Film "Zero Dark Thirty" Folterknechte am Schreibtisch
Die Darstellung der Folterszenen in "Zero Dark Thirty" ist nicht das Problem. Sondern dass der Film nur die Geschichte der Täter beleuchtet.
© 2012 Universal Pictures

Schreibtischtäterin: Die CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain) sichtet Aufnahmen aus Folterkammern.
Zero Dark Thirty beginnt mit einer pechschwarzen Leinwand. Was nicht gezeigt wird, verdeutlicht die Tonspur. 9/11. Notrufe aus dem World Trade Center kreischen aus dem Dunkel. Herzzerreißende Audioclips sterbender Menschen. Dann ein Schnitt. Zwei Jahre später. Grelles Sonnenlicht fällt in eine staubige Halle. Ein Mann, geschunden und blutig, wankt vor eine Wand. Sein Name ist Ammar, seine Peiniger US-Amerikaner. Das Interesse des Films liegt dennoch nicht bei Ammar sondern bei Maya, einer jungen CIA-Agentin. Ammar, dem die CIA finanzielle Unterstützung der Anschläge nachgewiesen hat, ist für Maya nur der Beginn einer langen Jagd auf Osama bin Laden. Ihr wird der Film zwei Stunden lang folgen. Zero Dark Thirty, der gerade in Deutschland anläuft, ist ein amerikanisches Täterporträt.
Kathryn Bigelows Nacherzählung der Jagd auf bin Laden ist an die amerikanische Nation adressiert. Zero Dark Thirty geht um Folter und die Frage, wem die Ergreifung bin Ladens zuzuschreiben – oder zu verdanken – ist. Entsprechend kontrovers wurde der Film in den USA rezipiert.
Da sich Zero Dark Thirty als historisch akkurat geriert, lädt er die fact-checker geradezu ein, nach Fehlern zu suchen. Verbissen hat man sich jedoch besonders in die Darstellung der Folter. Ammar erliegt dem 1-0-1 der Verhörmethoden, die als enhanced interrogation techniques in den USA zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt sind. Entkräftet von Waterboarding, Stresspositionen, Musikfolter, Isolation und Schlafentzug gibt er schließlich ein Stück Information preis, das die CIA-Ermittler voranbringt. Wenn auch nur gering. Es werden noch Jahre vergehen, bis Maya bin Laden aufspürt. Dennoch bleibt die Darstellung effizienter Folter eine Provokation.
Gegner des Films, allen voran Slavoj Žižek, sehen die Gefahren einer Normalisierung der Folter durch Film und Fernsehen. Es stimmt, Bigelow ist auffällig explizit in der filmischen Umsetzung der Folterungen. Beunruhigender ist aber die Fokalisierung des Films. Im Mittelpunkt stehen die CIA-Agenten. Das, was Bigelow auslässt, sagt mehr über ihren Film aus, als das, was sie darstellt.
Daniel Šíp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Anglistik/Amerikanistik der Universität Oldenburg und promoviert zu Folterrepräsentationen in Literatur und Film nach 9/11. (Negotiations of Political Torture after 9/11 in Anglophone Literature and other Media)
Die Regisseurin erörtert nicht die komplexen kulturellen und geopolitischen Konflikte, in die man die Intentionen der Feinde der USA hätte einbetten können. Ammar ist ein Statist ohne Tiefe, er bleibt ein Mann ohne eigene Geschichte. Auffällig ist auch, dass ein kritischer Diskurs über die Verhörmethoden völlig ausbleibt. Nur zweimal im gesamten Film fällt das Wort torture: Ein Gefangener erinnert sich an frühere Folter, der er unterzogen wurde. Und im Fernsehen wird die Rede des neu gewählten Präsidenten Barack Obama übertragen, in der er sich gegen Folter ausspricht. Nie spricht einer der verantwortlichen Protagonisten im Film davon.
Dabei sind es die Folterer, deren Geschichte Zero Dark Thirty erzählt. Es geht es um Maya, um Dan und ihre Arbeit als Geheimdienstagenten in Zeiten nationaler Verunsicherung. Man muss Bigelow zugute halten, dass sie sich nie in den Erzählmustern verliert, die die populärkulturellen Darstellungen von Folter in den letzten Jahren bestimmt haben. Nirgends tickt eine versteckte Atombombe, deren Versteck nur die Folter preisgeben kann. Maya ist kein Jack Bauer, Held der TV-Serie 24, der im Sekundentakt folterte. Die Verlockung der Folter in Zero Dark Thirty funktioniert nicht über die Konstruktion einer ständigen Bedrohung.
Auch verwehrt sich der Film den Motiven klassischer Agententhriller à la James Bond. Kugelschreiber sind in Zero Dark Thirty Schreibutensilien und keine Feuerwaffen. Zwar ist bin Laden als Schurke Sinn und Ziel des Films. Er dient jedoch nur zur Charakterisierung der Hauptfigur und fungiert selbst nicht als Akteur. Er wird zu Mayas Obsession, die ihr in einer von Männern diktierten Welt beinahe zum Verhängnis wird. Sie läuft Gefahr, als Hysterikerin nicht ernst genommen zu werden.
- Datum 01.02.2013 - 16:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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kein Tankstellenüberfall sondern eine Kriegserklärung an eine Weltmacht (und einen Kulturkreis) - sowas bekommt einem selten gut. Und es kommt auch nicht die Polizei und ermittelt. Ja, alles schon schmutzig und ekelhaft aber wenig überraschend.
Und deswegen werfen wir unsere heiligsten Werte (Menschenrechte) weg und lassen uns auf das Niveau herab? Abgesehen davon, dass nicht der gesamte muslimische Kulturkreis uns den Krieg erklärt hat, sondern ein paar Fanatiker? Das ist mir zu billig.
Und deswegen werfen wir unsere heiligsten Werte (Menschenrechte) weg und lassen uns auf das Niveau herab? Abgesehen davon, dass nicht der gesamte muslimische Kulturkreis uns den Krieg erklärt hat, sondern ein paar Fanatiker? Das ist mir zu billig.
..nichts gewonnen ist, ist und war mir seit ca. dem 15ten September 2001 klar. Dafür braucht es keinen Film..
Total banale Erkenntnis -für Amis aber scheinbar nicht banal genug...
Natürlich kann man das kritisieren - es ist nur so wenig verwunderlich. Ich will mal sagen. Wenn ich eine Fil mit einer afrikanischen Persepektive sehen möchte, würde ich eben einen afrikanischen Film empfehlen und nicht einen US-Film der in Afrika spielt.
Hier ist das eben besonders nervig, weil alle so tun, als würde der Schinken die Dinge so abbilden wie sie wirklich gewesen sind.
Vielleicht bin ich auch etwas ungerecht, weil ich den Film schrecklich langweilig und fad fand
..Sie unterstellen das die Fanatiker es also darauf anlegen gefoltert zu werden damit wir unsere Werte verlieren. Was soll das bringen?!
Folter nein und Punkt -So einfach ist das, keine Zwickmühle!
Mit Ihrem Ansatz sind wir ganz schnell in einer Welt die foltert und tötet auf Verdacht oder weil jemand etwas tun könnte. So geht es nicht. Wir dürfen uns nicht beirren lassen. Es gibt genügend, rechtsstaatlich gesehen auch sehr fragliche Mittel über die Geheimdienste verfügen wo kein Mensch körperlich gequält werden muß...
Erfolterte Information sind außerdem so oder so keine guten Informationen..unter Zwang sagen und tun Menschen fast alles!
Und deswegen werfen wir unsere heiligsten Werte (Menschenrechte) weg und lassen uns auf das Niveau herab? Abgesehen davon, dass nicht der gesamte muslimische Kulturkreis uns den Krieg erklärt hat, sondern ein paar Fanatiker? Das ist mir zu billig.
leben völlig zu Recht völlig unbehelligt unter "uns", in Deutschland, den USA, Israel.
(Ein Haufen Verrückter hat UNSEREM Kulturkreis den Krieg erklärt, nicht anders herum. Hätte ich vielleicht klarer unterstreichen sollen)
Der islamische Kulturkreis hat's in dieser Angelegenheit gut mit den Amerikanern. Den Leuten, die Pearl Harbor ausgeheckt haben (und ihren Alliierten) ist es - als Kollektiv - deutlich schlechter ergangen, meinen Sie nicht?
Diese Leute haben dem Westen den totalen Krieg ohne Pardon erklärt - was schlagen Sie vor?
leben völlig zu Recht völlig unbehelligt unter "uns", in Deutschland, den USA, Israel.
(Ein Haufen Verrückter hat UNSEREM Kulturkreis den Krieg erklärt, nicht anders herum. Hätte ich vielleicht klarer unterstreichen sollen)
Der islamische Kulturkreis hat's in dieser Angelegenheit gut mit den Amerikanern. Den Leuten, die Pearl Harbor ausgeheckt haben (und ihren Alliierten) ist es - als Kollektiv - deutlich schlechter ergangen, meinen Sie nicht?
Diese Leute haben dem Westen den totalen Krieg ohne Pardon erklärt - was schlagen Sie vor?
leben völlig zu Recht völlig unbehelligt unter "uns", in Deutschland, den USA, Israel.
(Ein Haufen Verrückter hat UNSEREM Kulturkreis den Krieg erklärt, nicht anders herum. Hätte ich vielleicht klarer unterstreichen sollen)
Der islamische Kulturkreis hat's in dieser Angelegenheit gut mit den Amerikanern. Den Leuten, die Pearl Harbor ausgeheckt haben (und ihren Alliierten) ist es - als Kollektiv - deutlich schlechter ergangen, meinen Sie nicht?
Diese Leute haben dem Westen den totalen Krieg ohne Pardon erklärt - was schlagen Sie vor?
Wer wem zuerst den Krieg erklärt hat, könnte durchaus eine sehr lange Geschichte werden. Unschuldig sind "wir" selber genausowenig. Nebenbei bemerkt, kann ich die Analogie zu Pearl Harbour nicht erkennen.
Was ich vorschlage? Zuerst müssen wir selber auf die ach so bequeme Verletzung von Menschenrechten verzichten. Z.B. Folter und als "gezielte Tötungen" getarnte Morde müssen ein Tabu sein.
Wer wem zuerst den Krieg erklärt hat, könnte durchaus eine sehr lange Geschichte werden. Unschuldig sind "wir" selber genausowenig. Nebenbei bemerkt, kann ich die Analogie zu Pearl Harbour nicht erkennen.
Was ich vorschlage? Zuerst müssen wir selber auf die ach so bequeme Verletzung von Menschenrechten verzichten. Z.B. Folter und als "gezielte Tötungen" getarnte Morde müssen ein Tabu sein.
Wer wem zuerst den Krieg erklärt hat, könnte durchaus eine sehr lange Geschichte werden. Unschuldig sind "wir" selber genausowenig. Nebenbei bemerkt, kann ich die Analogie zu Pearl Harbour nicht erkennen.
Was ich vorschlage? Zuerst müssen wir selber auf die ach so bequeme Verletzung von Menschenrechten verzichten. Z.B. Folter und als "gezielte Tötungen" getarnte Morde müssen ein Tabu sein.
unterzeichne ich gern. Ich auch nicht "dafür". Kann man das sein? Aber: diese Leute sehen sich in einem heiligen(!) Krieg gegen den Westen, oder?
Was macht man im Krieg mit seinen Gegnern? Man tötet sie so lange und konsequent bis keiner mehr übrig ist oder die Überlebenden die Nerven verlieren. Im Idealfall wenige, schlimmstenfalls (theoretisch) alle. Auf diesem Weg wurde Ihnen und mir die Meinungsfreiheit gebracht, die wir gerade praktizieren: durch millionenfachen "Mord" an unseren Großvätern.
unterzeichne ich gern. Ich auch nicht "dafür". Kann man das sein? Aber: diese Leute sehen sich in einem heiligen(!) Krieg gegen den Westen, oder?
Was macht man im Krieg mit seinen Gegnern? Man tötet sie so lange und konsequent bis keiner mehr übrig ist oder die Überlebenden die Nerven verlieren. Im Idealfall wenige, schlimmstenfalls (theoretisch) alle. Auf diesem Weg wurde Ihnen und mir die Meinungsfreiheit gebracht, die wir gerade praktizieren: durch millionenfachen "Mord" an unseren Großvätern.
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
das war selbst für meinen Geschmack eine Spur zu viel.
das war selbst für meinen Geschmack eine Spur zu viel.
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