Berlinale-PreisträgerIranische Regierung droht Filmemacher Panahi

Die Regierung hat die Berlinale-Premiere von "Pardé" – "Geschlossener Vorhang" – als Straftat eingestuft. Die Dreharbeiten am Kaspischen Meer bezeichnet sie als illegal.

Mit einem lebensgroßen Pappaufsteller mahnten Demonstranten im Umkreis des Berlinale-Palasts der Abwesenheit des Regisseurs Jafar Panahi.

Mit einem lebensgroßen Pappaufsteller mahnten Demonstranten im Umkreis des Berlinale-Palasts der Abwesenheit des Regisseurs Jafar Panahi.  |  © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Dem oppositionellen iranischen Filmemacher Jafar Panahi drohen erneut Repressalien des iranischen Regimes. Laut iranischen Zeitungen hat das Kultusministerium die Produktion des Films Pardé als illegal bezeichnet und seine Premiere bei der Berlinale als Straftat eingestuft. Der Regisseur hat bereits Auflagen. Nun muss er mit Strafen rechnen.

"Im Iran müssen Filme mit Erlaubnis gedreht und auch mit Erlaubnis ins Ausland geschickt werden, daher ist die Produktion und Aufführung dieses Films illegal und dementsprechend eine Straftat", sagte Vize-Kultusminister Dschawad Schamaghdari. Bis jetzt habe man Geduld gezeigt, sagte der Vizeminister. "Aber nicht wir, sondern die Polizei ist für so etwas zuständig", sagte Schamaghdari.

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Panahi war 2010 wegen Propagandavorwürfen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Seit der Revision des Verfahrens, das sich derzeit in zweiter Instanz befindet, darf Panahi sich nur unter Auflagen außerhalb des Gefängnisses bewegen. Die Ausreise sowie jegliche Tätigkeit in der Filmbranche wurden ihm für die nächsten zwanzig Jahre untersagt.

Heimlich am Kaspischen Meer gedreht

Trotz Arbeits- und Reiseverbots produzierte der Regisseur in den letzten zwei Jahren weiter Filme. 2011 erschien sein Videotagebuch Das ist kein Film – unter anderem beim Filmfestival in Cannes und in Kinos in Berlin. Seitdem durfte Panahi weder nach Frankreich anreisen, um seinen Film vorzustellen; noch wurde ihm genehmigt, an der Berlinale teilzunehmen. Die Auszeichnung von Pardé für das beste Drehbuch hatte an seiner Stelle Koregisseur Kamboziya Partovi entgegengenommen.

Panahi und Partovi drehten Pardé heimlich am Kaspischen Meer im Nordiran. Der Film erzählt die Geschichte eines Schriftstellers und Filmemachers, der sich in einem abgeschiedenen Strandhaus verbarrikadiert, da er vom Regime gesucht wird.

Vor der Berlinale hatte die Bundesregierung den Iran aufgefordert, dem Regisseur die Teilnahme an der Premiere von Pardé zu ermöglichen. Die EU würdigte Panahis Engagement 2011 mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte.

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Leserkommentare
    • docaffi
    • 19. Februar 2013 8:16 Uhr

    Was sollte man sonst von diesem repressiven und kulturlosen Regime erwarten. Jede kritischer Umgang mit ihm wird mit voller Härte bestraft. Eigentlich sind es klare Signale der Angst, die in dieser Diktatur umgeht.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich finde es eher kulturlos, wenn man nur Künstler aus Ländern wie dem Iran oder China würdigt, die irgentwie regimekritisch sind. Ansonsten interessiert uns die Kulturszene in diesen Ländern doch nicht die Bohne.

  1. ist das iranische Regime !
    E' cosi !

    6 Leserempfehlungen
  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit ausführlichen, konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sh

    Eine Leserempfehlung
    • kitoi
    • 19. Februar 2013 9:17 Uhr
    4. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gorgo
    • 19. Februar 2013 11:07 Uhr

    Sie schreiben "ganz so schlimm können die Repressionen nun auch nicht sein. ...der Iran insbesondere aus den Ländern, in denen die Städte Cannes und Berlin liegen, neben den USA und Israel massiv bedroht werden, kann ich die Haltung Irans verstehen...
    Wo ist das Problem, wenn der Iran Kollaborateure bestraft?"

    Weder sind Künstler irgendwie verantwortlich für Regierungen (auch nicht für die anderer Staaten) - noch ist die aktuelle Regierung Irans keine Diktatur, bloß weil sie u.a. von den USA "bedroht" wird.

    Ihre bescheidenen Fähigkeiten zu differenzieren, könnten erheitern, ginge es nicht um ein Regime, das gerade erst diverse Aufstände aus dem eigenen Land blutigst niedergeschlagen hat, die eigenen Frauen und Männer in jeder nicht genehmen Hinsicht einpfercht und jede Form von Kritik mit Brutalität verfolgt.

    Und dann verfolgte Künstler als "Kollaborateure" zu denunzieren - wie bodenlos ekelhaft.

    Ich hoffe, die Redaktion scheut nicht klare Worte.

    "Ganz so schlimm können die Repressionen nun auch nicht sein."

    Wenn Sie eine solche Behauptung aufstellen, wollen Sie entweder im Sinne der Mollah Diktatur Falschinformationen verbreiten oder Sie sind sehr, sehr schlecht über die Situation der Meschenrechte im Iran informiert.

    • kitoi
    • 19. Februar 2013 19:11 Uhr

    "Panahi war 2010 wegen Propagandavorwürfen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden." (Zitat: zeitonline, s. Artikel)

    "Trotz Arbeits- und Reiseverbots produzierte der Regisseur in den letzten zwei Jahren weiter Filme. 2011 erschien sein Videotagebuch Das ist kein Film – unter anderem beim Filmfestival in Cannes und in Kinos in Berlin." (Zitat: zeitonline, s. Artikel)

    Meine Meinung und Bewertung aus dem gelöschten Kommentar:
    -->Ganz so schlimm können die Repressionen nun auch nicht sein.<--

    Panahi kann offensichtlich, so Ihr Artikel stimmt - was ich jetzt mal voraussetze, recht unbehelligt im Land reisen und in jedem Fall trotz gerichtlichen Verbots Filme drehen. Er kann ganz offensichtlich nicht unter der Beobachtung irgendeiner geheimen oder wie auch immer gearteten Staatspolizei gestanden und vor allem gearbeitet haben.

    Meine Behauptung aus dem gelöschten Kommentar:
    -->Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der Iran insbesondere aus den Ländern, in denen die Städte Cannes und Berlin liegen, neben den USA und Israel massiv bedroht werden, kann ich die Haltung Irans verstehen.<--

    Wo finden Sie eine Unterstellung?
    Israel: "Israel konkretisiert die Kriegsdrohungen ..." Quelle auf zeit.de: http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/iran-israel-angriff

    USA: "US-Präsident droht Iran mit Militärschlag" Quelle auf zeit.de: http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-03/obama-usa-iran

    • kitoi
    • 19. Februar 2013 19:12 Uhr

    Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/mo.

    • kitoi
    • 19. Februar 2013 19:14 Uhr

    Bei Kritik und Anmerkungen wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/mo.

    • kitoi
    • 19. Februar 2013 19:14 Uhr

    Anmerkung:
    Die Beziehung des Westens und Irans muss man ohne Umschweife als Kalten Krieg bezeichnen.

    Feind:
    Wer (die USA, Israel, EU) jemanden (Iran) und umgekehrt bedroht, muss man als Feinde betrachten.

    „aus Sicht des Angegriffenen“
    Der Iran wird wirtschaftlich und politisch von den USA, Israel und den EU angegriffen.

    ================================
    Hinweis an die Moderatoren:
    Meine Analyse und meine Meinung bzw. Bewertung mag Ihnen nicht gefallen. Mehr aber auch nicht. Alle meine Unterstellungen können mit Ihren Veröffentlichungen und der Begriffsbedeutung als wahr erklärt werden. Der Rest ist meine Meinung.

    Gerne dürfen Sie diesen Hinweis kürzen.

  3. Ich finde es eher kulturlos, wenn man nur Künstler aus Ländern wie dem Iran oder China würdigt, die irgentwie regimekritisch sind. Ansonsten interessiert uns die Kulturszene in diesen Ländern doch nicht die Bohne.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Repression!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lassen sich halt gut vor den Propagandakarren spannen...

    Natürlich sind Behinderungen und Schikanen von regierungskritischen Künstlern nicht zu rechtfertigen, Aber es bleibt doch die Frage:

    Geht es den westlichen Medien hier tatsächlich nur um die Kunstfreiheit?

    • docaffi
    • 19. Februar 2013 20:39 Uhr

    mit Panahis Werken befasst, dann hätten Sie gewußt, dass seine Künste nicht "irgendwie" regimekritisch sind.

    • Mr.Bean
    • 19. Februar 2013 9:55 Uhr

    Das iranische Unterdrückerregime lässt sich von Hass leiten und hat mächtig Angst. Wo kämen wir denn hin, wenn man die iranische Regierung bzw. deren Schergen und deren religiösen Wahn kritisieren würde? Da könnte ja jeder kommen!

    Eine Leserempfehlung
    • zappp
    • 19. Februar 2013 9:59 Uhr

    Dass Iran, China und andere autokratische Regime ihre eigene Auffassung von Kunst und deren Freiheit haben will ich gar nicht in Abrede stellen.

    Allerdings amüsiert es mich, wie oft unsere hiesige Gutmenschengemeinde mit ihren diversen Gremien immer wieder Künstler aus diesen Ländern mit Preisen überhäuft und zu Festivals einlädt.

    Man bekundet pflichtschuldigst seinen Protest, aber es ist für uns ein harmloses Vergnügen, es beinträchtigt nicht ernsthaft unseren Aussenhandel und weil der Künstler meistens sowieso nicht ausreisen darf, muss man nichtmal Reisekosten auslegen.

    Aber die Flüchtlinge, die es wirklich schaffen zu uns zu gelangen, hier leben und arbeiten wollen sind weniger willkommen.

    3 Leserempfehlungen
    • FLH80
    • 19. Februar 2013 10:32 Uhr
    8. Danke

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachlichen Zynismus. Danke. Die Redaktion/sh

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dek
  • Schlagworte Bundesregierung | Berlinale | Europäische Union | Film | Auszeichnung | Drehbuch
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