Film "Django Unchained"Die Marke Tarantino verkommt zur Masche
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Quentin Tarantino ist nicht der Große Diktator

Nun ist Quentin Tarantino weder der Große Diktator noch ein Allmächtiger, der sich stets an anderweitiger Machtlosigkeit berauschen müsste. Aber die stereotyp anmutende Struktur seines Szenenaufbaus sorgt, bei aller Faszination, immer wieder für Distanzierungsschübe. Am besten ist daher vielleicht dran, wer Django Unchained ungeachtet aller Debatten um Gewalt und Geschichte als pures Genrestück genießt, das sich via Humor immer wieder selber von seinem finsteren Setting zu distanzieren weiß. Allerdings braucht es dafür ein gegen Sinnfragen eher robust gepanzertes Gemüt.

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Drei hübsche Einladungen an den Zuschauer, sich daran zu versuchen, spricht Tarantino selbst aus, wobei er sie elegant auf Ouvertüre, Mittelteil und Finale verteilt. Wie macht Schultz’ Pferd bei der Erwähnung seines Namens Fritz? Woran erinnert kostümtechnisch der Trupp tumber weißer Südstaatler, die Schultz und Django nächtens eine Lektion erteilen wollen? Und welche Rolle hat sich Tarantino selber vor der Kamera vorbehalten? Immerhin die Antworten darauf machen garantiert Spaß.

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Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • Nibbla
    • 15. Januar 2013 13:31 Uhr
  1. ... zu lesen, dass es noch andere gibt, die das so sehen.
    Die Tarantino-Filme sind immer irgendwie gleich und man kann sich schon immer im Voraus denken, was passiert. Endlos lang quälende Szenen, die irgendwelche Nichtigkeiten ausführlichst zeigen immer in Abwechslung gepaart mit reißerischer, brutaler Gewalt möglichst laut, im Großformat und detailgetreu dargestellt.
    Was am Anfang noch neu und spannend war, verkommt zur eintönigen Masche.
    Wenn ich noch an die Anfangsszene von Inglorious Bastards denke, die ewig lange Szene mit Waltz bei den französischen Bauern bis dann doch das passiert, was sich jeder die ganze Zeit denken konnte (natürlich dann wieder schön brutal breitgetreten), gäääähn...

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    ...ich fand besagte Anfangsszene sehr spannend. Ich habe den Eindruck, ihnen gefällt schlicht der Tarantino-Stil nicht. Welche seiner Filme fanden sie denn gut?

    • TDU
    • 15. Januar 2013 13:48 Uhr
    3. Kunst

    "wieder entsteht ein Tableau unerträglichsten Sadismus, bevor sich endlich Gegenwehr entladen darf." Ist halt Kunst, weils Tarantino ist, sonst wärs Splatter, Vorlage zum Amoklauf oder sonst was. Mit der Gewalt in Italo Western nicht zu vergleichen. Da durfte Rächer zwar gewalttätig aber nicht sadistisch daherkommen.

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    • TDU
    • 15. Januar 2013 16:36 Uhr

    Habe den Film noch nicht gesehen.

    Weil der Böse gewalttätig auch manchmal sadistisch war, durfte man eben Gewalt anwenden.

    Tarantino geht weiter. Für ihn ist die Gewalt in jedem. Fast religiös. Doch wo Religion Selbstkasteiung empfiehlt wie z. B. die Opus Dei, ist die Heilung im Anderen.

    Die Rechtfertigung sogar für Sadismus ist das Gute. Das ist neu. War bei Reservoir Dogs der Sadismus der Hilflosigkeit geschuldet, bei American Psycho (Buch) dem Druck der Regelungen bis zu richtigen Kravatte und beim Schwiegen der Lämmer die Geisteskrankheit, ist es hier das Gute was rechtfertigt.

    Selbstgerechtigkeit ist Trumpf. Ich dachte, mir ist die Gewalt zuwider aber das ist das Entscheidende, was die GewaltSache schwer erträglich macht. Die Sebstgerechtigkeit ist schlimm, kommt sie gewalttätig noch schlimmer.

    Es ist keine Masche. Tarantino ist Humanist. Man darf ab jetzt gewalttätig sein, weil man im Besitz des Guten ist.

  2. >> Allerdings braucht es dafür ein gegen Sinnfragen eher robust gepanzertes Gemüt. <<

    ... Tarantinos siebter Film seit Reservoir Dogs - acht Filme in 20 Jahren. Die paar Pausen von der Sinnsuche müssen erlaubt sein ;-)

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    der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist, bei Tarantino nicht ohnehin "im falschen Film"...???

  3. ... oder trägt auf dem Artikel-Foto Jamie Foxx die alten Klamotten von Dean Martin auf ? Vielleicht ist das auch wieder ein "Zitat" (weswegen sich Tarantino ja als Künstler wähnt - gut geklaut ist besser als schlecht erfunden) ...
    Mich haben seine Gewaltorgien, und seien sie mit "Augenzwinkern" serviert, noch nie interessiert bzw. abgestoßen. Nicht alles was pervers ist, ist auch Kunst.

    4 Leserempfehlungen
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    Laut Imdb.com verhält es sich eher so:

    "In the screenplay, Tarantino describes one of Django's outfits as a little like Elvis in Flaming Star and Little Joe Cartwrigth from Bonanza."

    Das passt!

    Ich wußte doch, ich kenne die Klamotten von woher.
    Aber wenn mich nicht alles täuscht, hat sie auch Dean Martin
    getragen (lange vor Bonanza und Landon). Vielleicht in Rio Bravo.
    Jedenfalls sind die Klamotten ein Zitat.
    :-))

  4. Bei hyperbrutalen Szenen, heute leider Qualitätsmerkmal von Filmen, schalte ich ab. Da wird aus ökonomischen Gründen an niedrigste Gefühle appelliert. Klappt, aber mit Kunst hat es nichts mehr zu tun.

    6 Leserempfehlungen
  5. Laut Imdb.com verhält es sich eher so:

    "In the screenplay, Tarantino describes one of Django's outfits as a little like Elvis in Flaming Star and Little Joe Cartwrigth from Bonanza."

    Das passt!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Täusche ich mich ..."

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