MarkenrechteEine Buchreihe über den Tatort ohne Tatort

Die ARD hat einen Verlag abgemahnt, in einer Buchreihe über den Sonntagskrimi das Wort Tatort im Titel zu verwenden. Das Wort brauche es nicht, um den Inhalt zu erfassen.

Die beiden Hauptdarsteller des Münsteraner "Tatorts", Axel Prahl (links) und Jan Josef Liefers

Die beiden Hauptdarsteller des Münsteraner "Tatorts", Axel Prahl (links) und Jan Josef Liefers  |  © Bernd Thissen/dpa

Eine Buchreihe über den ARD-Krimi Tatort könnte nach nur zwei erschienenen Bänden das Schlagwort Tatort aus dem Titel verlieren. Wie der Bertz + Fischer Verlag mitteilte, hat die ARD über eine Anwaltskanzlei dem Verlag untersagt, den Reihentitel Ermittlungen in Sachen TATORT weiterhin zu benutzen, da dies die Marken- und Titelrechte der ARD verletze.

Der Fernsehanstalt zufolge ist der Reihentitel nicht notwendig, um den Inhalt der Bücher zu beschreiben, "vielmehr wird hierdurch eine besondere Aufmerksamkeit für die beworbene Buchreihe durch die Verwendung des bekannten Titels 'tatort' hervorgerufen." Für die ARD bedeutet das, dass ihr sonst Geld zustehe, nämlich "Schadensersatz- und Unterlassungsansprüche".

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In den beiden Bänden wird die vermittelte Weltanschauung in der Serie kritisiert: In dem ersten Band Sex & Crime kommen die Autoren zu dem Schluss, dass in der Reihe ein konservatives Weltbild vermittelt wird, wenn es um die Bewertung sexueller Abweichungen gehe, und dass die Ermittler als Vertreter moralischer Beständigkeit aufträten. Im zweiten Band Herrlich inkorrekt wird dem Münsteraner Tatort vorgeworfen, zwanghaft über Political Correctness zu debattieren und einen Altherrenhumor auf Kosten von Minderheiten zu pflegen.

Der Verlag will nach eigenen Angaben der Aufforderung nachkommen und die Reihe mithilfe der Verantwortlichen der ARD umbenennen. Sollte von der Fernsehanstalt kein überzeugender Titelvorschlag kommen, kündigte der Verlag an, die Reihe umzubenennen in Ermittlungen in Sachen jener bekannten Sonntagabend-Krimireihe der ARD, deren markenrechtlich geschützter Titel zu nennen uns an dieser Stelle untersagt wurde.

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Leserkommentare
    • Marobod
    • 06. Februar 2013 19:58 Uhr

    alles Geld verschwenden ...

    Und das sollen wir nun auch noch subventionieren .
    Die sollen sich mal darum keummern , ihr Programm ordentlich zu gestalten, statt sich auf solche Banalitaeten zu versteifen.

    Der Verlag reagiert zumindest vernuenftig und humorvoll, deren Alternativtitel gefaellt mir sogar :D

    5 Leserempfehlungen
  1. 2. Bitte!

    Bitte Ihr ungeliebeten und überbezahlten (von meinem erzwungenen Geld) Köpfe der ARD:

    Sorgt dafür, dass Eure Zuarbeiter keine guten Einfälle haben; ich wünsche mir diesen Titel!
    Er sorgt für wahnsinnige Erheiterung und ist natürlich Werbung für diese Reihe, die ich bisher noch nicht kannte.

    Glückwunsch an den Verlag!

    Vielleicht noch einen Hinweis an die Verantwortlichen der ARD:

    Sie verpulvern UNSER Geld für den Anwalt, der derartigen Unsinn in Ihrem Namen fordert.

    4 Leserempfehlungen
    • mikonn
    • 06. Februar 2013 20:00 Uhr

    Lächerlich was die Öffentlichen da mit unseren Gebühren machen,
    aber Anwälte wollen ja auch irgendwo von Leben!
    Interessant das man sich ein normales Wort als Markenrecht schützen lassen kann.
    komische Welt...

  2. dafür wurde schon bezahlt.

    4 Leserempfehlungen
    • ZPH
    • 06. Februar 2013 20:31 Uhr

    ihren Zwangsgebühren bezahlen und ich stelle hiermit alles was die ARD produziert unter eine offene CC Lizenz.

    4 Leserempfehlungen
  3. und peinlich die Haltung der ARD. Ich habe (gerne) mitgezahlt und die Verlage möglicherweise ebenfalls. Von mir aus ist das ein Geschenk an die Welt. „Paid for by the People of Germany“ :)

    Abgesehen davon: Marken gehören nicht den Unternehmen. Schon lange nicht mehr. Ist das noch nicht überall angekommen?

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  4. Es wird WIRKLICH Zeit, dass wir Gebührenzahler da in ausreichendem Maße mitbestimmen.

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist ja nur, dass wir jetzt garnicht mehr fürs Fernsehprogramm bezahlen, sondern nur für die Möglichkeit, es empfangen zu können ;-)

  5. Bin mal gespannt, wann die ARD der Kripo verbietet, das Wort "Tatort" in ihrer Arbeit zu verwenden.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, nf
  • Schlagworte ARD | Autor | Band | Ermittlung | Minderheit | Tatort
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