Oscar-Verleihung : Zwei Österreicher begeistern Hollywood

In einem starken Jahrgang gewinnen Michael Haneke und Christoph Waltz zwei Oscars. Hollywood feiert sich selbst, und auch ein wenig den europäischen Film.
Der Oscar-Preisträger Michael Haneke © Christopher Polk/Getty Images

Der erste Höhepunkt kam schnell: Gleich zu Beginn dieser langen 85. Oscarnacht ging ein Preis an Christoph Waltz, der inzwischen nicht mehr nur in Deutschland und Österreich überaus verehrt wird. Für seine Figur des Düsseldorfer Zahnarztes Dr. King Schulz in Django Unchainedsein altmodisch korrektes und formvollendetes Spiel, erhielt er seinen zweiten Oscar als bester Nebendarsteller binnen drei Jahren. Jetzt darf er wohl wirklich als Quentin Tarantinos Muse gelten. Nachdem Waltz sich zunächst sehr tief vor seinen Mitnominierten verbeugt hatte (unter ihnen keine Geringeren als Robert de Niro und Tommy Lee Jones), dankte er seinem Regisseur, indem er ihn mit Siegfried, dem Drachentöter gleichsetzte und aus seinem Rollentext zitierte: "Du gehst durch Höllenfeuer, weil du mutig genug bist." Später, als Tarantino selbst auf die Bühne durfte, um seinen Oscar für das beste Drehbuch entgegenzunehmen, gab er diesen Dank zurück.

Die beiden, Waltz und Tarantino, geben ein ideales Filmpaar ab: der kulturbeflissene Europäer und der in der Popkultur sozialisierte Tarantino. Damit waren sie so etwas wie die Quintessenz dieser Oscar-Verleihung, die letztlich ganz viel Hollywood feierte und ein wenig europäische Filmkunst.

Ungewöhnlich war in diesem Jahr, dass gleich neun Filme um die Ehre des besten Filmes stritten. Mag sein, dass die Academy damit allzu treffsichere Voraussagen erschweren wollte. Man kann jedoch auch sagen: 2012 war ein guter Jahrgang, sogar wirtschaftlich erfolgreich. Diese neun Filme wurden zurecht nominiert, ihre Macher hatten gute Ideen und haben sie mit großer Konsequenz umgesetzt. Das spiegelte sich auch darin, dass sie sich immer wieder unter den nominierten der anderen 23 Kategorien wiederfanden und dort Oscars gewannen.

Eine Überraschung des Filmjahres war das unmögliche Projekt, Les Misérables als gigantisches Hollywoodmusical auf die Leinwand zu bringen. In der Neubearbeitung von Victor Hugos französischem Epos über die Elenden in dieser Welt sollte neben Hugh Jackman auch Russel Crowe singen. Selbst der Regisseur Tom Hooper (bereits Oscar-gekrönt für The King's Speech) fragte sich anfangs, wie das funktionieren könne. Nun: Es funktionierte überaus gut, und neben technischen Oscars (Tonmischung, Make-Up) für Les Misérables erhielt Anne Hathaway zu Recht die Auszeichnung als beste Nebendarstellerin. Wie sie ihr Lied I Had A Dream nicht nur singt, sondern auch wahrhaftig spielt, ist beeindruckend und berührt vermutlich sogar jene, denen der Musicalsong bislang eigentlich zu glatt oder zu schnulzig schien. Als während der Verleihung die Filmcrew nahezu vollzählig auf die Bühne kam, um ein Medley aus den Filmsongs vorzutragen, fehlte diese Intimität, die der Film geschaffen hatte. Es blieb der Bombast mit Stars.

Motto Musik im Film

Dabei hatte sich die Academy für diesen Abend etwas Neues einfallen lassen. Ein Motto. Es lautete "Musik im Film". So sangen neben Les Misérables unter anderen auch Catherine Zeta-Jones All That Jazz aus dem Film Chicago und die großartige Sängerin Adele ihren James-Bond-Hit Skyfall, für den sie später auch den Oscar bekam.

Um zur Infografik zu gelangen, klicken Sie auf das Bild. © Elena Dick

Neues versprach auch der Moderator. Der nicht sehr bekannte Seth MacFarlane sollte mit seinen 39 Jahren modernen Witz in die ehrwürdige Show bringen, ein Anliegen, das die Academy seit Jahren verfolgt. Gleich zu Beginn beamte sich wohl aus diesem Grund Captain Kirk auf die Bühne und prophezeite MacFarlane für seine Moderation lediglich mediokre Schlagzeilen. Möglicherweise behält er damit Recht. Möglicherweise ist aber auch ein Lied, wie es MacFarlane zu Ehren bisheriger Oscarpreisträgerinnen anstimmte – We Saw Your Boobs (ja, genau: Ich hab deine Möpse gesehen) – nach dem Geschmack dieser jüngeren Generation, welche die Produzenten der Oscars so gern begeistern will. Den Schneid, den sie an ihrem neuen Moderator vorab gepriesen hatten, vergab dieser weitgehend an sein Alter Ego Ted, einen vorlauten Plüschteddy, der so etwas wie die Hauptrolle in MacFarlanes einzigem Film Ted spielte und auch während der Oscar-Show kurz auftrat. Er witzelte über Juden in Hollywood, Alkohol in Hollywood und Sex in Hollywood.

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