Oscars : Von Filmkritikern gelobt, in Israel kritisiert

Zwei Dokumentationen über den Nahostkonflikt konkurrieren in diesem Jahr um den Oscar. Beide Filme sind in Israel sehr umstritten.
Der israelische Regisseur Dror Moreh © Larry Busacca/Getty Images

Fünf zerstörte Kameras liegen auf dem Tisch. Die erste wurde von der Explosion einer Gasgranate zerstört. Die zweite von israelischen Siedlern. Die dritte von einem Gummigeschoss. Die Vierte bei einem Unfall. Die fünfte von einem Soldaten zerschlagen, repariert und erneut zerstört. Mit kleinen Zahlen erzählen der palästinensische Dokumentarfilmer Emad Burnat und sein israelischer Co-Produzent Guy Davidi in 5 Broken Cameras eine große Geschichte. Die Geschichte einer Familie im Nahostkonflikt und das Schicksal eines Dorfes im Westjordanland, das von israelischen Siedlungen bedrängt wird.

Internationale Aufmerksamkeit brachte 5 Broken Cameras seine Oscar-Nominierung in der Kategorie Dokumentation ein. Um den begehrten Filmpreis konkurriert 5 Broken Cameras mit einem Film aus Israel, der den Nahostkonflikt aus einer anderen Perspektive erzählt: Aus Sicht des israelischen Geheimdienstes. Regisseur Dror Moreh hat für The Gatekeepers sechs ehemalige Chefs des Inlandgeheimdienstes Shin Bet vor die Kamera gebracht. Sie erzählen von gezielten Tötungen. Von politischen Morden und von Ohnmachtsgefühlen, wenn sie palästinensische Selbstmordattentäter nicht stoppen konnten.

In Israel werden beide Dokumentationen kritisiert

Beide Filme werden international gelobt – stehen in Israel aber in der Kritik. Hass, Verzweiflung und Resignation treten in ihnen deutlich zu Tage. Beide zeigen mit unterschiedlichen Mitteln, dass der israelische Siedlungsbau im Westjordanland einen Frieden dauerhaft verhindern wird. Und sie legen schonungslos die Brutalität des Nahostkonflikts offen.

Dror Moreh lässt einen alten Geheimdienstler berichten, wie er die Tötung von zwei festgenommenen palästinensischen Terroristen befohlen hat. Die beiden Männer hatten zuvor einen Bus entführt. Einer seiner Nachfolger bedauert heute noch, dass ein Treffpunkt von Hamas-Funktionären im Gaza-Streifen mit einem zu schwachen Sprengkörper bombardiert worden sei. Die Bombe habe lediglich das oberste Stockwerk des Wohnhauses zerstört. Die hochrangigen Hamas-Mitglieder hätten sich im Erdgeschoss getroffen und seien entkommen.  

Die Phasen des Konflikts an den Söhnen erzählt

Emad Burnat zeigt, wie einer seiner besten Freunde von israelischen Soldaten erschossen wird. Er setzt ganz auf Nähe, alles ist mit kleinen Handkameras gefilmt. Zu Beginn von 5 Broken Cameras erzählt er, wie seine vier Söhne jeweils zu einer anderen Phase des Nahost Konflikts geboren wurden: Mohammed kam 1995 zur Welt, in einer Zeit der Hoffnung wegen des Friedensprozesses von Oslo. Yasin wurde drei Jahre später geboren, in einer Periode der Unsicherheit. Am Tag, als die erste Intifada begann, im Jahr 2000, gebar seine Frau Taki-Ydin. 

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das war jetzt mal ziemlich schwach...

"Weswegen auch? Self-Hater und Paliwood-Filmchen gibts en masse und die langweilen seit Jahren mit ihrer plumpen Propaganda."

Langweilig finde ich ehrlich gesagt nur Menschen, die über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben. Sie haben die Filme offensichtlich nicht gesehen, aber erlauben sich aus ideologischen Gründen trotzdem einfach mal ein Urteil.
Damit argumentieren Sie auf dem gleichen Niveau wie die Herrschaften aus der Fraktion der sogenannten "Israelkritiker", die nie in Israel waren, aber das Land einen rassistischen Apartheidsstaat nennen.

Bei solchen "Israelfreunden" braucht das Land eigentlich keine Feinde mehr...

Self-Hater!

Self-Hater
Hmmm, dieses Wort lässt ja schon erahnen, aus welcher gedanklichen Ecke Sie kommen...

Ich hoffe es gibt Oscars für die Filmchen, weil da wäre der Mythos von "die Zionisten kontrollieren den Stechpalmenwald" auch endlich widerlegt.
Nach ein bisschen googlen habe ich zwar herausgefunden, für was "Stechpalmenwald" wohl stehen soll.

Aber davor habe ich diesen Satz ehrlich gesagt noch nie gehört. Was mich aber nicht mehr besonders verwundert hat, als ich mal nach dem Satz gegooglet habe:

Ihr eigenes Posting ist nämlich die absolut einzige Fundstelle dieses Satzes im gesamten WWW.

Bzw. war, denn jetzt ich ihn ja übernommen. ;-)

Kritik ist nicht gleich Kritik

Das glaube ich gerne, dass israelkritische Filme andernorts bejubelt werden. Ein kleines Problem dabei ist, dass es einen Unterschied zwischen Selbst- und Fremdkritik gibt.

Selbstkritik hat oft etwas mit positiven Emotionen zu tun: Dem Wunsch nach Selbstverbesserung, der Fähigkeit, sich von seinen eigenen Absichten und Taten zu distanzieren und sich kritisch zu hinterfragen.

Fremdkritik kann allerdings mit negativen Emotionen zu tun haben. Deswegen dürfen Weiße zu Schwarzen etwa nicht "Nigger" sagen, da es ihnen als Rassismus angekreidet wird. Bei Schwarzen untereinander ist das durchaus nicht der Fall. Aber selbst wenn ein Schwarzer einen anderen Schwarzen "Nigger" ruft, aus welchen Gründen auch immer, sollte ein Weißer nicht begeistert einstimmen. Ähnlich verhält es sich mit Antisemitismus.

Es ist völlig ok, von Freunden kritisiert zu werden. Aber wenn jemand Kritik äußert, muss er noch lange kein Freund sein. Und die Juden haben in der Geschichte nun mal leider keine guten Erfahrungen gemacht...