Er hätte gerne einen Weihnachtsbaum, versucht Kevin Sheppard seinem Hausmeister Abdullah zu erklären. "Du weißt schon, mit vielen Lichtern dran." Aber Abdullah, iranischer Muslim, weiß eben nicht, was ein Weihnachtsbaum ist. Kevin spricht kein Farsi, also zeichnet er einen Tannenbaum – Abdullah fragt sich, warum zum Teufel der Amerikaner Blumen malt. Als sie aber in einem Blumenladen ein Tannenbäumchen im Topf finden, strahlen beide.

Es ist Weihnachten 2008, der Basketballer Kevin Sheppard lebt seit wenigen Monaten in Schiras, einer Stadt im Süden Irans. Er ist der Superstar des örtlichen Basketballvereins A.S. Shiras, der ihn für eine Saison verpflichtet hat. Sheppard soll dem unerfahrenen Team den Einzug in die Playoffs der iranischen Superleague ermöglichen.

Der deutsch-amerikanische Filmemacher Till Schauder begleitet Sheppard während Training, Spielen und in seinem Alltag in Iran mit der Kamera. "In Anbetracht der diplomatischen Eiszeit zwischen den USA und Iran empfand ich größte Hochachtung vor diesen Sportlern", sagt Schauder. Das habe ihn zu seiner Filmidee gebracht. Schauder wollte "tiefer in die Gesellschaftsstrukturen des Iran eindringen", als es die Berichterstattung im Westen ermöglicht. Ein westlicher Sport wie Basketball schien ihm als Zugang zu einer Geschichte, die ebendiesen tieferen Einblick ermöglichen könnte, ideal.

Die Drehbedingungen in Iran sind schwierig, damit hatte Schauder gerechnet. Noch schwieriger war es jedoch, die Schwierigkeiten zu überwinden, die amerikanische Behörden bereiteten. Einen Protagonisten für den geplanten Dokumentarfilm zu finden, war recht einfach: Schauders Frau ist Iranerin und spricht Farsi. Über die Klubs in Iran stellte sie Kontakte zu deren amerikanischen Spielern her. 

Doch kaum einer von ihnen war bereit, vor eine Kamera zu treten. Sie fürchteten Geldstrafen, die einigen Spielern bereits vom US-Außenministerium aufgebrummt wurden. Sie würden das Wirtschaftsembargo brechen, indem sie ihren Lebensunterhalt in Iran verdienen, lautet der Vorwurf. Die wenigen Sportler, die sich dennoch getraut hätten, schienen Schauder nicht geeignet. Nach einem Jahr Suche stand das Projekt deshalb kurz vor dem Aus – da meldet sich der Manager von A.S. Schiras und sie lernten Kevin Sheppard von den U.S. Virgin Islands kennen.

Er erwies sich als perfekter Cast: Es macht Spaß, ihm auf der Leinwand zuzusehen. Von Verklemmtheit vor der Kamera keine Spur: Sheppard ist unbeschwert fröhlich, sagt, was er denkt, manchmal singt oder rappt er es auch – ein Spaßvogel, der mit seinem Humor den Zuschauer schnell für sich einnimmt und ihn regelmäßig zum Lachen bringt.

"Hell, no!" sei zwar seine erste Reaktion auf das Angebot aus Iran gewesen, erzählt er nun in dem Film The Iran Job, der nun doch noch entstehen konnte. Aber dann habe Gott  etwas mit ihm gemacht. "Er hat mir gesagt 'Du musst weg vom Bekannten und rein ins Unbekannte'." Das klingt naiv und tatsächlich wirkt Sheppard anfangs unbedarft wie ein großes Kind. Aber er ist bereit, seine amerikanische Weltsicht zu hinterfragen.