Die Filmindustrie hat nach Jahren deutlicher Parteinahme (zunächst für den Kriegseinsatz, später durch Kritik an der Bush-Politik) zu differenzierteren Darstellungen gefunden. Kathryn Bigelow steht für diese Art des Filmemachens. Schon in ihrem letzten Film Hurt Locker zeigte sie mehr Interesse am Apparat des Krieges als an dessen Moral. Das macht sie zur leichten Zielscheibe für Kritiker, die den Anblick von Folterbildern nicht mehr ertragen.

Die Bilder aus Guantánamo Bay und Abu Ghraib lassen sich aber nicht einfach auslöschen, indem man sie aus dem Kino verbannt. Bigelow geht es mit Zero Dark Thirty nicht um eine Bewertung des Krieges und seiner Methoden. Sie beschreibt lediglich am Beispiel der Frontakteure ein politisches Klima, in dem Menschenrechte nach Belieben außer Kraft gesetzt werden konnten.

Dass sie sich dabei auf verbürgte Quellen beruft, diesen dokumentarischen Ansatz aber gleichzeitig mit dramaturgischen Verkürzungen und Spekulationen untergräbt, ist ungeschickt, beschädigt ihre künstlerische Position jedoch nicht. Kein Hollywood-Spielfilm muss den Anspruch einer journalistischen Arbeit erfüllen. Er bleibt, und da hat Bigelow Recht, trotz der Bezugnahme auf historische Begebenheiten, immer ein fiktionales Werk (siehe auch den diese Woche anlaufenden Steven Spielberg-Film Lincoln).

Was man der Regisseurin vorwerfen kann, ist ihre nur vage politische Haltung. Zero Dark Thirty ist daher kein pazifistischer Film, wie Bigelow im Interview mit der L.A. Times behauptete. Daraus abzuleiten, sie würde den Einsatz von Folter befürworten, grenzt allerdings an Demagogie. So wurde im Trubel der letzten Tage das eigentlich Skandalöse an Zero Dark Thirty bequemerweise verdrängt: dass Folter tatsächlich über viele Jahre ein selbstverständliches Instrument im "Krieg gegen den Terror" war.