HollywoodOscars für Christoph Waltz und Michael Haneke

Hollywood feiert seine Stars: Die Oscar-Jury ehrt Regisseur Haneke für "Liebe". Beste Nebendarsteller wurden Waltz und Anne Hathaway, bester Film Afflecks "Argo".

Oscar für die beste Nebenrolle: Christoph Waltz

Oscar für die beste Nebenrolle: Christoph Waltz  |  © Mike Blake/Reuters

Der österreichische Regisseur Michael Haneke hat mit seinem Werk Liebe den Oscar in der Kategorie nicht-englischsprachiger Film gewonnen. Es ist der erste Oscar für den 70-Jährigen. Das Drama erzählt von den letzten gemeinsamen Wochen eines älteren Ehepaares. Die französischen Schauspieler Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva spielen die Hauptrollen. Liebe setzte sich damit gegen Filme wie den norwegischen Beitrag Kon-Tiki sowie das dänische Werk Die Königin und der Leibarzt durch.

Den Thriller Argo wählte die Jury zum besten Film. Das Werk des 40-jährigen Regisseurs Ben Affleck handelt von einer CIA-Rettungsaktion von US-Geiseln im Iran und beruht auf wahren Begebenheiten. Direkt aus dem Weißen Haus zugeschaltet, präsentierte die Gattin des US-Präsidenten, Michelle Obama, den Gewinner und überraschte das Publikum. Argo holte zudem Oscars in den Kategorien adaptiertes Drehbuch und Schnitt.

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Anne Hathaway und der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz erhielten die Auszeichnung als beste Nebendarsteller. Die 30-jährige Hathaway wurde für ihre Rolle in dem Musical Les Misérables mit ihrem ersten Oscar geehrt, wo sie die Rolle der verarmten Mutter Fantine spielt. Sie setzte sich gegen Amy Adams (The Master), Sally Field (Lincoln), Helen Hunt (The Sessions – Wenn Worte berühren) und Jacki Weaver (Silver Linings) durch. In ihrer Dankesrede äußerte sie die Hoffnung, dass "irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft das Unglück von Fantine nur noch in Geschichten und nicht mehr im echten Leben zu finden ist".

Nymphomane Witwe

Waltz bekam die Trophäe für seine Rolle in dem Quentin-Tarantino-Western Django Unchained. Für den 56-Jährigen ist es der zweite Oscar. 2010 hatte er die Trophäe für seinen Part in Inglourious Basterds gewonnen – ebenfalls in der Kategorie bester Nebendarsteller. Waltz spielt in dem blutigen Sklavendrama Django Unchained einen Kopfgeldjäger, der einem befreiten Sklaven in den Jahren vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg dabei hilft, seine Frau aus den Händen eines ruchlosen Plantagenbesitzers zu befreien.

Jennifer Lawrence erhielt für ihre Darstellung einer nymphomanen Witwe den Oscar als beste Hauptdarstellerin in Silver Lining, Daniel Day-Lewis für seine Leistung in Steven Spielbergs Lincoln.

Filme

Der Politikthriller Argo von Ben Affleck ist bester Film des Jahres. In dem auf wahren Begebenheiten basierenden Werk geht es um eine Befreiungsaktion für US-Diplomaten nach der Besetzung der US-Botschaft während der Wirren im Iran nach dem Sturz des Schahs 1979.

Der österreichische Regisseur Michael Haneke gewann mit seinem Werk Liebe den Oscar in der Kategorie nicht-englischsprachiger Film. Es ist der erste Oscar für den 70-Jährigen. Das Drama erzählt von den letzten gemeinsamen Wochen eines älteren Ehepaares.

Als bester Dokumentar-Kurzfilm wurde die US-Produktion Inocente von Sean Fine und Andrea Nix Fine ausgezeichnet, bester Dokumentarfilm wurde Searching for Sugar Man über den Musiker Sixto Diaz Rodriguez ausgezeichnet. Die beiden deutschen Nominierten gingen leer aus.

Darsteller

Mit seiner Darstellung des legendären US-Präsidenten Abraham Lincoln in Steven Spielbergs Lincoln gewann der britisch-irische Schauspieler Daniel Day-Lewis als erster zum dritten Mal den Oscar für die beste Hauptrolle.

Die US-Schauspielerin Jennifer Lawrence erhielt für ihre Darstellung einer nymphomanen Witwe in Silver Linings Playbook den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle.

Anne Hathaway und der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz erhielten die Auszeichnung als beste Nebendarsteller. Die 30-jährige Hathaway wurde für ihre Rolle in dem Musical Les Misérables mit ihrem ersten Oscar geehrt, wo sie die Rolle der verarmten Mutter Fantine spielt. Waltz bekam die Trophäe für seine Rolle in dem Quentin-Tarantino-Western Django Unchained.

Beste Regie und weitere Kategorien

Für die bildgewaltige Literaturverfilmung Life of Pi  – Schiffbruch mit Tiger erhielt der taiwanesische Filmemacher Ang Lee den Preis für die beste Regie. Das 3D-Werk wurde zudem für die beste Kameraführung und die besten Spezialeffekte ausgezeichnet.

Merida – Legende der Highlands erhielt einen Oscar als bester Animationsfilm, jeweils eine Trophäe gab es für Anna Karenina (Kostümdesign) und Les Misérables (Make-up/Frisur).

Bestes Filmlied wird Skyfall von Adele Adkins und Paul Epworth aus dem gleichnamigen James-Bond-Film. Zuvor hatte Adele das Lied bei der Gala im Dolby Theatre Los Angeles erstmals live vortragen.

In der bekannten Weise bedankten sich die Ausgezeichneten bei Kollegen, Förderern, Verwandten, Partnern: "Meine unbegrenzte Dankbarkeit gilt Dr. King Schultz", sagte der 1956 in Wien geborene Waltz. Damit meine er Tarantino als Schöpfer dieses Filmcharakters. "Wir haben an einer Heldenreise teilgenommen, und dieser Held war Quentin", sagte Waltz weiter. Er hatte sich mit seiner Auszeichnung gegen die Hollywood-Größen Tommy Lee Jones (Lincoln) und Robert de Niro (Silver Linings) durchgesetzt. Ebenfalls für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert waren Alan Arkin (Argo) und Philip Seymour Hoffman (The Master).

Leserkommentare
  1. Ich freue mich das Ben Affleck endlich seinen Oscar bekommen hat. Jennifer Lawrence hatte in Silversun Pickups eine tolle Performance. Freue mich auch, dass "Paperman" einen Oscar bekommen hat. So viel Gefühl in wenigen Minuten hat man selten.

    Dann auf in das Filmjahr 2013/14. Viele großartige Filme warten darauf gesehen zu werden. :)

  2. Wahrscheinlich im Bett, der Berichterstattung nach.. ;) Und das haben sie ziemlich richtig gemacht! Es war eine recht langweilige Nacht.

    Seth McDingens taugt nicht als Host. Er macht die Veranstaltung nicht frischer, eher peinlicher. Das Musical-Thema aus der Mottenkiste zu holen?!? Hmmm, wer hat sich aus Hollywood noch mal alles über "Wetten dass?" beschwert? Ihr habt es heute kaum besser gemacht!

    Ein Highlight am Anfang mit Christoph und seinem Oscar, dann lange nix. Selbst für Filmfans wird das anstrengend. Adele singt. Toll. Die Internetgemeinde feiert. Adele wird später mit Recht gewinnen, aber keiner hatte die Streisand auf der Rechnung! Ein Highlight außer Konkurrenz!

    Zwischendurch fällt sonst nur Ted auf, der kleine Teddybär. In Hollywood Judenwitze zu bringen ist mutig, für deutsche Brillen wahrscheinlich komplett unverständlich. Vielleicht kommt der kleine Knudelbär 2014 als Host zurück?

    Am Ende geht es dann Schlag auf Schlag. Tarantino zeigt in wenigen Sätzen, worum es beim Film geht. Ang Lee mit dem Regieoscar für eine tolle Vision, Jennifer Lawrence wird (zu Recht) trotz Babyspeck the next big Thing in Hollywood, Daniel Day Lewis liefert in seiner Dankesrede einige der humorigsten Momente des Abends und Argos Oscar als Best Picture hinterlässt einen gerührten Ben Affleck, der sich freut angekommen und anerkannt zu sein.

    Leider haben sie dann noch mal gesungen...

    Ach ja.. Die Spiegel Online-Redaktion war heute wach. Und sie waren gut! ;)

    Eine Leserempfehlung
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    Vier Artikel mit Liveticker an erster Stelle über ein derartiges Nicht-Ereignis - das ist nicht 'wach', das ist eine Frechheit.
    Die Zeit hat wenigstens nur einen Beitrag und das ist schon fast zuviel; ob sich mehr als 5% der Bevölkerung für diese Veranstaltung interessiert? Ich kenne jedenfalls keinen einzigen.

    • knaak
    • 25. Februar 2013 14:40 Uhr

    Sie wissen aber schon, das Seth MacFarlane und der Knuddelteddy ein und die gleiche Person sind?

    • Infamia
    • 25. Februar 2013 7:24 Uhr

    Vielleicht ist Christoph Waltz ja langsam reif dafür, auch mal als bester Hauptdarsteller geehrt zu werden, waren die beiden Rollen in Tarantinos Filmen ja praktisch Hauptrollen. :)

    2 Leserempfehlungen
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    Ich habe das Sklavendrama gesehen und kann nur sagen sehr unterhaltend und in einigen Szenen absichtlich überzogen, aber auch dem ernsten Thema angemessen, teilweise sehr beklenmmend und autentisch gespielt.

    Kann den Fim, nur empfehlen nicht nur wegen Herrn Waltz, auch der schwarz Exsklave Django spielt hervoragend.

    • dusk
    • 25. Februar 2013 10:53 Uhr

    In Django gibt es ganz klar zwei Hauptdarsteller vielleicht drei wenn man Di Caprio noch mitzählt. Wie Waltz da zum Nebendarsteller wird leuchtet mir nicht ein.

    • Gerry10
    • 25. Februar 2013 7:38 Uhr

    ...denn in der Kategorie Beste Nebenrolle war die Konkurrenz wirklich saustark, da hätte jeder einen Oskar verdient.
    Der Rest war mMn relativ sichere Wetten...

  3. Schon mal die legendären Performances von Billy Crystal gesehen? Oscars ohne Musical ist absurd. Und Seth ist ein Genie. Allein seinen Namen im Umkreis von einem staatlichen subventionierten Dünnsinn wie "Wetten dass" zu erwähnen ist ein Verbrechen. "We saw your boobs" wird ewig einen Platz in meinem Herzen haben. Seth 4ever!

    2 Leserempfehlungen
  4. und kein Bock auf politische Filme.
    Das ist Oscar heute.

  5. Den Billy Crystal kenn ich wohl.. Und auch die Musicalliebe Hollywoods bzw der Academy ist mir nicht entgangen..

    Allerdings finde ich es etwas unpassend, eine aktuelle Musicalverfilmung zum Überaufhänger für eine Vierstundenshow zu machen und gleich noch mal semipopuläre Filme wie Chicago ins Schleppwasser zu nehmen.

    50 Jahre Bond hätten ein gutes Oberthema mit aktuellem Bezug abgeben können. Und einen Seth MacFarlane oder eine Catherine Zeta-Jones singen zu hören, zählt nun nicht gerade zu den großen Entertainment-Offenbarungen..

    Political Correctness finde ich wirklich nicht spannend, aber der Boob-Song geriet doch etwas arg flach.. Manchem Gesichtsausdruck zufolge, bei der besungenen Charlize Theron zB, hat das offensichtlich auch weniger gefallen. Auch ein George Clooney macht dann später eher zerknirscht eine gute Miene zu entsprechenden Witzen und wenn es dann zotig wird zu Rihanna und ihrem Lover? Nee.. Beim besten Willen kann ich da keine große Comedy oder StandUp-Qualität erkennen. Das ist dann schon eher wieder das Niveau von Lanz und Gottschalk.

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    • knaak
    • 25. Februar 2013 14:39 Uhr

    Charlize Therons und alle anderen "Reaktionen" waren nicht live, sondern absichtlich dazugeschnitten. Konnte man schon an den unterschiedlichen Kleidern erkennen. Charlize Theron war zum Zeitpunkt des Boob Liedes schon hinter der Bühne, um sich für ihre Tanznummer vorzubereiten.

  6. und das gleich doppelt.

    4 Leserempfehlungen

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