Folter im FilmWie hältst du's mit dem Waterboarding?

Kathryn Bigelow bekam für Folterszenen in "Zero Dark Thirty" Kritik. Dabei ist die Darstellung realistisch. Vorwerfen kann man ihr höchstens fehlende politische Haltung. von Andreas Busche

Der "Krieg gegen den Terror" hat tiefe Wunden im Selbstverständnis der USA hinterlassen. Das Erbe der Bush-Regierung mit den Mahnmalen Guantánamo Bay und Abu Ghraib sind noch immer sensible Themen in der amerikanischen Öffentlichkeit. Dass Kathryn Bigelows neuer Film Zero Dark Thirty über die zehn Jahre dauernde Jagd auf Osama bin Laden Kontroversen auslösen würde, war also zu erwarten. Sein Gegenstand prädestiniert ihn dazu, politisch vereinnahmt zu werden. Schon im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen wurde gemutmaßt, dass Zero Dark Thirty vor allem Barack Obamas Wahlkampf nutzen würde.

Darüberhinaus beruft sich Bigelow für ihre Darstellungen auf Quellen aus erster Hand  – und beansprucht damit journalistische Kriterien für ihren Film. Auch das brachte ihre Kritiker im linken wie rechten politischen Lager gegen sie auf. Zero Dark Thirty zeige, wie die menschenverachtenden Verhörmethoden der CIA zur Ergreifung bin Ladens führten. Dies sei faktisch wie sachlich nicht korrekt, werfen ihr die einen vor, da erstens bin Laden mit legalen Methoden aufgespürt wurde und zweitens Folter erwiesenermaßen nicht zu verwertbaren Informationen führe. (Was wiederum so klingt, als sei Folter nur aus dem Grund verwerflich, dass sie falsche Informationen produziert.)

Anzeige

Die Kritiker der anderen Seite werfen Bigelow vor, sie rechtfertige Folter als probates Mittel der Informationsbeschaffung, weil der Film einen Zusammenhang zwischen den Verhörmethoden der CIA, also Folter, und der Ergreifung bin Ladens herstelle. Inzwischen hat der Protest auch das liberale Hollywood erreicht, wo vergangene Woche die Forderung laut wurde, den fünffach nominierten Zero Dark Thirty bei der Oscar-Verleihung im Februar zu boykottieren.

Wie verhält es sich denn nun mit den Folterszenen von Zero Dark Thirty? Richtig ist, dass der Film sehr viel Zeit aufwendet zu zeigen, dass dem amerikanischen Geheimdienst jedes Mittel der militärischen Aufklärung recht war. Besonders die Praxis des Waterboardings kommt in den ersten vierzig Minuten wiederholt zum Einsatz. Ebenso korrekt ist, dass der Gefolterte den Namen des Mittelsmanns von bin Laden preisgibt. Diese Information trägt später dazu bei, bin Laden selbst zu fassen. Diese Jagd dauert jedoch noch mehrere Jahre. Der Film suggeriert also trotz seiner verdichteten Erzählweise keinen unmittelbaren oder ausschließlichen Zusammenhang zwischen den Verhören und der Ergreifung bin Ladens. Folter ist hier nur eines von vielen Mitteln des Heimatschutzes. Daraus den Schluss zu ziehen, Bigelow rechtfertige Folter, ist hanebüchen.

Die Kritik an Bigelows Folterbildern verrät vielmehr einiges über das Ausmaß der kollektiven Traumatisierung der USA.

Leserkommentare

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Kathryn Bigelow | Barack Obama | CIA | Folter | Filmindustrie
Service