Film "Zero Dark Thirty" : Folterknechte am Schreibtisch
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Diese Ambivalenz bringt den Zuschauer in einen Zwiespalt

Maya ist eine professionelle Aktenwälzerin, eine brillante Analystin, die im Film zur Schreibtischtäterin wird. Folter ist Teil bürokratischer Detektivarbeit. In einer Szene, in der sie Videomaterial von Verhören auswertet, fokussiert die Kamera ihr Gesicht. Unbeeindruckt analysiert sie die Videos gefolterter Gefangener und deren "Geständnisse". Sie wirkt ausgelaugt. Jedoch nicht aus Mitleid oder Abscheu, sondern aus Anspannung. Die gewünschte Information lässt zu lang auf sich warten.

Ihr Kollege Dan, dessen Credo "You lie to me and I will hurt you" in krassem Kontrast zu seinem Äußeren steht, ist viel unberechenbarer. Gekleidet in schwarzen Röhrenjeans, engem schwarzem T-Shirt und Vollbart changiert er zwischen Folterknecht und Starbucks-Barista. Es ist Hannah Ahrendts "Banalität des Bösen", die hier anklingt, die Bigelow aber nie ausformuliert. Diese Ambivalenz bringt den Zuschauer in einen Zwiespalt. Soll man sich mit den Protagonisten identifizieren? Soll man sich über jedes auch nur kleinste Anzeichen von Menschlichkeit freuen? Es ist ein ständiger Gewissenskonflikt. In einer Szene werden Dan und Maya dargestellt, wie es in US-Serien üblich ist: als ihrem Job ergebene Workaholics – in der nächsten sehen wir sie als Folterer.

Die Ambivalenz der Täter herzustellen, ist eine dramaturgische Leistung von Zero Dark Thirty. Sie macht uns die Polster der Kinosessel ungemütlich. Diese Ambivalenz ist allerdings auch das große Problem des Films. Denn sie funktioniert nur aufgrund der fehlenden Opferperspektive.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Das ist realtiv einfach

Ich persönlich tue mich oft schwer mit der Einschätzung, was die meisten Deutschen meinen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Sie nennen einen Film, der ohne moralischen Zeigefinger daherkommt, "Propaganda". Zumindest verharmlosen Sie die Propaganda. Und ein Interview mit der Verantwortlichen haben Sie ebenfalls nicht gesehen- oder nicht verstanden.

Man kann natürlich nur US-kritik zulassen, wenn Sie aus den Federn der Selbsthasser stammt. Allein der Anfang des Films zeigt hier eindeutig, in welche Richtung es gehen soll. Und fakt ist ebenfalls, dass keine Folter zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Daher sollten jedem, der Folter so einschätzt, wie Sie es schildern, die stille Zustimmung zur Folter im halse stecken bleiben.