Film "Renoir"Gewaltige Bilder in zarten Farben

Ein wunderbar lichter Film über die letzte Lebensphase Auguste Renoirs erzählt vom Malen unter Schmerzen, dem Sohn Jean, der Filmemacher wurde. Und von derer beiden Muse. von 

Renoir

Auguste Renoir (Michel Bouquet) bei der Arbeit.  |  © Arsenal

Unsere Existenz, da ist sich der alte Mann sicher, ist wie ein Korken, der in der Strömung des Flusses treibt. Je früher man sich mit den fehlenden Navigationsmöglichkeiten abfindet, desto leichter ist es, das Glück im Leben zu finden. Der alte Mann – das ist der Maler Auguste Renoir, in dessen letzte Lebensphase der französische Regisseur Gilles Bourdos mit seinem Film Renoir reist.

Während im Jahre 1915 Frankreich in den Grauen des Ersten Weltkrieges gefangen ist, lebt Renoir (Michel Bouquet) zurückgezogen in seinem Landhaus an der Côte d'Azur. Seine Frau ist vor Kurzem gestorben, die beiden ältesten Söhne kämpfen an der Front, und der Maler, der von einer Schar weiblicher Hausangestellten umgeben ist, wird von starker Arthritis geplagt. Der unberechenbare Fluss des Lebens spült ihm die junge Andrée (Christa Theret) vor das Tor seines Anwesens, die für den Meister Modell stehen will. Die Schönheit ihres Körpers, das flammend rote Haar, die samtweiche, atmende Haut inspirieren den Maler, der nur noch unter Schmerzen den Pinsel halten kann, zu einer neuen, produktiven Schaffensphase.

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Als Sohn Jean (Vincent Rottiers) auf Genesungsurlaub zurückkehrt, findet auch er Gefallen am Modell seines Vaters. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eine allmähliche Annäherung, die Jean und Andrée zueinander finden lässt. Andrée träumt von einem besseren Leben und einer Karriere als Schauspielerin. Jean hingegen drängt es wieder zurück in den Krieg, denn die Korken-Theorie des Vaters ist nichts für einen jungen Mann wie ihn.

Nach dem Krieg wird Jean Renoir ein berühmter Kinoregisseur werden, und Gilles Bourdos begibt sich mit seinem Film genau an die Schnittstelle der Inspiration von Vater und Sohn. Andrée ist die späte Muse des Malers, aber auch die Frau, die den Sohn zum Filmemachen anregt und unter dem Pseudonym Catherine Hessling in den frühen Werken Jean Renoirs vor der Kamera stehen wird.

Die zurückgelehnte Lebenshaltung des Malers fließt in die mäandernde Machart von Bourdos Film ein, der einen leuchtend, sonnigen Sommer lang auf dem Anwesen der Renoirs umherstreift und kein klassisches Biopic liefert, sondern eine Momentaufnahme aus dem Leben der beiden Künstler. Statt sich in einer Rückblendendramaturgie zu ergehen, sucht und findet der Film ein filmkünstlerisches Äquivalent zur Inspiration, die den Maler Renoir in seinen letzten Meisterwerken angeregt hat. Kein dramaturgisch durchkalkulierter Plot, sondern Farbe, Licht, Sinnlichkeit und die hervorragende Kameraarbeit von Mark Ping Bing Lee treiben diesen Film an, auf dessen fließendes Wesen man sich einlassen muss, um die ruhige Kraft dahinter zu erkennen.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Film | Auguste Renoir | Fluss | Schmerz | Schönheit | Frankreich
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