Berlinale Rumänischer Film gewinnt Goldenen Bären

"Die Stellung des Kindes" von Calin Peter Netzer hat den Hauptpreis der Berlinale gewonnen. Damit erhält zum ersten Mal ein rumänischer Film den Goldenen Bären.

Der Goldene Bär der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin geht erstmals nach Rumänien. Den Hauptpreis der Berlinale bekam Calin Peter Netzer für sein Drama Die Stellung des Kindes (Pozitia Copilului). Der 1975 im rumänischen Petrosani geborene und in Deutschland aufgewachsene Netzer erzählt in seinem Film von einer schwierigen Mutter-Sohn-Beziehung in einer korrupten Gesellschaft.

Die internationale Jury unter Vorsitz des chinesischen Regisseurs Wong Kar Wai vergab außerdem drei weitere Preise an osteuropäische Filmemacher.  Der deutsche Wettbewerbsbeitrag Gold von Thomas Arslan ging leer laus.

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Der Film des bosnischen Oscarpreisträgers Danis Tanovic Epizoda u životu berača željeza (An Episode in the Life of an Iron Picker) erhielt gleich zwei Preise. Den großen Preis der Jury und den Silbernen Bären für den besten Schauspieler. Der Roma Nazif Mujic spielt in dem Film sich selbst und eine tragische Episode im Leben seiner Familie. Das Kind seiner Frau starb im Mutterleib, die für die Frau lebensrettende Ausschabung wurde zunächst abgeleht, weil die Familie nicht versichert ist.

Der Alfred-Bauer-Preis für eine Produktion, die eine neue filmische Perspektive eröffnet, ging an den kanadischen Beitrag Vic + Flo ont vu un ours (Vic + Flo saw a Bear) von Denis Côté aus. Der Film handelt von einer ehemaligen Strafgefangenen, die in der Wildnis versucht, ein neues Leben aufzubauen.

Als bester Regisseur wurde der Amerikaner David Gordon Green für sein Roadmovie Prince Avalanche geehrt.

Paulina García wurde für ihre Darstellung der Liebe suchenden Gloria in dem gleichnamigen chilenischen Film von als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an Jafar Panahis Pardé (Closed Curtain). Der iranische Regisseur, der mit einem Berufsverbot belegt ist, darf seine Heimat Iran nicht verlassen, daher nahm sein Co-Autor Kamboziya Partovi den Preis entgegen.

Der Kameramann Aziz Zhambakiyev erhielt den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung in dem kasachischen Film Harmony Lessons.

Leserkommentare
    • DerDude
    • 16. Februar 2013 22:15 Uhr

    Ich habe nicht alle Wettbewerbsbeiträge gesehen, aber von denen die ich gesehen habe war Child's Pose sicherlich der Beste.

    Allerdings frage ich mich wieder einmal, wie einige Filme des Wettbewerbs es überhaupt dorthin geschafft haben... zumal es in den anderen Sektionen der Berlinale durchaus ein beeindruckendes Reservoir großartiger, mutiger und Maßstäbe setzender Filme gibt. Einmal mehr bleibt die Wettbewerbssektion hinter dem Niveau der Sektionen Forum und Panorama zurück.

    Unverständlich, da der Wettbewerb doch eigentlich das Aushängeschild der Berlinale ist...

    Eine Leserempfehlung
  1. Oder glaubt wirklich jemand das dieser Film Kinokassen klingeln läßt!
    Es geht bei dem Goldernen Bären eigentlich nur um
    Gutmenschentum und wie sich das am besten rüberbringen läßt
    unter Berücksichtigung besonderer Umstände!

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    Die Auszeichnung eines Films davon abhängig machen zu wollen, ob dieser auch an den Kassen errfolgreich sein wird, zeugt meines Erachtens nach nicht gerade von viel Kunstverständnis. Wir haben mit dem "Echo" schon so einen Preis nach Verkaufszahlen, bei denen die "besten" Künstler jene sind, die am meisten verkauft haben. Da ist der Informationsgehalt eiiner Auszeichnung gleich Null. Die Berlinale zeichnet sich aber nun dadurch aus, dass der Blick des Publikums auch mal in andere Richtungen gelenkt wird. Richtungen, in die man nicht schaut, wenn man nur auf bekannte Produktionen, Produzenten und Ursprungsländer achten würde.

    Übrigens zeugt es nicht gerade von viel Weitsicht, wenn sie Menschen, die Gutes wollen und Gutes tun, dieses negativ anlasten.

    • TDU
    • 17. Februar 2013 12:15 Uhr

    Eigentlich sollte er doch. Hat doch jeder eine Mutter und Karriere machen wollen viele. Oder sind die Verhältnisse bei uns schon so bestens geklärt und geregelt, dass es keinerlei Überlegung und Anschauung wie es wonders zugeht mehr bedarf?

    Und der von Ihnen geforderten Berücksichtigung von Kommerzialisierungserwägungen möchte ich widersprechen. Die Berlinale hat einen künstlerischen Anspruch. Und das Schönste ist doch die Verbindung von Anspruch und Unterhaltung.

    Abgeshen davon: Welche nenneswerten Beiträge könnte wohl in der Richtung der deutsche Film vorweisen, würde man ein interantionales Kommerzfestival ausrichten?. Vielleicht dann 5 Ohrhasen? Oder Derrick, zweite Auflage oder Taorte?

    Fürs Fernsehen haben wir doch schon den Fensehpreis, wo aber auch die Schauspieler mit möglichst nur einem Gsichtsausdruck ausgezeichnet werden.

  2. 'Die Stellung des Kindes' gibt das Wortspiel des Titels nicht richtig wieder. 'Poziţia copilului' erinnert stark an 'poziţia corpului' = 'die Lage des Körpers', etwa bei Unfallopfern beim Eintreffen der Polizei. Da es in diesem Film um einen Unfall mit Todesfolge geht, ist das wohl kaum ein Zufall, also wäre 'Die Lage des Kindes' die richtigere, weil mehrdeutige Übersetzung. 'Die Position' könnte man natürlich auch sagen, aber das klingt arg geschraubt.

  3. Die Auszeichnung eines Films davon abhängig machen zu wollen, ob dieser auch an den Kassen errfolgreich sein wird, zeugt meines Erachtens nach nicht gerade von viel Kunstverständnis. Wir haben mit dem "Echo" schon so einen Preis nach Verkaufszahlen, bei denen die "besten" Künstler jene sind, die am meisten verkauft haben. Da ist der Informationsgehalt eiiner Auszeichnung gleich Null. Die Berlinale zeichnet sich aber nun dadurch aus, dass der Blick des Publikums auch mal in andere Richtungen gelenkt wird. Richtungen, in die man nicht schaut, wenn man nur auf bekannte Produktionen, Produzenten und Ursprungsländer achten würde.

    Übrigens zeugt es nicht gerade von viel Weitsicht, wenn sie Menschen, die Gutes wollen und Gutes tun, dieses negativ anlasten.

    2 Leserempfehlungen
    • Conte
    • 17. Februar 2013 11:01 Uhr

    Seit Jahren ist Film inspirationslos, repetitiv, kopiativ, ein schräges Bild von Effekten ohne Affekt und mit einer gehörigen Portion von Selbstdarstellung und Egozentrik. Einfach tot. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die stets der Berlinale fernbleiben.

    • TDU
    • 17. Februar 2013 11:53 Uhr

    Wenn man vom heiteren Ton mit klaren Infotmationen dieser Besprechung auf die Filme schliesst, dürften die Auszeichnungen zu recht erfolgt sein.

    Und bei Realitätsdarstellung kommt es ja nun auf das "wie" an. M. E. sollte ein Film immer eine gute Geschichte haben, die unterhaltend den Zuschauer ans Gestühl bindet und ihn ohne verbale extra Belehrungen oder szenische "Abgehobenheiten" zum Nachdenken anregt.

    • TDU
    • 17. Februar 2013 12:00 Uhr

    Die Botschaft, wenn schon eine da ist, aus dem Diaog und nicht in Fragen und deklamierten Sätzen aus Empörung mit Klischee.

    • TDU
    • 17. Februar 2013 12:15 Uhr

    Eigentlich sollte er doch. Hat doch jeder eine Mutter und Karriere machen wollen viele. Oder sind die Verhältnisse bei uns schon so bestens geklärt und geregelt, dass es keinerlei Überlegung und Anschauung wie es wonders zugeht mehr bedarf?

    Und der von Ihnen geforderten Berücksichtigung von Kommerzialisierungserwägungen möchte ich widersprechen. Die Berlinale hat einen künstlerischen Anspruch. Und das Schönste ist doch die Verbindung von Anspruch und Unterhaltung.

    Abgeshen davon: Welche nenneswerten Beiträge könnte wohl in der Richtung der deutsche Film vorweisen, würde man ein interantionales Kommerzfestival ausrichten?. Vielleicht dann 5 Ohrhasen? Oder Derrick, zweite Auflage oder Taorte?

    Fürs Fernsehen haben wir doch schon den Fensehpreis, wo aber auch die Schauspieler mit möglichst nur einem Gsichtsausdruck ausgezeichnet werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, cst
  • Schlagworte Film | Wong Kar-wai | Regisseur | Shirin Neshat | Tim Robbins | Iran
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