Eines Nachts wird Django herausgeholt aus einem Transport gefesselter Sklaven, und zunächst ist er seinem Retter Schultz nur nützlich. Mit Djangos Hilfe will er an drei verbrecherische weiße Brüder herankommen, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Der schwarze Django aber hat nicht nur grundsätzlich, sondern auch sehr persönlich mit den Weißen eine Rechnung offen: Er will seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) befreien, die nach der gemeisamen Flucht an Calvin Candie verkauft wurde.

Fein kommen da, verkörpert in den beiden Hauptfiguren, die Zentralmotive Rache und Geld des Italo-Westerns zusammen, den Tarantino zudem mit Titelverweis auf Sergio Corbuccis Klassiker von 1966 zitiert. Also gehen Django und Schultz gemeinsam auf Kopfgeldjagd, bevor sie sich der Befreiung Broomhildas widmen. Mal lustig, mal spannend, mal sehr plakativ romantisch lässt sich Django Unchained abseits der extrem brutalen Szenen so auch glatt als Entertainment mit politischen Überbau lesen. Als der Deutsche dem Amerikaner wegen Broomhilda alias Brünnhilde relativ knapp die Nibelungensage verklickert, wird es sogar ein bisschen erbaulich.

Nur wie steht es um das Prinzip der kompensatorischen Gerechtigkeit via Film, das derzeit vor allem im Vergleich mit Tarantinos Inglourious Basterds (2009) bemüht wird? Brauchen die Afroamerikaner, 150 Jahre nach dem Bürgerkrieg, 50 Jahre nach Black Power und im fünften Amtsjahr eines schwarzen Präsidenten noch jene Katharsis, die der Django-Regisseur in Interviews gern beschwört? Und wie ist, rückwirkend, jene Katharsis zu beurteilen, die die deutschen Kritiker und das Kinopublikum nach Inglourious Basterds so begeistert erfuhren – als Tarantino ein Besatzungskino voller Nazi-Größen genauso vergnügt in die Luft jagte wie jetzt Calvin Candies Südstaaten-Villa?

Eigentümlich: Django Unchained relativiert die Erinnerung an Inglourious Basterds, statt sie zu verstärken. Vor allem, weil sich der neue Film dramaturgisch fast wie ein Aufguss ausnimmt. Wieder tritt Christoph Waltz, wie damals als SS-Standartenführer Hans Landa, nicht nur in der Eröffnungssequenz als gerissener Herr der Lage auf, wieder bereiten überlange, in kultiviertem Ton gehaltene Monologe breit ausgespielte Gewaltakte vor, wieder entsteht ein Tableau unerträglichsten Sadismus, bevor sich endlich Gegenwehr entladen darf. Klar, das ist die Marke Tarantino. Aber hier verkommt sie endlich zur Masche.

Überhaupt braucht es bei diesem Regisseur immer derart absolute Situationsdominatoren. In Django Unchained kommt der Job erst dem wie immer brillant palavernden Christoph Waltz zu, der Jamie Foxx alias Django einweist: "Vermeide hektische Bewegungen und überlass das Reden mir." Bald aber wird Leonardo DiCaprio als in geschliffener Rede mitunter mit Waltz wetteifernder Zampano gebraucht, der urplötzlich in den Brutalo-Jargon zu wechseln weiß. Schließlich Jamie Foxx: Er lässt vor allem die Waffen sprechen. Bei knapp drei Stunden Filmlänge aber gerät der Dauerblick auf solch totale Herren der Lage zu einer auch totalitären Kinoerfahrung.