Film "Warm Bodies"Romeo und Julia im Zombieland

Zombie liebt Mensch, dennoch ist "Warm Bodies" überraschend kein Neuaufguss der Vampirromanzen. Sondern ein selbstironisches und leichtfüßiges Genre-Mashup. von Franziska Bulban

Was ganz Normales sagen. Bloß nicht seltsam sein oder nerdig, auf keinen Fall bedürftig - wer schon einmal verliebt war, kennt das Spiel. Und das Gefühl, das alles falsch herauskommt, plump, dumm, aufdringlich. Genau so geht es R. im Film Warm Bodies. R. liebt Julie. Das Problem: R. ist ein Zombie. Im wörtlichen Sinne. Er grunzt und schlurft, seinen Namen hat er vergessen, seine Augen sind leblos und seine Kumpels wollen die Angebetete fressen. Julie hingegen ist menschlich, gesund, schön und zu allem Überfluss die Tochter des örtlichen Ober-Zombiejägers.

Warm Bodies basiert auf einem Roman von Isaac Marion und ist entfernt angelehnt an Shakespeares Romeo und Julia, zu erkennen an Namensähnlichkeiten, verfeindenten Clans und Balkonszenen - eine echte Zombie-Romanze also. Und was im ersten Moment so klingt, als gehöre es nicht zusammen, fügt sich zu 90 Minuten vergnüglichem Unterhaltungskino.

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Normalerweise stehen Zombies ja noch nicht mal in den nach ihnen benannten Filmen wirklich im Mittelpunkt. Ihre Hauptaufgabe besteht meist darin, effektvoll zu sterben - sie werden erschossen, in die Luft gejagt, verätzt oder zersägt. Kurioserweise bangt das Publikum dennoch ständig um die menschlichen Helden.

Warm Bodies hingegen erzählt aus der Perspektive der Untoten. Dank Voice-Over bekommt der Zuschauer Einblicke in R.s unerwartet zarte Zombieseele. Und der dramaturgisch bekannte Kniff, Nebenfiguren ins Zentrum zu rücken und so vertraute Geschichten neu zu erzählen, geht auf. Während der Plot vorhersehbare Elemente hat, lebt der Film von der charmanten Spannung zwischen Erwartungshaltung des Zuschauers und R.s trockenen Selbstgesprächen - auch Zombies können sich offenbar einsam fühlen ("Warum redet niemand mit mir? Ich wünschte, ich könnte mit jemandem sprechen") oder hässlich finden ("Warum bin ich so blass? Ich sollte öfter wirklich rausgehen"). Die Selbstironie unterscheidet "Warm Bodies" dankenswerterweise von prominenten Vampirfilmen der vergangenen Jahre und erinnert eher an Komödien wie Zombieland oder Shaun of the Dead.

Leserkommentare
  1. ...zu nennen, ist pure Frevelei. Bitte, bitte nicht, das hat SotD nicht verdient. Aber schönes Review, vielen Dank :)

  2. nicht Houldt

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  • Schlagworte Film | John Malkovich | Komödie | Teresa
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