"Absolute Mehrheit"Ein bisschen ernsthaft über Politik sprach Raab auch

Er schäkert, er flapst, er provoziert: Seit klar ist, dass Stefan Raab das Kanzlerduell moderieren soll, lohnt sich ein Blick auf seinen Polit-Talk. von 

Man kann von Stefan Raab halten, was man will: Unbestritten ist er so etwas wie der oberste Visionär des deutschen Privatfernsehens. Mit dem Universal-Entertainer und seinem großen Ego springen bisher Prominente oder solche, die sich dafür halten, zur besten TV-Sendezeit Pirouetten vom Schwimmbadturm, oder sie sausen im Wok-Kochtopf eine Eisbahn hinunter.

Das ist im Idealfall unterhaltsam, doch informativ oder gar politisch nicht. Doch Raab, dem es offensichtlich nie langweilig werden darf, will genau diese Lücke nun auch ausfüllen. Das neue Betätigungsfeld, das er für sich entdeckt hat, heißt: deutsche Politik. Nicht nur, dass der 46-Jährige am Sonntagabend zum zweiten Mal seine eigene Polit-Talk-Show im Privatfernsehen moderierte. Seit Kurzem ist auch klar: ProSieben-Sat1 möchte ihn beim TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) im Herbst als Moderator einsetzen. Höher geht es kaum im Polit-Talk-Getriebe. Und krasser könnte der Unterschied zur von Raab bisher bespielten Unterhaltungsbranche kaum sein.

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Entsprechend laut waren die prompten Reaktionen, nicht zuletzt von Steinbrück selbst. Eiligst eingeholte Bevölkerungsumfragen bescheinigten: Zwei von drei Deutschen lehnen Raab als Moderator eines Kanzler-Duells ab. Der der Boulevardisierung der Politik Beschuldigte freut sich wiederum in zahlreichen Interviews über den "Gegenwind", der ihn ansporne. Seine (unkonventionelle) Person im Kanzler-Duell, das sei eine "visionäre Idee", um junges Publikum im Bundeswahlkampfendspurt ans Fernsehgerät zu locken.

Polit-Promis verweigern Raab ihren Besuch

In jedem Fall dürfte der Moderator sich auch ob des gelungenen PR-Effekts für die eigene Polit-Talkrunde gefreut haben, die nach einem verpatzten Debüt nun zum zweiten Mal live ausgestrahlt wurde. Am Sonntagabend werden einige Deutsche trotz Zu-Bett-Geh-Zeit (23 Uhr!) eingeschaltet haben, um dem Entertainer bei seiner (länglichen) Sendung Absolute Mehrheit zuzugucken. Dort diskutierte Raab mit vier jungen, einer breiten Masse eher wenig bekannten Politikerinnen - und dem durchweg etwas farblos bleibenden Sänger Olli Schulz - über Mietpreise, Moral und Frauenquote. Die Polit-Promis verweigern Raab bisher noch einen Besuch in seiner Show – weil dort von den Zuschauern eine Art Beliebtheitsranking der Gäste und deren Meinungen erstellt wird. Und das doch irgendwie populistisch anmutet.

Für Raab war es keine schlechte Sendung. Er war weniger nervös als beim letzten Mal, schäkerte nach links und rechts. Seine weiblichen Gäste machten mit. Es wurde viel gegickelt. FDP-Vorstandsmitglied Linda Teuteberg lächelte über Raabs wiederholte Bemerkung, wie "fantastisch" sie denn heute Abend aussehe – eine Anspielung auf die Sexismus-Debatte in ihrer Partei. CSU-Vizegeneralsekretärin Dorothea Bär gestattete dem Moderator sie mit "Doro" anzureden: "Wenn es Stimmen gibt, dürfen Sie alles zu mir sagen", gackerte Bär in Raabs Richtung – am Ende gewann sie das Ranking als beliebtester Talk-Gast allerdings nicht.

Leserkommentare
  1. WOK, Turmspringen, Autoscooter & Co. - das ist seine Spielwiese. Politik können schon andere kaum, er gar nicht. Da sollte man ein "Kanzlerduell" (die platte Bezeichnung "Kanzlerduell" würde zu Raab Productions passen, das war´s dann aber auch...) doch von einem Profi moderieren lassen. Vor allem von einem, der nicht vor der Sendung nach fakten "googeln" muß. Was allerdings auch nicht ganz uninteressant ist, Herr Stoiber - seines Zeichens auch Vorsitzender des Beirats von Pro 7 & Sat 1 - das ist doch derjenige, der Herr Raab in´s Gespräch gebracht hat!

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    weshalb ja auch er wirklich kritische und für die Politik echt hartnussige Nikolaus Brender da rausgeworfen wurde. Wir bekommen nur noch der "Macht" gefällige Moderatoren, die an SPD und Union kein Haar kommen lassen. Gerne aber gegen die Linke und bisweilen auch gegen die Grünen und je nach Umfragelage, die FDP stänkern.

    Kritische Moderatoren? Ich schlage Marietta Slomka vor!

  2. Bisher hat Stefan Raab immer gezeigt, daß er sämtliche Formate mit unterhaltsamem Witz gestaltet. Und warum soll ein Kanzler-Duell nicht auch einmal etwas mit humorvollem Witz ausgestattet sein? Wo doch die Politik aufgrund der sich verstärkenden Korruption und des oftmaligen Machtmißbrauchs für den ausgebeuteten Wähler durch solch einen unkonventionellen Moderator etwas erträglicher werden kann.

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    schaden kann es ja nicht. Die Ablehnung war vermutlich seinem blanken Elitismus und Überheblichkeit geschuldet.

    • Sven88
    • 18. Februar 2013 9:12 Uhr

    Ich finde es ok, so werden alle möglichen Bevölkerungsschichten erreicht und eventuell zum Wählengehen motoviert. Warum also nicht.

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    • Salagne
    • 18. Februar 2013 11:08 Uhr

    wie steigern wir wieder das politische Niveau der Gesellschaft? Und nicht, wie passen wir uns dem immer weiter sinkenden Niveau weiter an?

    Bildung muss her, dann verschwinden auch wieder solche wiederlichen TV-Formate wie dieses.

    Die Aussage von "Doro" sagt doch alles:
    "Wenn es Stimmen gibt, darf er alles!"

    Hauptsache der letzte Einfallspinsel stimmt zu, anstatt zu Inhalten zu stehen.

  3. schaden kann es ja nicht. Die Ablehnung war vermutlich seinem blanken Elitismus und Überheblichkeit geschuldet.

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