gibt es die zwei rauchenden Intriganten und die aufopferungsvolle, tapfer lächelnde Magd. Die dünkelhafte Großmutter macht das aber wieder wett. Maggie Smith, die für ihre Rolle schon zwei Emmys bekam, spielt die Gräfin als zynische Vertreterin der alten Ordnung, die für Amerikaner, niedere Adelsränge und moderne Technik nur Verachtung übrig hat.

Herrlich, wie sie sich mit verkniffenem Mund einen Fächer vors Gesicht hält, weil sie elektrisches Licht hasst. Oder wie sie sich – wie immer mit einem schräg auf dem Kopf thronenden Hütchen – beschwert: "Das Kammermädchen verlässt mich und will heiraten. Wie kann man nur so selbstsüchtig sein?“ Dass ihre jüngste Enkelin mit dem Chauffeur durchbrennen wird, ahnt sie noch nicht.

Die erste Staffel von "Downton Abbey" läuft ab 21. Dezember, 20.15 Uhr bei ZDFNeo (bis 23. Dezember) und ab dem 23. Dezember, 17.05 Uhr, im ZDF (bis 26. Dezember). Die zweite Staffel soll 2013 folgen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Der Kaiser ist schuld...

Die Assoziation zwischen Deutchen und "Hunnen" hat der deutsche Kaiser mit seiner "Hunnenrede" im Kontext des Boxeraufstands herbeigeführt. Nüchtern betrachtet war er einfach nur ehrlich und hat die Praxis beim Namen genannt, die auch alle anderen Kolonialmächte praktiziert hatten. Die Deutschen hatten damals eigentlich immer nur versucht, ihrem Vorbild (GB) nachzueifern.

Nebenbei sollte man ja nie vergessen, dass die Queen Mum ebenfalls von den "Hunnen" abstammte.

Nicht Untergang, sondern Aufbruch

Untergang des Adels als Überschrift trifft es nicht ganz, denn es geht in erster Linie um Veränderung, und das bedeutet auch, dass das Dienstpersonal aufsteigen kann. Die Serie zeigt, wie eine in gewisser Weise erstarrte Gesellschaft in Bewegung und Aufbruch gerät; für uns heute ist dies nicht ganz so spannend wie für die damaligen Beteiligten, weil wir wissen, wohin die Reise geht. Trotzdem eine toll gemachte Serie, die nicht nur mit Dekor, sondern hervorragenden Schauspielern glänzt. Warum sie erst jetzt im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezeigt wird, ist ein Rätsel.