Mehr Interesse am Apparat des Krieges als an dessen Moral
Die Filmindustrie hat nach Jahren deutlicher Parteinahme (zunächst für den Kriegseinsatz, später durch Kritik an der Bush-Politik) zu differenzierteren Darstellungen gefunden. Kathryn Bigelow steht für diese Art des Filmemachens. Schon in ihrem letzten Film Hurt Locker zeigte sie mehr Interesse am Apparat des Krieges als an dessen Moral. Das macht sie zur leichten Zielscheibe für Kritiker, die den Anblick von Folterbildern nicht mehr ertragen.
Die Bilder aus Guantánamo Bay und Abu Ghraib lassen sich aber nicht einfach auslöschen, indem man sie aus dem Kino verbannt. Bigelow geht es mit Zero Dark Thirty nicht um eine Bewertung des Krieges und seiner Methoden. Sie beschreibt lediglich am Beispiel der Frontakteure ein politisches Klima, in dem Menschenrechte nach Belieben außer Kraft gesetzt werden konnten.
- Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche
Fünf Jahre Leben (Deutschland, Regie: Stefan Schaller)
11 Freundinnen(Deutschland; Regie: Sung-hyung Cho)
Mutter und Sohn (Rumänien; Regie: Calin Peter Netzer)Ab 15. Mai berichtet ZEIT ONLINE von den Filmfestspielen in Cannes
Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten
- Vergangene Filmwoche
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangenen beiden Wochen:
Der große Gatsby(Australien, USA; Regie: Baz Luhrmann)
Paradies: Hoffnung (Frankreich, Österreich, Deutschland; Regie: Ulrich Seidl)
Evil Dead (USA; Regie: Fede Alvarez)Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten
- Ihre Rezension
Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.
Dass sie sich dabei auf verbürgte Quellen beruft, diesen dokumentarischen Ansatz aber gleichzeitig mit dramaturgischen Verkürzungen und Spekulationen untergräbt, ist ungeschickt, beschädigt ihre künstlerische Position jedoch nicht. Kein Hollywood-Spielfilm muss den Anspruch einer journalistischen Arbeit erfüllen. Er bleibt, und da hat Bigelow Recht, trotz der Bezugnahme auf historische Begebenheiten, immer ein fiktionales Werk (siehe auch den diese Woche anlaufenden Steven Spielberg-Film Lincoln).
Was man der Regisseurin vorwerfen kann, ist ihre nur vage politische Haltung. Zero Dark Thirty ist daher kein pazifistischer Film, wie Bigelow im Interview mit der L.A. Times behauptete. Daraus abzuleiten, sie würde den Einsatz von Folter befürworten, grenzt allerdings an Demagogie. So wurde im Trubel der letzten Tage das eigentlich Skandalöse an Zero Dark Thirty bequemerweise verdrängt: dass Folter tatsächlich über viele Jahre ein selbstverständliches Instrument im "Krieg gegen den Terror" war.







Ich verstehe des Geschreibsel nicht. Wieso muss sich ein Regisseur positionieren? Und warum soll dies der Film wiederspiegeln? Sind wir alle so degeneriert das wir nicht mehr selbst in der Lage sind uns eine Meinung zu bilden? Durch Abwaegen von Fakten, Ethik und Moral..
Es ist nicht die Aufgabe eines Regisseurs uns zu zeigen was Recht und Unrecht ist. Bigelow schafft es gerade KEINE Position zu beziehen. Sondern zeigt einfach wie es war und auch was es mit den Menschen macht.
Genau das macht diesen Film, fuer mich, so genial.
Und bei all dem sollte der Zuschauer die Ursache fuer diese Jagd nie vergessen...
ist nicht das Problem, sondern das Folter als sinnvoll und erfolgreich für den "Kampf gg. Terror" dargestellt wird. Nicht nur, daß damit Folter nachträglich legitimiert wird, ist dies im konkreten Fall und allgemein auch noch falsch:
"Besonders »besorgt« zeigten sich die Senatoren »über die klaren Implikationen des Films«, wonach die CIA nur dank wiederholter Folterverhöre an entscheidende Details über den Verbleib von Osama bin Laden gekommen sei. Die drei Politiker halten dagegen kategorisch fest: »Diese Informationen sind falsch!« Nach Überprüfung von mehr als sechs Millionen Seiten umfassenden Geheimdienstaufzeichnungen sei festzustellen, so die Senatoren, daß die CIA von ihren gefolterten Gefangenen nichts über die Existenz des fraglichen Kuriers erfahren habe. Folterverhöre hätten dazu absolut gar nichts beigetragen. Tatsächlich habe die CIA die Existenz des Kuriers, seinen wahren Namen und seinen Standort mit Mitteln in Erfahrung gebracht, die überhaupt nichts mit den sogenannten verschärften Verhörtechniken zu tun hatten...
Unter Folter zustandegekommene Geständnisse seien nicht verläßlich und würden meist sogar die echten Aufklärungsergebnisse stören...»Weil Amerikaner gestern gefoltert haben, werden sie heute getötet.«"
http://www.jungewelt.de/2...
Darüber hinaus ist es zumindest fragwürdig, wenn ein Geheimdienst sich derart in das Entstehen eines Films einmischt, wie bei ZDT geschehen.
Genau dafür ist Bigelow kritisiert worden: "...zeigt einfach wie es war". Das Problem: so genau war es wohl doch nicht, wie inzwischen einige sehr gut informierte und unverdächtige Personen zu Protokoll gegeben haben!
Nun ist der Film keine Doku und kann sich künstlerische Freiheiten herausnehmen. Leider tut er aber so als ob es so gewesen wäre und von den Millionen von Zuschauern bleibt sehr wahrscheinlich bei vielen genau der Eindruck, dass es doch "so war" (z.B. "Folter funktioniert"). Diesen falschen Eindruck im Nachhinein zu bedauern zeugt bestenfalls von ziemlicher Naivität.
ist nicht das Problem, sondern das Folter als sinnvoll und erfolgreich für den "Kampf gg. Terror" dargestellt wird. Nicht nur, daß damit Folter nachträglich legitimiert wird, ist dies im konkreten Fall und allgemein auch noch falsch:
"Besonders »besorgt« zeigten sich die Senatoren »über die klaren Implikationen des Films«, wonach die CIA nur dank wiederholter Folterverhöre an entscheidende Details über den Verbleib von Osama bin Laden gekommen sei. Die drei Politiker halten dagegen kategorisch fest: »Diese Informationen sind falsch!« Nach Überprüfung von mehr als sechs Millionen Seiten umfassenden Geheimdienstaufzeichnungen sei festzustellen, so die Senatoren, daß die CIA von ihren gefolterten Gefangenen nichts über die Existenz des fraglichen Kuriers erfahren habe. Folterverhöre hätten dazu absolut gar nichts beigetragen. Tatsächlich habe die CIA die Existenz des Kuriers, seinen wahren Namen und seinen Standort mit Mitteln in Erfahrung gebracht, die überhaupt nichts mit den sogenannten verschärften Verhörtechniken zu tun hatten...
Unter Folter zustandegekommene Geständnisse seien nicht verläßlich und würden meist sogar die echten Aufklärungsergebnisse stören...»Weil Amerikaner gestern gefoltert haben, werden sie heute getötet.«"
http://www.jungewelt.de/2...
Darüber hinaus ist es zumindest fragwürdig, wenn ein Geheimdienst sich derart in das Entstehen eines Films einmischt, wie bei ZDT geschehen.
Genau dafür ist Bigelow kritisiert worden: "...zeigt einfach wie es war". Das Problem: so genau war es wohl doch nicht, wie inzwischen einige sehr gut informierte und unverdächtige Personen zu Protokoll gegeben haben!
Nun ist der Film keine Doku und kann sich künstlerische Freiheiten herausnehmen. Leider tut er aber so als ob es so gewesen wäre und von den Millionen von Zuschauern bleibt sehr wahrscheinlich bei vielen genau der Eindruck, dass es doch "so war" (z.B. "Folter funktioniert"). Diesen falschen Eindruck im Nachhinein zu bedauern zeugt bestenfalls von ziemlicher Naivität.
Und gemeinsam begangene Verbrechen schweißen zusammen.
Jeglicher Nutzen von Folter wird durch die Diskreditierung der eigenen Sache und der Radikalisierung des Gegners aufgehoben.
Es sei denn, man will den Konflikt.
"Inzwischen hat der Protest auch das liberale Hollywood erreicht, wo vergangene Woche die Forderung laut wurde, den fünffach nominierten Zero Dark Thirty bei der Oscar-Verleihung im Februar zu boykottieren."
- Also von einem, aus unserem europäischen Blickwinkel betrachteten, liberalem Hollywood kann nun wirklich nicht die Rede sein
- Hollywood ist vllt., wenn überhaupt, im US-Amerikanischen Vergleich liberal
Kann da nur folgendes empfehlen:
http://www.youtube.com/wa...
RN
wenn dieser Film aufgrund von Fakt-Anzweifelung nicht das bekommt, was er verdient. Lieber Fantays und Sci-Fi schauen statt echte Gegewarts-Themen. So hat man es doch lieber.
.. kann man Schauspielern eine fehlende oder falsche politische Haltung vorwerfen?
ist eine geniale Begriffsschöpfung, weil damit die Nichtanwendung von "Habeas Corpus" und jeglicher ziviler Strafprozessordnung, das grosszügige Einsammeln von " Kriegsgefangenen", das Töten vermeintlicher Terrorführer, zufällig anwesenden Verwandter, Nachbarn und Passanten gerechtfertigt wird.
Pakistan und Afghanistan haben zusammen über 200 Millionen Einwohner. Um dort den islamistischen Terror mit rechtstaatlichen Mitteln auszumerzen müsste man wohl neben jeden einen internationalen Ermittler, Staatsanwalt, Verteidiger und Richter stellen. Soviel Geld will keiner ausgeben. Also entweder den Terror ertragen oder "hobeln", mit "Spänen".
Das ist die Geschichte, die Bigelow erzählt. Ohne das, wie im griechischen Drama, der Chor den Zuschauer belehrt. Darüber sollen wir alle nachdenken. Lösungsvorschläge?
"So wurde im Trubel der letzten Tage das eigentlich Skandalöse an Zero Dark Thirty bequemerweise verdrängt: dass Folter tatsächlich über viele Jahre ein selbstverständliches Instrument im "Krieg gegen den Terror" war."
War? Oder eher ist?
ist nicht das Problem, sondern das Folter als sinnvoll und erfolgreich für den "Kampf gg. Terror" dargestellt wird. Nicht nur, daß damit Folter nachträglich legitimiert wird, ist dies im konkreten Fall und allgemein auch noch falsch:
"Besonders »besorgt« zeigten sich die Senatoren »über die klaren Implikationen des Films«, wonach die CIA nur dank wiederholter Folterverhöre an entscheidende Details über den Verbleib von Osama bin Laden gekommen sei. Die drei Politiker halten dagegen kategorisch fest: »Diese Informationen sind falsch!« Nach Überprüfung von mehr als sechs Millionen Seiten umfassenden Geheimdienstaufzeichnungen sei festzustellen, so die Senatoren, daß die CIA von ihren gefolterten Gefangenen nichts über die Existenz des fraglichen Kuriers erfahren habe. Folterverhöre hätten dazu absolut gar nichts beigetragen. Tatsächlich habe die CIA die Existenz des Kuriers, seinen wahren Namen und seinen Standort mit Mitteln in Erfahrung gebracht, die überhaupt nichts mit den sogenannten verschärften Verhörtechniken zu tun hatten...
Unter Folter zustandegekommene Geständnisse seien nicht verläßlich und würden meist sogar die echten Aufklärungsergebnisse stören...»Weil Amerikaner gestern gefoltert haben, werden sie heute getötet.«"
http://www.jungewelt.de/2...
Darüber hinaus ist es zumindest fragwürdig, wenn ein Geheimdienst sich derart in das Entstehen eines Films einmischt, wie bei ZDT geschehen.
»Folterdarstellung ist nicht das Problem, sondern das Folter als sinnvoll und erfolgreich für den "Kampf gg. Terror" dargestellt wird.«
Die US Army hatte die Macher von »Jack Bauer« sogar gebeten, die Folterszenen weniger brutal zu gestalten, da sich ihre Soldaten ein Beispiel daran nahmen.
Zu Osama Bin Ladens Tod gibt es nur eine offizielle Darstellung, die bereits durch das erste Buch eines dabei gewesenen Navy Seals in wesentlichen Teilen erschüttert wurde. Zwar schrieb der Elitesoldat unter eine Pseudonym, sein Klarname wurde aber durch die Murdoch-Press umgehend veröffentlicht.
Seltsamerweise hat sich niemand aus dem Islamistischen Lager über den Tod Bin Ladens, seine Hinrichtung in Pakistan, die besser seine Ergreifung hätte sein sollen, aufgeregt. Keine Stürme der Entrüstung haben den Orient erschüttert, und das seltsame, dies fällt scheinbar niemandem ernsthaft auf.
Mit dem Film scheint nun die offizielle Version untermauert zu werden. Er kann und wird unser Denken nicht beeinflussen. Folter, selbst die Androhung (siehe Bankierssohn Metzler) ist zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt. Auch dann nicht, wenn Hollywood an einer schönen Story mitarbeiten möchte. Oscars haben andere Geschichtenerzähler eher verdient.
»Folterdarstellung ist nicht das Problem, sondern das Folter als sinnvoll und erfolgreich für den "Kampf gg. Terror" dargestellt wird.«
Die US Army hatte die Macher von »Jack Bauer« sogar gebeten, die Folterszenen weniger brutal zu gestalten, da sich ihre Soldaten ein Beispiel daran nahmen.
Zu Osama Bin Ladens Tod gibt es nur eine offizielle Darstellung, die bereits durch das erste Buch eines dabei gewesenen Navy Seals in wesentlichen Teilen erschüttert wurde. Zwar schrieb der Elitesoldat unter eine Pseudonym, sein Klarname wurde aber durch die Murdoch-Press umgehend veröffentlicht.
Seltsamerweise hat sich niemand aus dem Islamistischen Lager über den Tod Bin Ladens, seine Hinrichtung in Pakistan, die besser seine Ergreifung hätte sein sollen, aufgeregt. Keine Stürme der Entrüstung haben den Orient erschüttert, und das seltsame, dies fällt scheinbar niemandem ernsthaft auf.
Mit dem Film scheint nun die offizielle Version untermauert zu werden. Er kann und wird unser Denken nicht beeinflussen. Folter, selbst die Androhung (siehe Bankierssohn Metzler) ist zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt. Auch dann nicht, wenn Hollywood an einer schönen Story mitarbeiten möchte. Oscars haben andere Geschichtenerzähler eher verdient.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren