ZDF-Intendant Bellut"Gottschalk ist live nicht kontrollierbar"

Der ZDF-Intendant Bellut will frühere Schleichwerbung bei "Wetten dass..?" nicht ausschließen. Seit Gottschalks Abschied sei es einfacher, die Regeln einzuhalten.

Thomas Gottschalk und Co-Moderatorin Michelle Hunziker während einer "Wetten dass...?"-Show auf Mallorca

Thomas Gottschalk und Co-Moderatorin Michelle Hunziker während einer "Wetten dass...?"-Show auf Mallorca  |  © Sascha Baumann/Getty Images

Das ZDF hat sich gegen den Vorwurf der Schleichwerbung verteidigt und zugleich eingeräumt, in bestimmten Fällen dagegen machtlos zu sein. Der Intendant Thomas Bellut sagte der ZEIT, eine Clearingstelle, die er 2004 eingerichtet habe, stelle sicher, dass die rechtlichen Regeln für Gewinnspiele eingehalten würden. Sie kontrolliere auch die Textvorlagen für den Moderator. "Hält er sich an den Wortlaut, gibt es keine Probleme", sagte Bellut. Allerdings: "Ein Thomas Gottschalk in einer Livesendung ist nicht kontrollierbar."

Bellut bestritt, dass Wetten dass..? für Autowerbung missbraucht worden sei. "Das ZDF hat in den vergangenen Jahren keine Schleichwerbung betrieben", bekräftigt er.

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Zugleich räumte er ein, dass es nach dem Abschied von Thomas Gottschalk als Moderator einfacher sei, "die Regeln einzuhalten". Die Agentur Dolce Media, die Thomas Gottschalks Bruder Christoph führt, war in der Vergangenheit als Lizenzvermarkter von Wetten dass..? tätig.

Rechtlich unzulässige Vereinbarungen?

In die Kritik geraten war unter anderem ein Vertrag, den Dolce Media mit Daimler abschloss und in dem laut Spiegelauch gestanden haben soll, wie die Autos am besten in Szene gesetzt werden sollten. "Das ZDF kennt nur einen Entwurf dieses alten Vertrags. Darin stand davon nichts", rechtfertigte sich Bellut. In den Entwürfen habe es keine Absprachen gegeben, die irgendeine Relevanz auf dem Bildschirm gehabt hätten.

Bellut schloss nicht aus, dass es bei den Sendungen am ZDF vorbei illegal Absprachen gab. "Sollten ohne unser Wissen Vereinbarungen über die Platzierung von Produkten gemacht worden sein, wäre das rechtlich unzulässig", sagte er.

Zugleich hält Bellut an Gewinnspielen, Werbung und Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fest und sieht auch in der Reform des Rundfunkbeitrags keinen Anlass, sie abzuschaffen. "Würden sie gestrichen, müssten die Beiträge erhöht werden." Die Diskussion solle aber weitergeführt werden.

Samuel Kochs Unfall

Den Erwerb von Sportrechten rechtfertigt er so: "Wenn ein Sender nicht mehr relevant ist, läuft er Gefahr, dass seine Berechtigung in Frage gestellt wird." Bisherigen Berichten nach, planen die Öffentlich-rechtlichen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien, die EM 2016 in Frankreich und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro fast eine halbe Milliarde Euro ein.

Verantwortung des ZDF am lebensgefährlichen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch wies Bellut erneut zurück. "Ich bedaure das, was vorgefallen ist, wirklich sehr. Ich fühle mich davon auch persönlich betroffen." Koch war beim Versuch verunglückt, auf künstlichen Sprungfedern Autos zu überspringen und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Der Vorfall war für Gottschalk der Anlass, die Moderation der Show abzugeben.

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Leserkommentare
  1. >>Zugleich hält Bellut an Gewinnspielen, Werbung und Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fest und sieht auch in der Reform des Rundfunkbeitrags keinen Anlass, sie abzuschaffen. "Würden sie gestrichen, müssten die Beiträge erhöht werden."<<

    Der Moloch des öffentl. Rundfunks kassiert ja wohl genug Geld, um auf Werbung verzichten zu können. Den 8 Milliarden, die wir Bürger Jahr für Jahr das Klo runter spülen, steht ja wohl nicht genügend Qualität gegenüber, um diese Summen zu rechtfertigen. Erst recht nicht weitere Budgets durch Werbung oder gar Schleichwerbung.

    17 Leserempfehlungen
    • Twipsy
    • 16. Januar 2013 13:18 Uhr

    Die Schleichwerbung nun mit der schlechten Kontrollierbarkeit von Gottschalk zu erklären, ist Quatsch. Wenn kein Audi reinfährt, kann er auch nix drüber sagen. Und die Werbetexte zum Audi in der Sendung hat der doch abgelesen, da wurde kein Detail ausgelassen.

    12 Leserempfehlungen
  2. ... war/ist doch nicht das Riesenproblem.

    Problem war vielmehr, dass "Wetten das ...?" eine Dauerwerbungsendung für Haribo-Produkte war. Wer das übersehen hat, der muss mit allen denkbaren körperlichen Gebrechen geschlagen sein.

    Warum wird darüber nicht gesprochen?

    6 Leserempfehlungen
  3. Jetzt tut das ZDF so, als hätte es keinen Einfluss auf Schleichwerbung. Schwach.

    Auch die Ausrede, ohne Werbung bräuchte man noch mehr Gebühren, ist schlecht. Verheizt doch einfach weniger! Nicht mal mit 7,5 Mrd Zwangssteuer von uns Bürgern bekommen die den Mund voll.

    Immerhin wissen wir jetzt, dass wir nicht für "Volksbildung" etc bezahlen, sondern dafür, dass das ZDF "relevant" bleibt. Was auch immer ich davon habe...

    6 Leserempfehlungen
  4. Der ZDF-Intendant kennt die gültigen Verträge des medialen Flagschiffs "Wetten dass ...?" seines Senders nicht. Ja was macht denn dieser Intendant so den lieben langen Tag, wenn es ihn überhaupt nicht zu interessieren scheint, was auf der fett gepolsterten Grundlage von Steuerzahlergeldern so alles in seinem Sender getan wird? Fragt der sich nicht mal hin und wieder, warum immer wieder dieselben Hollywood-Fratzen auf dem Sofa sitzen, um in der Regel ihr neues Pop-Album oder ihren neuen Film einem Millionenpublikum quasi kostenlos vorstellen zu dürfen (das spart der Pop- oder Filmindustrie millionen Euro). Da kann also eine Vermarktungsgesellschaft einer findigen Moderator+Bruder-Klitsche, die wohl vom ZDF für ihre wie auch immer geartete, öffentlich-rechtlich unkontrolliert erbrachte Dienstleistung fürstlich entlohnt wird, so nebenher einige Millionen Euro einsacken ... und das ist gut so. Der Mann soll seinen Hut nehmen, die Hundertschaft der partei-Aufsichtsräte am besten gleich mitentsorgen.

    5 Leserempfehlungen
    • zappp
    • 16. Januar 2013 14:08 Uhr

    Die Herren und Damen Intendanten, Programmdirektoren und Rundfunkräte sind doch keimdrüsenlose Gesellen, die ihren "Stars" für ein paar Prozente mehr Einschaltquote alles durchgehen lassen, und noch fettes Honorar hinterherschmeissen. Eine aufmüpfige Folge "Scheibenwischer" wurde einfach abgeschaltet. Eine neue Serie mit mieser Einschaltquote erst recht. Ist es nicht skandalös, dass jeder moderierende Rundfunkbeamte beim ersten Erfolg gleich hingeht, eine private Produktionsfirma aufzieht, am Sender vorbei (Schleich-) Werbegeschäfte aufzieht?

    4 Leserempfehlungen
  5. 10. Super

    Also das finded ich doch einmal eine gute Argumentation :"Den Erwerb von Sportrechten rechtfertigt er so: "Wenn ein Sender nicht mehr relevant ist, läuft er Gefahr, dass seine Berechtigung in Frage gestellt wird." Bisherigen Berichten nach, planen die Öffentlich-rechtlichen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien, die EM 2016 in Frankreich und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro fast eine halbe Milliarde Euro ein". So ist es also, um sich seinen Job zu erhalten werden mal eben 0.5 Mrd EUR verballert. Was waere eigentlich, wenn ZDF un ARD garnicht mitbieten? Dann uebertraegt eben RTL oder SAT 1 aber die zahlen nur die Haelfte, wenn ueberhaupt. So sorgt dann ARD und ZDF fuer die Megaeinkommen der Fussballstars. Was fuer ein Irrsinn ist das?

    4 Leserempfehlungen
  6. an Logoabdeckung und ähnlichen basics der Schleichwerbungsvermeidung?
    Das ZDF hat das Ganze zumindestens duldend in Kauf genommen, weil man das Zugpferd Gottschalk nicht ärgern wollte. Da muss man jetzt nicht drumherumreden.
    Meinetwegen können die sämtliche Werbung streichen und eben programmseitig auch nur die gesetzliche Grundversorgung anbieten.
    Mit Beitragserhöhungen zu drohen, wenn man nicht mehr so buntes Glitzerzeug machen darf, ist jedenfalls völlig daneben.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, tst
  • Schlagworte Thomas Gottschalk | Thomas Bellut | ZDF | Daimler AG | Fußball-WM | Moderator
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