Hüter des Lichts formt aus Märchenfolklore einen Pop-tauglichen, bunten Heldenmythos – und Regisseur Peter Ramsey schlägt durchaus Funken daraus: Der Film ist großartig animiert und voller hinreißender Details. Was fehlt, ist eine flüssige Erzählung. Das Tempo ist gleichförmig hoch, wie erschlagen wankt man aus dem Kino.

Was hat Disney dem entgegenzusetzen? Einen Film ohne Fest. Die großen Jahresendfilme müsse eben auch in Indien , China oder der Türkei gut laufen. Und wer, wenn nicht Disney, hätte erfolgreich gezeigt, dass man mit Prinzessinnen und sprechenden Tieren allein schon festlich genug daherkommt? Seit Schneewittchen (1937), Disneys erster abendfüllender Animation, wurden Trickfilme zum festen Bestandteil der Feiertage. Auch ohne Baum. Früher allerdings gab es nur einen solchen Film im Jahr. 2012 stehen etwa 20 Titel auf den Auswahllisten für eine Oscar-Nomminierung in der Kategorie Animation.

Disneys Ralph reicht’s hat es heute also ungleich schwerer, herauszustechen – zumal mit einer Geschichte, die auf den ersten Blick ausschließlich auf den Abverkauf von Spielzeug ausgelegt scheint. Der Film spielt in der Welt der Computerspiele: Ralph ist seit 30 Jahren der Bösewicht eines Arkade-Spiels. Jetzt hat er genug. Auf der Suche nach Anerkennung verschlägt es ihn in andere Spielwelten. Dort trifft er auf die trotzige Möchtegern-Rennfahrerin Vanellope von Schweet, einen Programmierfehler, der ebenfalls sehnsüchtig nach Anerkennung ist. Sie werden zu Verbündeten.

Außenseiter als Hauptfiguren – das ist neu bei Disney, wo bislang jeder noch irgendwie vom Adel abstammte. Der neue Mut ist sicher dem Einfluss des Pixar-Studios ( Findet Nemo ) zu verdanken, das man sich 2006 einverleibte, um Disneys kreative Dürrezeit zu beenden. Mit Erfolg: Ralph reicht’s ist herrlich komisch und hat viel mehr Herz als Hüter des Lichts . Aber er hat das gleiche Problem: Es ist einfach zu viel drin.

Beide Filme sprechen geschickt Sehnsüchte und Ängste von Kindern und Jugendlichen an – unsichtbar sein, anders sein, akzeptiert werden –, sie mischen Geheimbünde, Zauberei, Abenteuer dazu. Sie sind erwachsenentauglich, clever und ironisch, dennoch ausreichend naiv. Sie sind weltweit vermarktbar und nehmen Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Fans ihrer Vorlagen. Dadurch aber tragen sie keine erkennbare Handschrift mehr, sondern wirken wie in Brainstorm-Meetings zusammengetragen.

Während man großen Produktionen im Spielfilmbereich vorwerfen kann, dass zu viel abgeschliffen wird, um niemanden zu vergraulen (und nichts erklären zu müssen), scheint man an Animationsfilme dieser Größenordnung umgekehrt alles herantragen zu wollen, was irgendwo irgendwie Anschluss finden könnte. Es ist die falsche Liebe zum Detail. Das Branchenblatt Variety schrieb über Hüter des Lichts , der Film habe zwar zauberhafte Momente. Als Ganzes aber ähnele er eher einer explodierenden Spielzeugfabrik als dem Versuch einer echten Verzauberung.

Hüter des Lichts und Ralph reicht’s sind beide herrlich ausgelassen – aber eben nur noch das. Keinen der beiden wird man so lieben können wie Schneewittchen oder Findet Nemo . Und das Schlimmste ist: Sie sind beide so gut, dass man sich wünschte, sie wären besser.