Der Iran hat verärgert auf die Vergabe des Oscars für den besten Film an Ben Afflecks Argo reagiert. Besonders kritisch kommentierten die Führer in Teheran den Umstand, dass US-Präsidentengattin Michelle Obama die Ehrung live aus dem Weißen Haus ankündigte. Der Iran begreift den Preis als politischen Akt. Das sei besonders deutlich geworden, indem Michelle Obama aus dem Weißen Haus zugeschaltet wurde, meldeten die Nachrichtenagenturen Mehr und Fars. Es stelle sich die Frage, warum die First Lady ausgerechnet dann einen Preis verleihe, "wenn ein anti-iranischer Film ausgezeichnet wird".

In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Werk geht es um eine Befreiungsaktion für US-Diplomaten nach der Besetzung der US-Botschaft während der Wirren im Iran nach dem Sturz des Schahs 1979. Damals konnten sechs Geiseln in Teheran mithilfe von CIA-Agenten und Hollywood-Produzenten aus dem Land geschmuggelt werden.

Der Iran plant nun einen Gegenfilm zu Argo. Darin sollen die Ereignisse vor 33 Jahren aus iranischer Sicht erzählt werden.

Der Iran hatte schon zuvor den Verdacht geäußert, die sieben Oscar-Nominierungen für Argo hätten politische Gründe. Kultusminister Mohammed Hosseini hatte gesagt, das Werk habe sowohl technisch als auch künstlerisch die Preise nicht verdient.

Jimmy Carter, der zur Zeit der Geiselnahme Präsident der USA war, hatte sich vor Kurzem in einem CNN-Interview zum Film geäußert. Das Werk sei ein "tolles Drama", gebe die historischen Geschehnisse allerdings nicht akkurat wieder, sagte der 88-Jährige. Die CIA habe in dem diplomatischen Ringen um die Freilassung der Geiseln eine wesentlich kleinere Rolle gespielt als in Argo gezeigt. Das sei vor allem eine Leistung Kanadas gewesen.

"Sie ließen uns lachen und weinen"

Michelle Obama war nicht näher auf Argo eingegangen, als sie den Gewinner ankündigte. Stattdessen lobte sie alle neun nominierten Werke, da diese "uns in die Vergangenheit und um die ganze Welt geführt" hätten. "Sie ließen uns lachen, weinen und unsere Armlehnen ein wenig fester packen", sagte sie.

Die Filme erinnerten die Betrachter daran, dass sie jedes Hindernis beseitigen könnten, wenn sie hart genug kämpften und an sich selbst glaubten. "Diese Lektionen betreffen uns alle, egal wer wir sind oder wie wir aussehen oder woher wir kommen oder wen wir lieben, aber sie sind besonders wichtig für unsere jungen Leute", sagte Obama.