Oliver PocherAbsichten eines Clowns
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Sportmoderator mit Unterhaltungswert

An einem Schreibtisch neben der Eingangstür sitzt Jörg Wontorra, 64 Jahre Leben, 40 Jahre Fernsehen, alter Hase, ein Gesicht wie eine Tropfsteinhöhle, als wäre es über die Jahre ständig im Scheinwerferlicht geschmolzen und wieder erkaltet. Wontorra, das verrät seine Körpersprache, steht unter Druck.

Als er Pocher sieht, öffnet sich seine Miene für eine dieser, mit fauchendem Gelächter unterlegten, Verbrüderungssekunden, die es so nur in Kneipen und unter Fernsehmenschen gibt. Pocher möchte wissen, was wichtig wird am nächsten Tag. Seine Vorbereitung. Sachlich, schnell, ohne große Schnörkel, fast charmant. Es ist nicht seine Show hier.

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Pocher: "Gibt es irgendwie eine strittige Szene?"

Wontorra: "Das Foul von Josué, den Ibisevic überlassen wir euch heute Abend."

Pocher: "Machen wir dann Stevens, wenn Schalke heute wieder nicht gewinnt?"

Wontorra: "Und am Ende die Bayern."

Pocher: "Die sich jetzt in eine Krise reinspielen."

Wontorra: "Noch ist nichts entschieden."

Pocher: "Wir können uns ja ein bisschen die Spannung schönreden."

Wontorra: "So machen wir das."

Bis morgen. Wontorra schließt die Tür. Er hat Pocher in den Doppelpass geholt, eine Schnapsidee zu jener Zeit. "Damals kam er noch als Gaukler zu uns", sagt Wontorra jetzt. "Mittlerweile sehe ich ihn als Sportmoderator mit Unterhaltungswert. Neudeutsch nennt man das, glaube ich, Sportstainment." Ja, ja, sein Kopf wippt, das trifft es ganz gut. Er lässt ein Lachen folgen, das von Raucherhusten kaum zu unterscheiden ist, danach Blick zurück: "Es gab am Anfang von den Hardcore-Gästen den ein oder anderen Vorbehalt. Das hat sich aber immer dann gelegt, wenn sie ihn mal zwei Stunden in der Sendung erlebt haben." Er nimmt sich ein paar Sekunden Bedenkzeit, als müsste er den nächsten Gedanken ganz in Ruhe formen, sagt dann: "Er hat gelernt, dass Fußball die ernsteste Sache der Welt ist." Da lacht Wontorra nicht.

Rinne hat sich seinen Stuhl vor einen der Monitore hinter den Publikumsreihen gezogen. Sonntag, kurz nach 11 Uhr. Die Übertragung läuft. Hier kann er besser sehen, was keine zehn Meter Luftlinie von ihm entfernt passiert. Er sieht sein Produkt, das nur spricht, wenn es von Wontorra direkt angesprochen wird. Was sagst du dazu, Olli? Dann sagt der Olli was dazu.

Wontorra macht jetzt die Bayern, über den Bildschirm läuft das Handspiel Jérôme Boatengs, dazu die Frage: Elfmeter oder nicht? Er beugt sich zu Pocher: "Unser Analyst ist in diesem Fall, wie sonst auch: Oliver Pocher. Er hat das bisher immer alles richtig gemacht."

Zehn Meter entfernt richtet sich Rinne im Stuhl auf: "Siehste", sagt er, "siehste! So weit haben wir es schon geschafft."

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. so viele Ex-Comedians hinterher beim Sport als Kommentatoren?
    Könnte mir mal bitte jemand diese Frage beantworten?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    braucht Schreihälse.

  2. "Er war Comedian, Sänger, Parodist, Außenreporter für Stefan Raab und bei Wetten, dass..? Er wurde damit ein Star. Es ist eine Jajaja-Karriere."

    Eben gerade NICHT! Warum werden hier die peinlichen Schauspielversuche eigentlich nicht erwähnt? Vollidiot z. B. oder Alarm für Cobra 11 (guck ich nicht, weiß aber trotzdem, dass er da gelegentlich auftaucht). Talent zum Schauspielen hat er nicht.

    Für mich ist das keine Jajaja-Karriere sondern der verzweifelte Versuch Hauptsache IRGENDWO zu sehen zu sein.

    Das einzig Lustige an das ich mich im Zusammhang mit Pocher erinnern kann war, als er Bushido in eine seiner Sendungen eingeladen hatte und dieser total zugekoks war. Da war Bushido lustig, nicht Pocher, aber Pocher war immerhin dabei.

    5 Leserempfehlungen
  3. braucht Schreihälse.

    2 Leserempfehlungen
    • Hainuo
    • 04. Januar 2013 16:15 Uhr

    Ich denke, es ist nur konsequent, wenn SKY sein Sortiment an unsympatischen, untalentierten Moderatorenzombies erweitert. Karriere oder seriös würde ich es allerdings nicht nennen. Man braucht sich nur einmal diesen blonden jungen SKY-Moderator anschauen, der nicht nur durchgängig unsympatisch aussieht, sondern auch eine nervtötende Art zu reden hat. Von den ganzen Vollexperten ganz zu schweigen. Und die Kommentatoren...

    Eine Leserempfehlung
  4. war doch dem Altmeister als Partner zu begegnen und dadurch das Abseits zu ergründen.

    • A-RAP
    • 04. Januar 2013 19:26 Uhr

    Clown, besser hätte man es nicht formulieren können!

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  5. har für mich etwas absolut positives und intelligentes - aber der......... unerträglich

    Eine Leserempfehlung
  6. ... nämlich bei der Eröffnung von Möbelhäusern auf der grünen Wiese. Dort wird er das Publikum finden, das am besten mit seiner Art von Humor korrespondiert. Im übrigen: Die Überschrift "Absichten eines Clowns" ist eine Beleidigung all jener hart arbeitenden Artisten, die Kinder zum Lachen bringen vermögen.

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