Politische ReaktionIran verärgert über Oscar für "Argo"

Ein Geiseldrama im Iran als Film, geehrt durch Michelle Obama – den Preis für Ben Afflecks "Argo" sieht das Regime als Affront. Nun will der Iran selbst drehen lassen.

Der Iran hat verärgert auf die Vergabe des Oscars für den besten Film an Ben Afflecks Argo reagiert. Besonders kritisch kommentierten die Führer in Teheran den Umstand, dass US-Präsidentengattin Michelle Obama die Ehrung live aus dem Weißen Haus ankündigte. Der Iran begreift den Preis als politischen Akt. Das sei besonders deutlich geworden, indem Michelle Obama aus dem Weißen Haus zugeschaltet wurde, meldeten die Nachrichtenagenturen Mehr und Fars. Es stelle sich die Frage, warum die First Lady ausgerechnet dann einen Preis verleihe, "wenn ein anti-iranischer Film ausgezeichnet wird".

In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Werk geht es um eine Befreiungsaktion für US-Diplomaten nach der Besetzung der US-Botschaft während der Wirren im Iran nach dem Sturz des Schahs 1979. Damals konnten sechs Geiseln in Teheran mithilfe von CIA-Agenten und Hollywood-Produzenten aus dem Land geschmuggelt werden.

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Der Iran plant nun einen Gegenfilm zu Argo. Darin sollen die Ereignisse vor 33 Jahren aus iranischer Sicht erzählt werden.

Der Iran hatte schon zuvor den Verdacht geäußert, die sieben Oscar-Nominierungen für Argo hätten politische Gründe. Kultusminister Mohammed Hosseini hatte gesagt, das Werk habe sowohl technisch als auch künstlerisch die Preise nicht verdient.

Filme

Der Politikthriller Argo von Ben Affleck ist bester Film des Jahres. In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Werk geht es um eine Befreiungsaktion für US-Diplomaten nach der Besetzung der US-Botschaft während der Wirren im Iran nach dem Sturz des Schahs 1979.

Der österreichische Regisseur Michael Haneke gewann mit seinem Werk Liebe den Oscar in der Kategorie nicht-englischsprachiger Film. Es ist der erste Oscar für den 70-Jährigen. Das Drama erzählt von den letzten gemeinsamen Wochen eines älteren Ehepaares.

Als bester Dokumentar-Kurzfilm wurde die US-Produktion Inocente von Sean Fine und Andrea Nix Fine ausgezeichnet, bester Dokumentarfilm wurde Searching for Sugar Man über den Musiker Sixto Diaz Rodriguez ausgezeichnet. Die beiden deutschen Nominierten gingen leer aus.

Darsteller

Mit seiner Darstellung des legendären US-Präsidenten Abraham Lincoln in Steven Spielbergs Lincoln gewann der britisch-irische Schauspieler Daniel Day-Lewis als erster zum dritten Mal den Oscar für die beste Hauptrolle.

Die US-Schauspielerin Jennifer Lawrence erhielt für ihre Darstellung einer nymphomanen Witwe in Silver Linings Playbook den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle.

Anne Hathaway und der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz erhielten die Auszeichnung als beste Nebendarsteller. Die 30-jährige Hathaway wurde für ihre Rolle in dem Musical Les Misérables mit ihrem ersten Oscar geehrt, wo sie die Rolle der verarmten Mutter Fantine spielt. Waltz bekam die Trophäe für seine Rolle in dem Quentin-Tarantino-Western Django Unchained.

Beste Regie und weitere Kategorien

Für die bildgewaltige Literaturverfilmung Life of Pi  – Schiffbruch mit Tiger erhielt der taiwanesische Filmemacher Ang Lee den Preis für die beste Regie. Das 3D-Werk wurde zudem für die beste Kameraführung und die besten Spezialeffekte ausgezeichnet.

Merida – Legende der Highlands erhielt einen Oscar als bester Animationsfilm, jeweils eine Trophäe gab es für Anna Karenina (Kostümdesign) und Les Misérables (Make-up/Frisur).

Bestes Filmlied wird Skyfall von Adele Adkins und Paul Epworth aus dem gleichnamigen James-Bond-Film. Zuvor hatte Adele das Lied bei der Gala im Dolby Theatre Los Angeles erstmals live vortragen.

Jimmy Carter, der zur Zeit der Geiselnahme Präsident der USA war, hatte sich vor Kurzem in einem CNN-Interview zum Film geäußert. Das Werk sei ein "tolles Drama", gebe die historischen Geschehnisse allerdings nicht akkurat wieder, sagte der 88-Jährige. Die CIA habe in dem diplomatischen Ringen um die Freilassung der Geiseln eine wesentlich kleinere Rolle gespielt als in Argo gezeigt. Das sei vor allem eine Leistung Kanadas gewesen.

"Sie ließen uns lachen und weinen"

Michelle Obama war nicht näher auf Argo eingegangen, als sie den Gewinner ankündigte. Stattdessen lobte sie alle neun nominierten Werke, da diese "uns in die Vergangenheit und um die ganze Welt geführt" hätten. "Sie ließen uns lachen, weinen und unsere Armlehnen ein wenig fester packen", sagte sie.

Die Filme erinnerten die Betrachter daran, dass sie jedes Hindernis beseitigen könnten, wenn sie hart genug kämpften und an sich selbst glaubten. "Diese Lektionen betreffen uns alle, egal wer wir sind oder wie wir aussehen oder woher wir kommen oder wen wir lieben, aber sie sind besonders wichtig für unsere jungen Leute", sagte Obama.

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Leserkommentare
  1. Die übliche Reaktion also.

    4 Leserempfehlungen
  2. soll für sein Propagandawerk einen Ossi erhalten, weil er die Nordstaaten als Erfinder der Menschenrechte zelebriert.
    Folgende Zeile seines offenen Briefes vom 22. August 1862 an die NY Tribune kommt im Film aber nicht vor:

    „Mein oberstes Ziel in diesem Krieg ist es, die Union zu retten; es ist nicht, die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. Könnte ich die Union retten, ohne auch nur einen Sklaven zu befreien, so würde ich es tun; könnte ich sie retten, indem ich alle Sklaven befreite, so würde ich es tun; und könnte ich die Union retten, indem ich einige Sklaven befreite und andere nicht, so würde ich auch das tun. Alles, was ich in Bezug auf die Sklaverei und die Schwarzen tue, geschieht, weil ich glaube, dass es hilft, die Union zu retten.“

    Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke Die Redaktion/ds

    9 Leserempfehlungen
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    [...] In "Lincoln" wird doch sehr deutlich, dass AL ein komplizierter Charakter ist. Ich kann da keine Verfälschung der Geschichte erkennen.
    [...]
    Bitte die anti-amerikanische Brille abnehmen, dann geht alles besser.

    Anmerkung: Diesen Kommentar haben wir in Teilen wieder hergestellt. Die gekürzten Teile bezogen sich auf eine Passage des Bezugskommentars, die wir inzwischen entfernt haben. Danke. Die Redaktion/ds

    • Gerry10
    • 25. Februar 2013 12:26 Uhr

    ...denn der Lincoln im Film macht genau das was Sie da zitieren.
    Es geht ihm um die Einheit der USA und für die ist Sklaverei eine Krankheit die es zu kurieren gilt. Darum geht es ihm zu allererst.
    Vielleicht ist die deutsche Übersetzung schlecht, ich weis es nicht, habe den Film in Original gesehen und da geht es vorallem um den Erhalt der USA und das Sklaverei ein Hindernis dafür ist und weniger ein Menschenrecht - was aber natürlich auch eine Rolle spielt, aber eben nicht die Hauptrolle.

    • scoty
    • 25. Februar 2013 12:59 Uhr

    Heutzutage werden in Filmen und Serien vieles mit eingespielt,
    und das harmloseste darin wäre da die Werbung.
    Ob das nun Filme sind oder Serien oder aber auch Dokumentationen.
    Auch ein Thema für sich.

    Allgemein aber immer nach dem Motto:
    " wir sind die Guten und haben immer Recht "
    und zuguter letzt immer mit einem Happy-End.

    der tatsächlichen Geschehnisse im Argo-Film verbürg will ich mich nicht über die gelöscht Kritik an dem Film aufregen. Dann wissen sie es einfach nicht besser. Der Film ist und bleibt Propaganda und um diese zu unterfüttern gibt es den Oskar. Und jetzt sagen Sie nicht das ich das mit seriösen Quellen belegen soll! Das ist meine Meinung und die ist nicht anstößig, verpönt oder verboten, sondern von der Redefreiheit gedeckt. Auch wenn das nicht doe Argo-Linie ist die die ZEIT fährt.

    Bei Kritik und Anmerkungen wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/mo.

  3. [...] In "Lincoln" wird doch sehr deutlich, dass AL ein komplizierter Charakter ist. Ich kann da keine Verfälschung der Geschichte erkennen.
    [...]
    Bitte die anti-amerikanische Brille abnehmen, dann geht alles besser.

    Anmerkung: Diesen Kommentar haben wir in Teilen wieder hergestellt. Die gekürzten Teile bezogen sich auf eine Passage des Bezugskommentars, die wir inzwischen entfernt haben. Danke. Die Redaktion/ds

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Spielbergs "Lincoln""
    • Gerry10
    • 25. Februar 2013 12:21 Uhr

    ...als der Film zeigt ist klar, würde nur nicht in die amerikanische Kinowelt passen.
    Ich würde den iranischen Film gerne sehen obwohl ich kaum glaube das die Talenten wie John Goodman, Alan Arkin oder Bryan Cranston das Wasser reichen könnten.
    Aber eine Geschicht hat ja immer zwei oder auch mehrere Seiten.
    Wäre in interessantes Experiment, solange nicht zu viel Propaganda mitschwingt...

    Eine Leserempfehlung
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    in einem Propagandafilm keine Propaganda mitspielen?

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/sam

    • Gerry10
    • 25. Februar 2013 12:26 Uhr

    ...denn der Lincoln im Film macht genau das was Sie da zitieren.
    Es geht ihm um die Einheit der USA und für die ist Sklaverei eine Krankheit die es zu kurieren gilt. Darum geht es ihm zu allererst.
    Vielleicht ist die deutsche Übersetzung schlecht, ich weis es nicht, habe den Film in Original gesehen und da geht es vorallem um den Erhalt der USA und das Sklaverei ein Hindernis dafür ist und weniger ein Menschenrecht - was aber natürlich auch eine Rolle spielt, aber eben nicht die Hauptrolle.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Spielbergs "Lincoln""
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    ... nur Wissen Sie in welchem Kriegsjahr wir uns mitlerweile befinden und das der Konflikt sich weiterentwickelt hat bis dahin? Lincoln war nie ein Freund der Sklaverei und vor dem Krieg hätte er die Südstaaten die Sklaven behalten lassen, aber je länger der Krieg sich hinzog wurde klar, dass das System der Südstaaten zerschlagen werden muss. Die Südstaaten wurden sozusagen mit ihrem Verhalten zum größten Förderer der Befreiung der Sklaven und dem treibenden Motor für den 13. Verfassungszusatz. Oder einfacher ausgedrückt, that what is not just, is not law!

    • SuR_LK
    • 25. Februar 2013 12:27 Uhr

    Das traurige an Argo oder auch 0D30 ist das es Halbwahrheiten in den Hirnen der Konsumenten als echten Teil der Geschichte einbrennt.

    In der asian times ist ein treffender Kommentar von Pepe Escobar zu Argo&Co frisch von heut (http://www.atimes.com/atimes/Global_Economy/WORLD-02-250213.html).

    8 Leserempfehlungen
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    Danke für den Link zu dem 'unvergleichlichen' , Pepe Escobar , ein Vituose seiner Zunft.
    Ich persönlich habe seit ca. 7 Jahren keinen EINZIGEN Hollywood-Streifen mehr gesehen , im Sinne einer geistigen 'Entgiftungs-Kur' :-))

  4. wie der neue Kampfjet wird, braucht sich niemand Gedanken darum zu machen

    2 Leserempfehlungen
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    F-35 bzw. F-22 der USA. Ja, das ist eine peinliche Geldverschwendung und zeigt wie durchund durch korrupt die Machenschaften zwischen der US-Regierung und den Rüstungskonzernen die Steuergelder veruntreuen.

  5. Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/sam

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Iran | Michelle Obama | CIA | Jimmy Carter | Film | Oscar
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