Szene aus "Hai-Alarm am Müggelsee" © X Verleih

Saufen beschleunigt bekanntlich das Zeitgefühl, während das Kiffen, um hier nur eine weitere Form zeitweiliger menschlicher Realitätsmutationsbemühungen ins Spiel zu bringen, es dramatisch verlangsamt. Bei der Besichtigung von Leander Haußmanns sowie Sven Regeners HaiAlarm am Müggelsee sind entsprechend disponierte Zuschauer im Vorteil: Der rauchtechnisch Berauschte erfährt das bereits äußerst gemächlich angerichtete Geschehen nahezu an der ultimativ erhellend halluzinogenen Stillstandsgrenze, während am Trinker der Film so flink wie der Trailer zum Film vorbeizischt. Und der ist lustig.

Der stocknüchterne Besuch dieser Berlin-Friedrichshagener Komödie hingegen verspricht etliche Risiken und Nebenwirkungen.

Vor allem das gähnend langweilige Progredieren dessen, was Handlung zu nennen der auch zunächst geneigte Beobachter sich scheut, droht bei sensiblen Gemütern muskuläre Dauerverspannungen auszulösen, die einen Termin beim Kieferorthopäden dringend angeraten erscheinen lassen.

Was geschieht in 104 Minuten Lichteinfall auf der Leinwand? Ein Bademeister (Michael Gwisdek) verliert beim Prüfen der Badetemperatur einen Unterarm. Mögliche Ursache: Hai-Biss. Folge: Badeverbot durch den Bezirksbürgermeister (Henry Hübchen) und der Versuch einer Städtemarketingexpertin (Anna-Maria Hirsch), den Vorfall städtemarketingtechnisch auszuschlachten. Einzig messbarer Erfolg: die Verlängerung des örtlichen Bölschestraßenfests, die den Bölschestraßenanwohnern umgehend auf die Nerven geht. In weiteren Rollen unter anderem: Uwe Dag Berlin (als Hai-Jäger), Tom Schilling (interessant unlustig), Detlev Buck (uninteressant unlustig), Katharina Thalbach (uninteressant oberlustig), Benno Fürmann sowie die Regisseure.

Gefördert wurde die Produktion aus freien Stücken vom örtlichen Medienboard (400.000 Euro) sowie der Filmförderanstalt (200.000 Euro). Der Deutsche Filmförderfonds war mit 351.000 Euro dabei. Wobei hier strafmildernd ergänzt sei, dass dieses wirtschaftspolitische Instrument des Kulturstaatsministers Neumann stets erklingt, wenn ein Verleih vorhanden ist, der das Ding dann auch ins Kino bringt. Ab heute vielleicht auch in Ihrem Theater. 

Erschienen im Tagesspiegel