"Wetten, dass...?" : Thomas Gottschalk musste vom ZDF ermahnt werden

Das ZDF wehrt sich gegen den Vorwurf, bei "Wetten, dass...?" sei gezielt Schleichwerbung eingesetzt worden. Der Sender räumt aber Unregelmäßigkeiten ein.

Schöne Frauen und spektakuläre Wetteinsätze waren nicht das Einzige, was Wetten, dass...? in den letzten Jahren zu bieten hatte. In der ZDF-Unterhaltungssendung konnte ein Millionenpublikum auch schöne Autos bewundern und die Vorzüge einer Solaranlage kennenlernen.

Das war kein Zufall, schreibt der Spiegel und beruft sich dabei auf entsprechende Verträge zwischen der Produktionsfirma Dolce Media und den Unternehmen DaimlerChrysler, Audi und Solarworld. Diese hätten für die Produktplatzierung in der Sendung Millionenbeträge bezahlt. Abgerechnet wurde für die Sendesekunden, zitiert der Spiegel den Chef der Solarenergiefirma Solarworld, Frank Asbeck. Und er sei mit dem Gegenwert sehr zufrieden gewesen.

Jedoch: Diese Art von Schleichwerbung im Programm der öffentlich-rechtlichen Sender ist gemäß Rundfunkänderungsstaatsvertrag verboten. Ein zusätzliches Geschmäckle bekommen die Vereinbarungen außerdem, wenn man weiß, dass die Produktionsfirma Dolce Media dem Bruder von Moderator Thomas Gottschalk gehört.

Schon vor zwei Jahren gab es Berichte über Schleichwerbung bei Wetten, dass...?. Damals deckte die Bild-Zeitung auf, die Firma Dolce Media habe durch die Platzierung bestimmter Produkte zusätzliche Millionenbeträge eingenommen. So soll die Bierbrauerei Warsteiner im Jahr 2004 über eine Million Euro an Dolce Media gezahlt haben.

Clearingstelle überwacht Arbeit mit Dritten seit 2004

Im gleichen Jahr musste sich das ZDF gegen weitere Vorwürfe verteidigen: Auch die Serien Rosa Roth und Sabine standen im Verdacht, mit unlauteren Mitteln für Produkte zu werben. Der damalige ZDF-Intendant Markus Schächter sagte, es gebe in diesem Zusammenhang keine Grauzonen. Und das Haus reagierte: Es wurde eine sogenannte Clearingstelle eingerichtet, die nach Angaben des ZDF jede Zusammenarbeit mit Dritten auf deren Zulässigkeit überprüft.

Die zwischen der Firma Dolce Media und DaimlerChrysler geschlossenen Verträge, auf die sich der Spiegel beruft, waren jedoch schon ein Jahr zuvor entstanden. 1,25 Millionen Euro pro Jahr soll der Autobauer über drei Jahre gezahlt haben. Und damit nicht genug: Laut Recherchen des Blatts soll dieser Vertrag in die redaktionelle Unabhängigkeit der Programmmacher eingegriffen haben: So soll er Regelungen enthalten, wie etwa die konkrete Anmoderation Thomas Gottschalks zur neuen Mercedes A-Klasse aussehen sollte.

Gottschalk wurde vom ZDF deutlich auf die Regeln hingewiesen

Das ZDF wehrt sich nur verhalten gegen diese Vorwürfe. Dolce Media sei nicht berechtigt gewesen, das ZDF gegenüber Dritten zu verpflichten. Jedoch liege dem Haus nur ein Entwurf des Vertrags vor. Und demnach könne es solche Vereinbarungen gegeben haben: "Der Vertrag sieht ausdrücklich vor, dass andere Marken (wie geschehen) in der Sendung zum Einsatz kommen. Gleichwohl enthält der Entwurf Passagen, die zumindest den Eindruck erwecken, dass Dritte versucht haben könnten, auf redaktionelle Entscheidungen Einfluss zu nehmen", sagte ein ZDF-Sprecher ZEIT ONLINE. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass eine tatsächliche Einflussnahme auf Grundlage dieses Vertrages stattgefunden hat.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Zwangsgebühren

Ich denke ähnlich wie Sie.

Seit 1.1. zahle ich zwangsweise eine "Rundfunksteuer" über deren Verwendung ich keinerlei Kontrolle habe.

Weder müssen die Rundfunkanstalten ihre Finanzen transparent darstellen, noch habe ich eine Wahlmöglichkeit in Bezug auf die Verantwortungsträger.

Diese Zwangsabgabge wird mit der absurden Unterstellung verknüpft auch ich würde "ARD und ZDF" heimlich hören bzw. anschauen.

Da man unterstellt einige deutsche seien kriminelle Schwarzhörer und -seher müssen nun alle diese Steuer bezahlen.