Film "Gold" : Es geht ein Treck nach nirgendwo

Thomas Arslan hat den Western "Gold" über eine Gruppe deutscher Auswanderer auf dem Weg zum Klondike gedreht. Damit ist er leider nicht weit gekommen.

Es ist gut, wenn jemand aufbricht, um etwas Neues zu wagen. Sieben Goldschürfer tun dies in Thomas Arslans Film Gold und auch der Regisseur selbst ändert sein filmisches Konzept. Bisher befanden sich die Protagonisten in Arslans Werken meist in einer Art Wartezustand, an einem Ort. In Gold bewegen sie sich auf ein Ziel zu: die Goldgräberstadt Dawson.

Dass sich das deutsche Kino aus der heimatlichen Enge befreie, sei längst überfällig, schrieb Katja Nicodemus zum Auftakt der diesjährigen Berlinale, auf der Gold als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag lief. Und Thomas Arslan traute man auch zu, dass er mit einem Western seinen erzählerischen Horizont erweitert.

Der 50-Jährige wuchs in Ankara und Essen auf, studierte an der dffb und zählt zur sogenannten Berliner Schule. Er ist wohl der emotionalste Vertreter dieser Richtung, die für ihre reduzierten Bilder und kargen Dialoge steht. Arslans große Kunst besteht darin, Emotionen nicht zu visualisieren, sie aber dennoch für den Zuschauer spürbar zu machen: verletzte Eitelkeiten, Angst, Aggressionen. Das macht Filme wie Ferien oder Im Schatten so spannend, obwohl sie nur wenig klassische Handlung haben.

Schon tausendmal erzählt

Genau diese erzählerische Stärke funktioniert in Gold nicht. Woran das liegt? Womöglich am Genre. Arslan erzählt eine Geschichte, die schon tausendmal erzählt wurde: Es ist das Jahr 1898, eine Gruppe macht sich auf den 1.500 Kilometer langen Weg durch den kanadischen Norden, um am Klondike River Gold zu finden. Einzige Besonderheit: die Gruppe besteht aus deutschen Auswanderern, unter ihnen die alleinreisende Emily (Nina Hoss).

Carolin Ströbele

Carolin Ströbele ist Redakteurin im Kulturressort bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier

Ein paar Mal klingt an, was sich Arslan wohl als Leitmotiv für seinen Western vorgestellt hatte: das Sisyphos-artige, das Nicht-Vorankommen trotz Weiterziehen. Die staubigen Schotterwege und ausgetrockneten Wälder ähneln sich auf fast schon unheimliche Weise und eine seltsame Stille umgibt die Reisenden auf dem Weg durch die Wildnis. Schon bald wird den Goldsuchern klar, dass sie sich womöglich nicht auf ein neues Leben hin-, sondern von ihrem bisherigen wegbewegen. Diejenigen, die noch etwas am Hier und Jetzt hält – eine Familie, eine Berufung – überleben den Trip nicht. Diejenigen, die nichts zu verlieren haben, marschieren weiter.

Leider ist das nicht das einzig Vorhersehbare in diesem knapp zweistündigen Film. Schon in der ersten Szene ahnt man, dass der Leiter der Expedition (Peter Kurth) es nur auf das Geld seiner Teilnehmer abgesehen hat. Man weiß sofort, welchen der Männer Emily für sich wählen wird. Und natürlich wird Nina Hoss bis zum bitteren Ende mit weichgespülten blonden Locken am Lagerfeuer gedankenschwer in die Nacht blicken. 

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

In Fazit im DLF

gab es eine positive Stellungnahme, die sich insbesondere darauf konzentrierte, das Zeigen der Anstrenung zu thematisieren, diese ewige Weite, durch die man durch muss und dabei das Ziel verschwimmt usw. - es hörte sich sehr stimmungsvoll, atmosphärisch an - so das ich mir den Film aufschrieb - ich werde ihn mir ansehen. Zumal mich interessiert, wie Nina Hoss in dem Film wirkt. Wie sich sozusagen zwei Schroffheiten, die Nina Hoss's und die der Landschaft vereinen oder widersprechen - mal sehen.

Lustig war die Vorstellung eines, ich glaube, bulgarischen Films, in dem Herr Schweiger, natürlich mal wieder, einen Bösewicht geben durfte. Die Moderatorin fragte, wie der Auftritt von Schweiger gerahmt gewesen sei. Die Befrage musste lachen, denn 7 Minuten lang ist der Auftritt des eingesetzten dt. Bösewichtes und die Moderatorin fragt nicht nach dem Film, sondern nur nach der Stellung des Nuschelexperten im Film und wie er sich gemacht habe. Peinlich, peinlich.