Film "Die Nacht der Giraffe"Im Käfig unserer Sehnsüchte
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Fabel von der Sehnsucht der Menschen

Es bedarf eines Magiers, um Lana ihre Sehnsucht bewusst zu machen und sie schließlich aus ihrem großen Käfig herauszulocken. Eines Tages steht er, verkleidet als Cowboy, vor ihr und verzaubert sie mit einer langen, zärtlichen Berührung. Wenig später reicht sie ihm ihre Hand, um sich von ihm über die Mauer nach draußen ziehen zu lassen.

Jenseits nun liegt die Welt der Menschen, wie Lana sie bislang nicht kannte. Hier gibt es Berührungen. Ihr Bedürfnis nach Nähe könnte gestillt werden. Der zaubernde Cowboy bleibt jedoch eine unerreichbare Chimäre für sie und verflüchtigt sich irgendwann während eines spektakulären Zaubertricks endgültig. Lana landet ausgerechnet an einem Ort, an dem es nur noch um Berührungen geht – ganz ohne Gefühle. Sie landet in einem Club für erotische Massagen.

Was Die Nacht der Giraffe so wunderschön macht, ist die Leichtigkeit, mit der diese Fabel erzählt wird. Es wird nur wenig und selten gesprochen, die Bilder gelten den Tieren und den Gesten. Und irgendwann begreifen wir, dass es die Sehnsucht ist, die uns zum Menschen macht, dass es aber keinen Ort auf dieser Welt gibt, an dem sie gestillt werden könnte.

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