Maya ist eine professionelle Aktenwälzerin, eine brillante Analystin, die im Film zur Schreibtischtäterin wird. Folter ist Teil bürokratischer Detektivarbeit. In einer Szene, in der sie Videomaterial von Verhören auswertet, fokussiert die Kamera ihr Gesicht. Unbeeindruckt analysiert sie die Videos gefolterter Gefangener und deren "Geständnisse". Sie wirkt ausgelaugt. Jedoch nicht aus Mitleid oder Abscheu, sondern aus Anspannung. Die gewünschte Information lässt zu lang auf sich warten.

Ihr Kollege Dan, dessen Credo "You lie to me and I will hurt you" in krassem Kontrast zu seinem Äußeren steht, ist viel unberechenbarer. Gekleidet in schwarzen Röhrenjeans, engem schwarzem T-Shirt und Vollbart changiert er zwischen Folterknecht und Starbucks-Barista. Es ist Hannah Ahrendts "Banalität des Bösen", die hier anklingt, die Bigelow aber nie ausformuliert. Diese Ambivalenz bringt den Zuschauer in einen Zwiespalt. Soll man sich mit den Protagonisten identifizieren? Soll man sich über jedes auch nur kleinste Anzeichen von Menschlichkeit freuen? Es ist ein ständiger Gewissenskonflikt. In einer Szene werden Dan und Maya dargestellt, wie es in US-Serien üblich ist: als ihrem Job ergebene Workaholics – in der nächsten sehen wir sie als Folterer.

Die Ambivalenz der Täter herzustellen, ist eine dramaturgische Leistung von Zero Dark Thirty. Sie macht uns die Polster der Kinosessel ungemütlich. Diese Ambivalenz ist allerdings auch das große Problem des Films. Denn sie funktioniert nur aufgrund der fehlenden Opferperspektive.