Action-Filme : "Stirb langsam" ist tot

Die "Die Hard"-Reihe begründete in den achtziger Jahren einen neuen Typus von Actionfilmen. Mit Teil 5 begräbt sich die Serie selbst.

Rußverschmiert und im blutigen Unterhemd – so schrieb Bruce Willis mit Stirb Langsam vor 25 Jahren Filmgeschichte. Er war in den achtziger Jahren die Ultima Ratio des amerikanischen Actionkinos, das mit Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und Chuck Norris zuvor ein paar wortkarge Kantenschädel hervorgebracht hatte. Harte Typen, die sich nicht umdrehten, wenn hinter ihren Rücken die Welt in Flammen aufging.

Willis war von einem anderen Schlag. Weder verfügte er über die klassische Actionhelden-Physiognomie seiner Kollegen. Noch legte es seine Filmfigur John McClane überhaupt darauf an, ein Held zu sein. Man konnte ihn sich gut nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher vorstellen.

Stirb Langsam lieferte Ende der achtziger Jahre die Blaupause für einen neuen Typus von Actionfilm. Die Konzentration auf einen einzigen Handlungsort, die perfekte Einheit von Zeit und Raum, war seinerzeit ein bahnbrechendes Konzept, mit dem sich die filmische Architektur des Actionkinos noch einmal völlig neu erschloss. Wenn sich Willis durch die verschiedenen Stockwerke eines 30-stöckigen Bürogebäudes kämpfte und in Aufzugsschächten herumkletterte, verband sich darin die physische Erfahrung des Actionfilms mit einem schlüssigen kinetischen Raumgefühl.

Daran erinnert man sich gerne noch einmal, wenn diese Woche – rechtzeitig zum Jubiläum der Serie – Stirb Langsam 5 – Ein guter Tag zum Sterben anläuft. Es geht mal wieder um John McClanes Familie und hier schließt Teil 5 konsequent an seine Vorgänger an. Eigentlich arbeitet die Serie seit einem Vierteljahrhundert an der Zuspitzung des Familiendramas zu den Bedingungen des Actionkinos. Eine Art Running Gag sind etwa die Worte von McClanes Tochter: "Mach bloß keinen Ärger, Dad!"


In Ein guter Tag zum Sterben erhält McClanes Patchwork-Familie überraschend Zuwachs: vom verlorenen Sohn Jack, der gleich am Anfang reichlich unmotiviert in den Film platzt. Jack hat vor Jahren den Kontakt zu seinem Dad abgebrochen. Entsprechend erstaunt ist dieser, als er aus gut unterrichteten Geheimdienstquellen erfährt, dass sein renitenter Spross in einem russischen Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Dort wartete er zusammen mit einem entmachteten Oligarchen (Sebastian Koch), der vermutlich an Michail Chodorkowski erinnern soll, auf seinen Mordprozess. Also reist John nach Moskau, wo er Augenzeuge eines generalstabsmäßigen Ausbruchs wird. Das alles passiert in der ersten Viertelstunde.

Dass seit dem ersten Film fast ein Vierteljahrhundert vergangen ist, zeigt sich nicht nur an Bruce Willis' zurückweichendem Haaransatz. Ein guter Tag zum Sterben erweist sich bald als kuriose Zeitreise voll haarsträubender Ungleichzeitigkeiten.

Als Stirb Langsam 1988 auf dem Höhepunkt der Perestroika in die Kinos kam, waren die Japaner mit ihrem mächtigen Yen bereits der neue amerikanische Angstgegner. Der Nakatomi-Wolkenkratzer in Los Angeles symbolisierte im Kino die japanische Wirtschaftsmacht und das Publikum durfte genüsslich mit ansehen, wie John McClane dieses architektonische Ungetüm im Alleingang Stockwerk um Stockwerk dem Erdboden gleichmachte.

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