Oliver PocherAbsichten eines Clowns
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Das Jauch-Gütesiegel

Schließlich, vielleicht zwangsläufig, meldet sich 2007 die ARD, meldet sich Harald Schmidt. Pocher soll dem alten Mann der späten Nächte eine Frischzellenkur verpassen. Es wird eine gegenseitig vorangetriebene Dekonstruktion zweier TV-Alphatiere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Schmidt, manierierte Selbstgefälligkeit im intellektuellen Frühherbst, zerlegt Pocher öffentlich in dessen Einzelteile aus Ordinärkomik und Spätpubertät. Die beiden schleppen sich durch unwürdige Szenen einer gescheiterten Ehe einem Ende entgegen, an dem Schmidt Pocher als "adipöses Ex-Talent" bezeichnet.

Pocher wechselt zu Sat1. Wenn es mit Schmidt nicht geht, geht es vielleicht allein. Ein Irrglaube.

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, sitzt Sascha Rinne im Frühstückssaal des Kempinski Hotel Airport München und wartet auf Pocher. Seit Jahren findet hier in der Lobby der Sport1 Doppelpass statt, der Fußballstammtisch: Jörg Wontorra, Thomas Helmer, Weißbier. Rinne hat die Bild am Sonntag in den Händen, Pflichtlektüre. Er überfliegt die Seiten, bleibt im Fernsehprogramm hängen. Triumphgrinsend deutet er auf die Spalte, in der die Gäste der heutigen Sendung angekündigt sind. Oliver Pocher, steht dort. Und dahinter das Wort Sky. "Ganz am Anfang", sagt Rinne, "da saß er einmal hier beim Doppelpass und hat den Podolski nachgemacht, heute sitzt er hier, und in der Bauchbinde oder der Fernsehzeitschrift steht: Oliver Pocher, Sky. Oder Oliver Pocher, Moderator. Da steht nicht Comedian oder Quasselstrippe."

Es ist dieses Wort hinter dem Komma, das wichtig ist. Sich einen Namen machen, das bedeutet auch, in der Öffentlichkeit über den Teil dahinter zu verfügen, ihn selbst zu gestalten. Denn was dort steht, kann den Namen davor entweder aufwerten oder mit einem faden Beigeschmack versehen. Pocher muss da nicht weit schauen. Seine Frau Alessandra, früher Sandy Meyer-Wölden, hat dort das Wort Schmuckdesignerin stehen. Ein Stigma. Wie It-Girl oder Bohlen-Ex. Im Zirkus Fernsehen trägt man Titel wie diese als Krone oder Narrenkappe.

Den Narren will Pocher endlich hinter sich lassen. Es ist keine zwei Jahre her, da schien er erledigt. Im März 2011 wurde die Oliver-Pocher-Show auf Sat1 wegen unzureichender Quoten eingestellt.

Der Versuch, eine eigene Late Night an seinen Namen zu binden, war der monatelang andauernde, peinlich zähe Abstieg eines Fernsehtalents, das noch vor gar nicht allzu langer Zeit als legitimer Samstagabenderbe galt. Der neue Gottschalk, hieß es da. Mindestens.

Denn Pocher ist ein hervorragender Gast. Wenn er kommt, kracht er in die Sendung, dröhnend, knallchargierend, unberechenbar. Ein Gastgeber aber ist er nicht. Schon in seiner ersten Sendung verhebt er sich im Talk mit seinem Stargast, der Sängerin Shakira. Sie sagt, sie rede öffentlich nicht gerne über Sex und Religion. Er sagt: "Dann machen wir Sex im Dom." Humor ist, wenn er trotzdem lacht.

Mit der Show ist auch das Prinzip Pocher gescheitert. Der ewig kindliche Clown, dem man jeden noch so derben Scherz verzeiht, weil er selbst mit Mitte 30 noch immer aussieht, als könnte er das nächste Gesicht auf der Brandt Zwieback-Verpackung werden. Die Frage nach einer Zukunft für Pocher ist deshalb auch die Frage danach, wie einer, der im Fernsehen aufgewachsen ist, jetzt im Fernsehen erwachsen werden kann.

Rinne legt die Zeitung beiseite und beginnt, die Idee vom neuen Pocher zu erklären: "Nach dem Ende der Late Night auf Sat1 haben wir uns selbst hinterfragt. Es war nicht unbedingt das Gefühl, in einer Sackgasse gelandet zu sein, aber wir haben das analysiert in vielen langen Gesprächen. Und haben gesagt: Das Richtige wäre jetzt, einfach breiter zu werden." Die Marke optimieren, neu ausrichten.

Rinne verfällt gerne in astreines Marketingsprech. Pocher, das ist auch sein Produkt. Und es musste wieder konkurrenzfähig werden. Wo also gehört er hin, mittlerweile 34, Familienvater, Ehemann? Oder, wie Rinne es formuliert: "Wir haben uns gefragt: Okay, Olli, was sind deine Stärken?"

Die Antwort darauf ist eine naheliegende: Fußball. Pochers große Leidenschaft, die er auch in den Jahren zuvor immer mal wieder im Fernsehen ausleben durfte. Mal als Nationaltrainer Sambias, mal als Vortänzer einer Hobbyfußballtruppe, die den großen FC Bayern herausforderte. Pocher hat jedes große Turnier seit 2004 begleitet, sein Song Schwarz auf Weiß wird noch immer bei jedem Tor der Nationalelf gespielt. Als Anhänger von Hannover 96 fährt er selbst zu Auswärtsspielen nach Hoffenheim. Im August 2011 fängt er bei Sky an. Narr Pocher und König Fußball. Ein erster Schritt.

Auf RTL darf Pocher in unregelmäßigen Abständen unter der Aufsicht Günther Jauchs dessen Sendung 5 gegen Jauch präsentieren. Die beiden haben sich während seiner Zeit bei Schmidt kennen gelernt. Jauch ist Pocherfan und Pochermentor. Aber warum eigentlich? Jauch: "Er ist in der Lage, das Publikum zu unterhalten. Egal, ob in der Werbepause oder in der Sendung. Er ist angstfrei und kann sehr gut mit Livesituationen und Druck umgehen. Typen wie er sind in der Medienlandschaft rar." Eine Produktbeschreibung, die sich Sascha Rinne selbst nicht besser hätte ausdenken können. Das Jauch-Gütesiegel.

Nun füllt Pocher an diesem Freitag Jauchs angestammtem Wer-wird-Millionär-Sendeplatz mit seiner eigenen Show. "Alle auf den Kleinen". Eine, so sieht es aus, einmalige Sache. Die so genannte Eventshow war eigentlich schon für 2011 angekündigt worden. Derzeit ist auch keine weitere Ausgabe geplant. So bleiben die RTL-Events vorerst Ausflüge, während der Fußball zum Alltag geworden ist.

Am Abend vor seinem Auftritt beim Doppelpass, noch eine halbe Stunde bis zum Beginn der Samstag-Live!-Übertragung, schaut Pocher bei den Kollegen von Sport1 vorbei, ein kleiner Raum, wenige Türen neben dem Studio. Drei Tische, ein halbes Dutzend Bildschirme, auf denen die Stimmen zum Spiel übertragen werden, schweißnasse Interviews. Hier entscheiden sich die Themen für die Sendung am nächsten Morgen.

Leserkommentare
  1. so viele Ex-Comedians hinterher beim Sport als Kommentatoren?
    Könnte mir mal bitte jemand diese Frage beantworten?

    2 Leserempfehlungen
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    braucht Schreihälse.

  2. "Er war Comedian, Sänger, Parodist, Außenreporter für Stefan Raab und bei Wetten, dass..? Er wurde damit ein Star. Es ist eine Jajaja-Karriere."

    Eben gerade NICHT! Warum werden hier die peinlichen Schauspielversuche eigentlich nicht erwähnt? Vollidiot z. B. oder Alarm für Cobra 11 (guck ich nicht, weiß aber trotzdem, dass er da gelegentlich auftaucht). Talent zum Schauspielen hat er nicht.

    Für mich ist das keine Jajaja-Karriere sondern der verzweifelte Versuch Hauptsache IRGENDWO zu sehen zu sein.

    Das einzig Lustige an das ich mich im Zusammhang mit Pocher erinnern kann war, als er Bushido in eine seiner Sendungen eingeladen hatte und dieser total zugekoks war. Da war Bushido lustig, nicht Pocher, aber Pocher war immerhin dabei.

    5 Leserempfehlungen
  3. braucht Schreihälse.

    2 Leserempfehlungen
    • Hainuo
    • 04. Januar 2013 16:15 Uhr

    Ich denke, es ist nur konsequent, wenn SKY sein Sortiment an unsympatischen, untalentierten Moderatorenzombies erweitert. Karriere oder seriös würde ich es allerdings nicht nennen. Man braucht sich nur einmal diesen blonden jungen SKY-Moderator anschauen, der nicht nur durchgängig unsympatisch aussieht, sondern auch eine nervtötende Art zu reden hat. Von den ganzen Vollexperten ganz zu schweigen. Und die Kommentatoren...

    Eine Leserempfehlung
  4. war doch dem Altmeister als Partner zu begegnen und dadurch das Abseits zu ergründen.

    • A-RAP
    • 04. Januar 2013 19:26 Uhr

    Clown, besser hätte man es nicht formulieren können!

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  5. har für mich etwas absolut positives und intelligentes - aber der......... unerträglich

    Eine Leserempfehlung
  6. ... nämlich bei der Eröffnung von Möbelhäusern auf der grünen Wiese. Dort wird er das Publikum finden, das am besten mit seiner Art von Humor korrespondiert. Im übrigen: Die Überschrift "Absichten eines Clowns" ist eine Beleidigung all jener hart arbeitenden Artisten, die Kinder zum Lachen bringen vermögen.

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