Film "Zero Dark Thirty"Folterknechte am Schreibtisch
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Diese Ambivalenz bringt den Zuschauer in einen Zwiespalt

Maya ist eine professionelle Aktenwälzerin, eine brillante Analystin, die im Film zur Schreibtischtäterin wird. Folter ist Teil bürokratischer Detektivarbeit. In einer Szene, in der sie Videomaterial von Verhören auswertet, fokussiert die Kamera ihr Gesicht. Unbeeindruckt analysiert sie die Videos gefolterter Gefangener und deren "Geständnisse". Sie wirkt ausgelaugt. Jedoch nicht aus Mitleid oder Abscheu, sondern aus Anspannung. Die gewünschte Information lässt zu lang auf sich warten.

Ihr Kollege Dan, dessen Credo "You lie to me and I will hurt you" in krassem Kontrast zu seinem Äußeren steht, ist viel unberechenbarer. Gekleidet in schwarzen Röhrenjeans, engem schwarzem T-Shirt und Vollbart changiert er zwischen Folterknecht und Starbucks-Barista. Es ist Hannah Ahrendts "Banalität des Bösen", die hier anklingt, die Bigelow aber nie ausformuliert. Diese Ambivalenz bringt den Zuschauer in einen Zwiespalt. Soll man sich mit den Protagonisten identifizieren? Soll man sich über jedes auch nur kleinste Anzeichen von Menschlichkeit freuen? Es ist ein ständiger Gewissenskonflikt. In einer Szene werden Dan und Maya dargestellt, wie es in US-Serien üblich ist: als ihrem Job ergebene Workaholics – in der nächsten sehen wir sie als Folterer.

Die Ambivalenz der Täter herzustellen, ist eine dramaturgische Leistung von Zero Dark Thirty. Sie macht uns die Polster der Kinosessel ungemütlich. Diese Ambivalenz ist allerdings auch das große Problem des Films. Denn sie funktioniert nur aufgrund der fehlenden Opferperspektive.

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Leserkommentare
  1. ... spiegelt lediglich den Standpunkt der meisten US-Amerikaner wieder. Folter ist zwar schlimm, aber nötig um die "Bösen" zu fassen. Diese Tatsache spricht Bände über die amerikanische Gesellschaft und deren Denkweise. Das die USA viele der Probleme im Nahen Osten verursacht haben interessiert keinen.

    Freedom isn't free!

    10 Leserempfehlungen
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    • tom1972
    • 01. Februar 2013 21:39 Uhr

    Auch Sie haben den Film nicht versanden :-)

    Und von "den US-Amerikanern" haben Sie noch weniger Ahnung.

  2. ist der Film "den mutigen Frauen und Männern gewidmet, die unser Leben sicherer gemacht haben." Will heißen, den Geheimdienst-Agenten. (Siehe Interview mit Colbert, der sehr freundlich zu ihr war.) Von "Schreibtischtäterin" ist da keine Rede. Der Autor hat den Film total falsch verstanden. Sein Mißverständnis ist aber nicht naiv. Er möchte irgendeine "Erlösung" (redeeming moment) im Film finden. Na.. da ist nichts Neues. Es gibt auch welche, die in Riefenstahls Filme redeeming moments suchen. Muss man denen ins Gesicht lachen.

    2 Leserempfehlungen
    • mio
    • 01. Februar 2013 20:06 Uhr
    3. Kritik

    Ich empfand die Thematik der Folter schon recht kritisch und für Hollywood-Verhältnisse auch weniger platt. Bei Bigelow hat mich das aber auch nicht überrascht.
    Die Kritiker hätten sich auch dann gemeldet, hätte man gar keine Folter gezeigt. So what.

  3. Ganz gleich welche Intention der Film verfolgt - Verurteilung der Folter durch realistische Darstellung oder Rechtfertigung durch Zeigen der vermeintlich nützlichen Resultate - ich bin sicher, der Film trägt weiter zur Abstumpfung bei. Folter wird mehr und mehr als Normalität angesehen.
    Zum Vergleich: Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" wollte seinerzeit durch besonders drastische Darstellung die menschenverachtende "Ausbildungs"-Praxis der US-Marines bloßstellen. Heute kennt man dieselben Motive aus durchschnittlichen Action-Fernsehserien wie "JAG" oder "Space 2063", dort ohne jegliche kritische Intention. Der Film selbst wird heute als amüsante Unterhaltung konsumiert.
    Das selbe wird auch mit dem Thema Folter passieren.

    8 Leserempfehlungen
    • tom1972
    • 01. Februar 2013 21:37 Uhr

    dass nicht vorhanden sein soll. Der erste Schnitt, die Schreie der Opfer. Zweiter Schnitt. Folter. Das zeigt, was man gern lustlos hervorbringt, wenn man sonst nichts zu sagen hat: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Eben.

    Maya kommt nicht durch irgendeine Folter auf die Spur bin Ladens. Sie ist die Einzige in Bush-Zeiten, die den Fokus nicht vom Wesentlichen verloren hat. Die Folter des armen Teufels zeigt, dass sie sinnlos war. Erstaunlich, dass das dem Autor nicht bewusst wird.

    Der Film hat die Jagt nach UBL und den Krieg gegen den Terror zum Thema. Die erste Aussage des Filmes, dass Folter eben NICHT der Schlüssel war, ist niederschmetternd. Damit ist aber auch genug. Hier wird eine Geschichte erzählt, wie sich auch von Springsteen hätte erzählt werden können. Eben OHNE Zeigefinger. Ohne Besserwisserei. Ohne PC bis zum Erbrechen.

    Die Terroristen töten nahezu 3000 Menschen. Die einen Foltern daraufhin, was sie nicht weiterbringt. Die anderen machen beharrlich ihre Arbeit und lassen sich nicht abbringen- und haben Erfolg. Hier findet man bereits ein klares Statement. Was ist so schwer daran zu verstehen?

    • tom1972
    • 01. Februar 2013 21:39 Uhr

    Auch Sie haben den Film nicht versanden :-)

    Und von "den US-Amerikanern" haben Sie noch weniger Ahnung.

    Antwort auf "Der Film..."
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    Ich habe knapp sechs Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Keine Ahnung was sie so machen, aber ich denke, dass ich von den Amis etwas mehr - wie es nennen - Ahnung habe. Zweitens: Woher wollen sie wissen ich hätte den Film nicht verstanden? Weil ich nicht auf diese "kritisch" verpackte Propaganda reinfalle wie sie? btw: Haben sie den Film überhaupt gesehen? Dacht ich's mir. Hauptsache große Töne spucken!

    • tom1972
    • 01. Februar 2013 22:07 Uhr

    Der Fehler, hervorgerufen durch die eigene Erwartungshaltung, ist alt wie die Shabbat-Frage.

  4. Ich habe knapp sechs Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Keine Ahnung was sie so machen, aber ich denke, dass ich von den Amis etwas mehr - wie es nennen - Ahnung habe. Zweitens: Woher wollen sie wissen ich hätte den Film nicht verstanden? Weil ich nicht auf diese "kritisch" verpackte Propaganda reinfalle wie sie? btw: Haben sie den Film überhaupt gesehen? Dacht ich's mir. Hauptsache große Töne spucken!

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Erstaunlich "
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    • tom1972
    • 03. Februar 2013 12:12 Uhr

    Ich persönlich tue mich oft schwer mit der Einschätzung, was die meisten Deutschen meinen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Sie nennen einen Film, der ohne moralischen Zeigefinger daherkommt, "Propaganda". Zumindest verharmlosen Sie die Propaganda. Und ein Interview mit der Verantwortlichen haben Sie ebenfalls nicht gesehen- oder nicht verstanden.

    Man kann natürlich nur US-kritik zulassen, wenn Sie aus den Federn der Selbsthasser stammt. Allein der Anfang des Films zeigt hier eindeutig, in welche Richtung es gehen soll. Und fakt ist ebenfalls, dass keine Folter zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Daher sollten jedem, der Folter so einschätzt, wie Sie es schildern, die stille Zustimmung zur Folter im halse stecken bleiben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Osama bin Laden | Barack Obama | Folter | Jagd | James Bond
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