Folter im Film : Kathryn Bigelow verteidigt ihre Darstellung von Folter

Der Regisseurin Kathryn Bigelow wird vorgeworfen, in ihrem Film "Zero Dark Thirty" über das Aufspüren von bin Laden Folter zu legitimieren. Jetzt verteidigt sie ihren Film.
Regisseurin Kathryn Bigelow © Andrew Kelly/Reuters

Kathryn Bigelow ist unter Druck: Seit Wochen wird in den US-amerikanischen Medien über ihren Film Zero Dark Thirty diskutiert. In dem Film über die Suche und Tötung von Osama bin Laden werden entscheidende Hinweise auf dessen Aufenthaltsort unter Folter gegeben. Politiker wie die Senatorin Dianne Feinstein hatten moniert, dass diese Darstellung falsch oder zumindest zu stark verkürzt sei, Folter sei nicht das zentrale Mittel beim Aufspüren von bin Laden gewesen. Andere werfen ihr vor, genau aufgrund dieser Verknüpfung Folter als Verhörmethode zu legitimieren. Deshalb distanzieren sich mittlerweile auch Hollywood-Kollegen von dem Film: Bigelow habe viel zu wenig Distanz zur Arbeit der US-Geheimdienste gewahrt. Einige riefen deshalb zum Boykott bei der Oscar-Verleihung auf.

Nun hat Bigelow reagiert: In der Los Angeles Times hat sie sich öffentlich verteidigt. Es gebe zwar unterschiedliche Ansichten darüber, wie die Jagd auf den Al-Kaida-Führer im Einzelnen erfolgt sei. Es könne aber kein Zweifel daran bestehen, dass die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auch Folter angewandt hatten, schreibt die Regisseurin. Sie verstehe nicht, wie sich jemand zu diesem Thema äußern und gleichzeitig ignorieren oder gar verneinen könne, dass diese Methoden bei der Terrorismusbekämpfung der USA eine Rolle gespielt haben. Sie frage sich, ob die Diskussion nicht besser um diejenigen gehen sollte, die diese Politik zu verantworten haben.

Auch zu dem Vorwurf, die Darstellungen in dem Film seien unpräzise und irreführend, weil angenommen werden könnte, die Informationen über bin Ladens Aufenthalt seien durch Folter erlangt worden, äußerte sich Bigelow. Sie schreibt dazu: "Ich glaube, bin Laden wurde aufgrund der ausgeklügelten Arbeit der Geheimdienste gefasst. Dennoch wissen wir alle, dass Folter in den ersten Jahren bei der Jagd angewandt wurde."

Die Art und Weise, wie sie in ihrem Film, der für fünf Oscars nominiert ist, Folterszenen darstellte, verteidigte Bigelow unter Berufung auf die US-Verfassung: Jeder Amerikaner habe das Recht, sich in künstlerischen Arbeiten auszudrücken – und zwar ohne die Einmischung oder Drohungen durch die Politik. Im Senat wird nämlich derzeit untersucht, ob sich Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal unerlaubten Zugang zu Geheimdienstmaterial verschafft haben. 

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