Action-Filme"Stirb langsam" ist tot

Die "Die Hard"-Reihe begründete in den achtziger Jahren einen neuen Typus von Actionfilmen. Mit Teil 5 begräbt sich die Serie selbst. von Andreas Busche

Rußverschmiert und im blutigen Unterhemd – so schrieb Bruce Willis mit Stirb Langsam vor 25 Jahren Filmgeschichte. Er war in den achtziger Jahren die Ultima Ratio des amerikanischen Actionkinos, das mit Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und Chuck Norris zuvor ein paar wortkarge Kantenschädel hervorgebracht hatte. Harte Typen, die sich nicht umdrehten, wenn hinter ihren Rücken die Welt in Flammen aufging.

Willis war von einem anderen Schlag. Weder verfügte er über die klassische Actionhelden-Physiognomie seiner Kollegen. Noch legte es seine Filmfigur John McClane überhaupt darauf an, ein Held zu sein. Man konnte ihn sich gut nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher vorstellen.

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Stirb Langsam lieferte Ende der achtziger Jahre die Blaupause für einen neuen Typus von Actionfilm. Die Konzentration auf einen einzigen Handlungsort, die perfekte Einheit von Zeit und Raum, war seinerzeit ein bahnbrechendes Konzept, mit dem sich die filmische Architektur des Actionkinos noch einmal völlig neu erschloss. Wenn sich Willis durch die verschiedenen Stockwerke eines 30-stöckigen Bürogebäudes kämpfte und in Aufzugsschächten herumkletterte, verband sich darin die physische Erfahrung des Actionfilms mit einem schlüssigen kinetischen Raumgefühl.

Daran erinnert man sich gerne noch einmal, wenn diese Woche – rechtzeitig zum Jubiläum der Serie – Stirb Langsam 5 – Ein guter Tag zum Sterben anläuft. Es geht mal wieder um John McClanes Familie und hier schließt Teil 5 konsequent an seine Vorgänger an. Eigentlich arbeitet die Serie seit einem Vierteljahrhundert an der Zuspitzung des Familiendramas zu den Bedingungen des Actionkinos. Eine Art Running Gag sind etwa die Worte von McClanes Tochter: "Mach bloß keinen Ärger, Dad!"


In Ein guter Tag zum Sterben erhält McClanes Patchwork-Familie überraschend Zuwachs: vom verlorenen Sohn Jack, der gleich am Anfang reichlich unmotiviert in den Film platzt. Jack hat vor Jahren den Kontakt zu seinem Dad abgebrochen. Entsprechend erstaunt ist dieser, als er aus gut unterrichteten Geheimdienstquellen erfährt, dass sein renitenter Spross in einem russischen Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Dort wartete er zusammen mit einem entmachteten Oligarchen (Sebastian Koch), der vermutlich an Michail Chodorkowski erinnern soll, auf seinen Mordprozess. Also reist John nach Moskau, wo er Augenzeuge eines generalstabsmäßigen Ausbruchs wird. Das alles passiert in der ersten Viertelstunde.

Dass seit dem ersten Film fast ein Vierteljahrhundert vergangen ist, zeigt sich nicht nur an Bruce Willis' zurückweichendem Haaransatz. Ein guter Tag zum Sterben erweist sich bald als kuriose Zeitreise voll haarsträubender Ungleichzeitigkeiten.

Als Stirb Langsam 1988 auf dem Höhepunkt der Perestroika in die Kinos kam, waren die Japaner mit ihrem mächtigen Yen bereits der neue amerikanische Angstgegner. Der Nakatomi-Wolkenkratzer in Los Angeles symbolisierte im Kino die japanische Wirtschaftsmacht und das Publikum durfte genüsslich mit ansehen, wie John McClane dieses architektonische Ungetüm im Alleingang Stockwerk um Stockwerk dem Erdboden gleichmachte.

Leserkommentare
  1. Ich denke, das, was die ersten Filme dieser Reihe ausgemacht hatte, war vor allem auch, dass es sich bei dem Helden um einen sog. "Underdog" handelte - einen Mann ohne besondere Fähigkeiten, ohne besondere Ausbildung, ein Normalo wie jeder andere Mann im Kino, der in einer Ausnahmesituation eine außerordentliche Höchstleistung zu leisten vermochte, die ihm keiner der Kollegen zugetraut hätte.

    Das war/ist der Traum jedes Mannes. Jeder konnte sich in McClane hineinversetzen.

    Damit steht John McClane in einer Reihe mit Rocky, Rambo, James T. Kirk (zumindest in der TOS) und seine Crew sowie Commander Cliff Allister McLane und seine Crew.

    Leider verstehen es die US-amerikanischen Filmproduzenten immer wieder, in den Folgefilmen diese "einer so wie du"-Typen in Top-Performer umzudichten, sie in unerreichbare Leistungshöhen zu erhöhen, die sie uns entfremden.

    Damit erreichen Folgefilme in der Regel nicht mehr die Sympathie wie die Erstlingswerke.

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  2. Das war der Konsens aller Besucher um mich herum nach der gestrigen Vorstellung von "Stirb Langsam 5".

    Schon vorab war ich nicht ganz sicher, ob der Film an die "Äktschn" aus Teil IV anschliessen kann. Und erst der Titel...
    "Stirb Langsam - Ein guter Tag zum Sterben", viel zu gestelzt. Warum nicht einfach "Stirb langsam V"?

    Wie dem auch sei, der Film ist eine flache Action-Komödie die gerade noch so besseres Durschnittsniveau erreicht; und das ist wohlwollend geurteilt. Die Protagonisten sind blass und einfallslos aufgebaut. Selbst John McLane (Willis) ist nicht der lustige "Spring-ins-Feld", wie im vierten Teil.

    Die Handlung ist -selbst für die "Stirb langsam-Reihe"- sehr schwach. Die Schauplätze sind nur eingeschränkt authentisch. Und selbst die Action, als einzig verlässliche Konstante für gute Unterhaltung in der Reihe, ist im Gegensatz zu 4.0 nur mäßig.

    Alles in allem, kann ich den Film nicht empfehlen. Unterhaltsam ja, aber viel mehr auch nicht. Wohlwollend bewertet vergebe ich 5 von 10 Punkten

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  3. Bruce Willis spielt dann den Helden mit Krückstöcken.

    Was hat eigentlich Beethovens Neunte (weil doch recht unpassend) im Trailer zu suchen?

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    Zu Ihrer Frage: Beethovens Neunte wurde im ersten Teil schon gespielt, als die Terroristen den großen Safe im Nakatomi Plaza geöffnet haben. Hat einen hohen Wiedererkennungswert für eingefleischte Fans, deshalb wurde sie wahrscheinlich im Trailer verwurschtelt. (Ich selbst habe den Trailer aber noch nicht gesehen)

    • vyras
    • 15. Februar 2013 16:51 Uhr

    ... an den Haaren herbeigezogene Story. Um eine Anleihe beim "Otto" der 70er zu nehmen: Man zwingt Bruce Willis, diese Filme zu machen. Mit Geld.

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    • deDude
    • 15. Februar 2013 17:01 Uhr

    ... dieser Spruch trifft (wenn man der Rezension glauben kann, denn über Geschmak lässt sich ja bekanntlich trefflich streiten) hier wohl voll ins Schwarze.

    Generell, so scheint es mir, verlegen sich die Kreativbranchen mehr und mehr auf Aufgüsse von vormals erfolgreichen Produkten. Ich befürchte aber auch, das grade durch die Verdichtung des Entertainmentmarktes, die Qualität der geschaffenen Produkte, trotz teils extremen hohen Budgets, seit Jahren leidet.

    Ich persönlich habe mich inzwischen von Filmen auf Serien, insbesondere die eines großen US-Pay-TV-Anbieters, verlegt.
    Gemessen an den Produktionskosten übersteigen diese z.T. heute schon große Kino-Blockbuster und auch seitens des Produktionsteams lassen sich in den letzten Jahren interessante Veränderungen feststellen.

    Haben Produzenten, Schauspieler und Drehbuchautoren ihre TV-Karriere früher oft als "Sprungbrett" ins Mainstreamkino gesehen vollzieht sich der Wechsel heute oftmals auch in die andere Richtung, so z.B. mit Martin Scorsese (Boardwalk Empire/S01E01), Kevin Spacey (House of Cards) oder J.J. Abrams (in ultimativer Personalunion als Produzent, Drehbuchautor und Regiseur)(Fringe).

    Ich persönlich hoffe ja darauf das beide Medien noch mehr miteinander verschmelzen, denn bisher halte ich diese "Zweigleisigkeit" für extrem erfolgreich.

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  4. Dieser Intelligenz und Differenziertheit des Textes und die Klugheit der Kommentatoren zeigt mir wieder, dass ich einfach zu doof bin den Tücken des Mainstreams zu widerstehen.

    Wie konnte ich nur ohne die geringste Erwartung an Story, Tiefe, adäquatem Feindbild und oscarreifen Darstellerleistungen in einen Actionfilm mit Bruce Willis gehen?

    Auch die gewaltige Fahrzeugvernichtungsorgie mit überragendem "Mercedes-Product-Placement" hätte mir nicht gefallen dürfen.

    Die Überquerung der Grenze zwischen Russland und der Ukraine mit vielen Waffen im Fahrzeug wurde leider auch nicht gezeigt.

    Die Unmöglichkeit manche Szenen zu überleben, das physikalisch so einfache Festhalten an einem Hubschrauber
    und auch die Pflicht, als "Böser" richtig irre zu sein, habe ich nicht genügend berücksichtigt.

    Ich schäme mich, dass ich mich unterhalten gefühlt habe.

    Ob ich noch die Kraft habe weiter an meiner Bildung und Differenziertheit zu arbeiten und zu warten, dass ein amerikanischer Actionfilm auch mal den Mossad als bösen Gegner darstellt.

    Ich weiß nicht. Ihr seid so klug und schreibgewandt, kulturell hochstehend, dass ich fast resigniere.

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    Nirgendwo im Artikel steht, dass der Film keinen Spaß machen könnte.
    Es geht lediglich darum, dass der Film nicht annähernd so gut sei wie die alten Teile.

    Das ist ein (weitestgehend) objektives Urteil eines Filmkenners und damit etwas anderes als eine subjektive "Ich hatte aber Spaß"-Wertung eines (Verzeihung) Laien.

    Selbstverständlich steht es Ihnen frei, anderer Meinung zu sein, aber es nervt einfach unglaublich, dass auf jede einzelne Rezension hier bei Zeit online verlässlich eine ganze Reihe "Oh nein, ich fand etwas subjektiv gut, was der Rezensent objektiv schlecht fand, jetzt muss ich mein Zeit-Abo kündigen und die Existenzberechtigung von Kulturjournalismus insgesamt anzweifeln, weil es unmöglich ist, dass jemand einen Film auf einer anderen Ebene beurteilt als ich"-Kommentare kommt.

    Ist es denn so schwer, sich einfach zu freuen, wenn einem ein Film gefällt? Muss man sich trotzdem persönlich angegriffen fühlen, wenn jemand anders anderer Meinung ist?

    Danke für diese göttlichen Worte!

    Auch wenn ich noch nicht in die Schmach kam, diesen anspruchslosen Film völlig fehlgeleitet zu genießen, habe ich das Gefühl nicht würdig zu sein, um in den Kreis intelligenter und differenziert denkender Menschen zugehörig zu sein, um die Sichtweise der anderen zu teilen...

    ... was ein Glück!

    Lieber PhilipJFry, wer wird es sich den herausnehmen wollen hinsichtlich einer Filmkritik zwischen subjektiv und objektiv trennen zu wollen? Hinter diesem Sarkasmus steckt wohl ein Mensch, der mindestens genauso angenervt ist. Meiner Meinung nach nicht zu unrecht. Schließlich wertet man hier vorzugsweise aus völlig überheblicher Perspektive und nach meiner Meinung in total unverhältnismäßiger Art zum evaluierenden Objekt. Wie häufig muss ich mich von "zeit-gebildeten" Menschen belehren lassen, die ihre Meinung hier einfach nur aufsaugen wie ein muffiger Badvorleger.

    Wenn man es nicht verkraftet, es persönlich nimmt oder sich dadurch das eigene Vergnügen trüben lässt, sollte man einfach einen Bogen um solche Rezensionen (gleich welcher Art; ähnliche schlechtgelaunte Kommentare finden sich z.B. unter Besprechungen von neuen Musikalben) machen.

    Ich bin sehr froh, dass es diese Filmbesprechungen gibt, weil sie mir bei solchen Filmen, bei denen ich unsicher bin, ob ich sie sehen möchte, die Möglichkeit geben, mich für oder gegen einen Kinobesuch zu entscheiden. Einfach zwei oder drei Rezensionen lesen - wenn die in ihrem Urteil einstimmig oder auf interessante Art unterschiedlicher Ansicht sind, weiß man meist ganz gut, woran man ist. Positive Rezensionen geben einem im besten Fall darüber hinaus spannende Hintergrundinfos und Hinweise auf Facetten des Films, die man ansonsten nicht mitbekommen hätte (z.B. war mir dieser Japanbezug aus dem ersten Stirb-langsam-Film bis jetzt überhaupt nicht bewusst), negative Rezensionen schonen den Geldbeutel und ersparen einem ein paar frustrierende Stunden im Kino. Zu dumm, dass ich mir auch im letzten Jahr trotz vorhandener Verrisse mehr als einen schlechten Film angeschaut habe.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu intelligent und differenziert und nicht noch ein weiterer Anlass für Sie, das Zeitlesen einzustellen.

    Das ist doch toll, dass sie viel Spass in dem Film hatten, freuen Sie sich.
    Aber welche Laus ist ihnen bei ihrem Kommentar über die Leber gelaufen? Sie schämen sich? Naja ...

    Es gibt nun mal auch Leute, die Dinge, Werke, Meinungen oder Erkenntnisse differenzierter betrachten. Und dazu gehören auch Filme. Und dass finde ich sehr gut, undifferenzierte Aussagen, Meinungen usw. gibt es mehr als genug.

    Um noch kurz aufzuzeigen, dass der Rezensent nicht alleine mit seiner Meinung ist:
    Die Meinung von über 330.000 Leute zu Stirb langsam 1:
    http://www.imdb.com/title/tt0095016/?ref_=fn_al_tt_1
    Und die zu Stirb langsam 5 (ok, erst knapp über 6.000):
    http://www.imdb.com/title/tt1606378/?ref_=fn_al_tt_1

    Und noch nebenbei bemerkt, die Überschrift des Artikels von Hr. Busche finde ich gelungen :-)

    • vyras
    • 16. Februar 2013 10:14 Uhr

    ... Schwierigkeiten mit Unterschiedlichkeit haben und sich von den Meinungen anderer Menschen angegriffen und in Frage gestellt fühlen. Das ist nicht das Problem dieser anderen Meinungen.

    Jeder soll sich so vergnügen, wie er will, und meinen, was er will.

  5. Mir war ehrlich gesagt nur der erste Film sympathisch. Das Problem ist die eingebaute Eskalation, zuerst ein Hcohhaus, dann ein Flughafen, dann eine Stadt. Teil 6 wird die ganze Welt als Schauplatz haben und Teil 7 spielt dann im Weltraum. Wenn man so viel Action reinpackt muss die Story zwangsläufig leiden.

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    Die Beschreibung trifft auf die ersten 4 Teile (sowie auf aktuellere Action-Reihen wie M:I, Bond oder Bourne) zu, in Stirb Langsam 5 sind die Schauplätze aber doch sehr überschaubar - und das ist gut so!

    Der Film ist sicher keine intellektuelle Herausforderung, Bösewicht und McClane-Sohn deutlich zu blass und viele Dialoge vorhersehbar (Wendungen in der Handlung, die ihren Namen wert sind, gibt es nicht), trotzdem fühlte ich mich die knapp 2 Stunden exzellent unterhalten. Und das lag zu einem Gutteil an der straighten Story und dem Verzicht auf aufwändig erklärte Weltreisen, nur um geile Schauplätze zu zeigen.

    Gute Animationen (die ich im Gegensatz zum Autor des Artikels NICHT also solche erkennen konnte), sehr gute Stunts und ausgezeichnete Verfolgungsjagden reichten dafür völlig aus. Insgesamt ein sehr guter Actionfilm, für meinen Geschmack um Längen besser als der aktuelle Bond.

  6. Ich werde ihn mir anschauen schon allein wegen der Action. Niemand kann mir erzählen, dass nicht auch schon der erste Teil völlig unglaubwürdig war.

    Ob ich enttäuscht werde oder nicht wird sich zeigen, aber das Risiko werde ich eingehen.

    Auch "The Last Stand" mit Arnold wurde verrissen. Als ich den Film gesehen habe, war ich nicht enttäuscht. Mir hat am Besten die Stelle im Film gefallen, als Arnold bei einer Begutachtung eines toten Farmers seine Brille aufsetzten musste. Das ist so, wenn man alt wird.

    Action mit einem Schuss Selbstironie, das macht für mich die Filme der alten Garde Hollywoods aus. Ob Stallone, Stratham, Schwarzenegger, Diesel oder Willis, die sind wie die Paladine in WOW, sie kämpfen, kämpfen, kämpfen und kämpfen und vergessen dabei zu sterben.

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