Film "Django Unchained" : Die Marke Tarantino verkommt zur Masche
Seite 3/3:

Quentin Tarantino ist nicht der Große Diktator

Nun ist Quentin Tarantino weder der Große Diktator noch ein Allmächtiger, der sich stets an anderweitiger Machtlosigkeit berauschen müsste. Aber die stereotyp anmutende Struktur seines Szenenaufbaus sorgt, bei aller Faszination, immer wieder für Distanzierungsschübe. Am besten ist daher vielleicht dran, wer Django Unchained ungeachtet aller Debatten um Gewalt und Geschichte als pures Genrestück genießt, das sich via Humor immer wieder selber von seinem finsteren Setting zu distanzieren weiß. Allerdings braucht es dafür ein gegen Sinnfragen eher robust gepanzertes Gemüt.

Drei hübsche Einladungen an den Zuschauer, sich daran zu versuchen, spricht Tarantino selbst aus, wobei er sie elegant auf Ouvertüre, Mittelteil und Finale verteilt. Wie macht Schultz’ Pferd bei der Erwähnung seines Namens Fritz? Woran erinnert kostümtechnisch der Trupp tumber weißer Südstaatler, die Schultz und Django nächtens eine Lektion erteilen wollen? Und welche Rolle hat sich Tarantino selber vor der Kamera vorbehalten? Immerhin die Antworten darauf machen garantiert Spaß.

Erschienen im Tagesspiegel

Anzeige

Kultur-Newsletter

Was die Musik-, Kunst- und Literaturszene bewegt. Jede Woche kostenlos per E-Mail.

Hier anmelden

Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ergänzung - nur Gedanken

Habe den Film noch nicht gesehen.

Weil der Böse gewalttätig auch manchmal sadistisch war, durfte man eben Gewalt anwenden.

Tarantino geht weiter. Für ihn ist die Gewalt in jedem. Fast religiös. Doch wo Religion Selbstkasteiung empfiehlt wie z. B. die Opus Dei, ist die Heilung im Anderen.

Die Rechtfertigung sogar für Sadismus ist das Gute. Das ist neu. War bei Reservoir Dogs der Sadismus der Hilflosigkeit geschuldet, bei American Psycho (Buch) dem Druck der Regelungen bis zu richtigen Kravatte und beim Schwiegen der Lämmer die Geisteskrankheit, ist es hier das Gute was rechtfertigt.

Selbstgerechtigkeit ist Trumpf. Ich dachte, mir ist die Gewalt zuwider aber das ist das Entscheidende, was die GewaltSache schwer erträglich macht. Die Sebstgerechtigkeit ist schlimm, kommt sie gewalttätig noch schlimmer.

Es ist keine Masche. Tarantino ist Humanist. Man darf ab jetzt gewalttätig sein, weil man im Besitz des Guten ist.