Das ZDF ist zwar immer noch der Fernsehsender mit den meisten Zuschauern in Deutschland, doch diese Zuschauer sind alt, also für die Werbewirtschaft nicht so interessant. Über das Alter der ZDF-Zuschauer, das auch nicht höher ist als das der deutschen Durchschnittsbevölkerung, macht man gern Witze, als ob die treuesten Zuschauer auch für das als verstaubt geltende Programm des ZDF verantwortlich wären.

Zum 50. Geburtstag hat sich der Sender nun die satirisch-selbstreferenzielle Serie Lerchenberg geschenkt. Thematisch orientiert sie sich an der erfolgreichen amerikanischen Sitcom 30 Rock: Es geht um den mehr oder minder absurden Alltag in einer Fernsehanstalt. Manchmal denkt man auch an die großartige britische Serie The Office, die vom Alltag in einem Büro erzählt.

Das Setting von Lerchenberg – in dem Mainzer Stadtteil ist das ZDF seit 1962 beheimatet – ist übersichtlich: Die idealistische Redakteurin Billie Zarg (Eva Löbau) arbeitet an einem ambitionierten Filmprojekt, in dem "echte Schicksale von echten Menschen" verfilmt werden sollen. Ihre taffe Redaktionsleiterin Dr. Elisabeth Wolter (Karin Giegerich), verdonnert sie dazu, Sascha Hehn die Hauptrolle in diesem Projekt zu geben und ihm auch sonst bei seinem Comeback zu helfen. Natürlich hatte Wolter mal eine Affäre mit dem ehemaligen Traumschiff- und Schwarzwaldklinik-Star.

Das Projekt gestaltet sich recht schwierig. Der Schauspieler ist ein Alptraum jedes Regisseurs und alles andere als ein Teamplayer. Er weiß alles besser und spricht gern in der dritten Person von sich: "Sascha Hehn entschuldigt sich bei niemandem." Doch die Fassade bröckelt längst. Durch seine Allüren hat Hehn es sich mit allen verdorben; sein Agent hat ihn verlassen, sein Vermögen hat er mit Ost-Immobilien verzockt. Er braucht dieses Comeback.

Nur für Fans verständlich

Die Konstruktion der Serie Lerchenberg ist vertrackt: Sascha Hehn spielt Sascha Hehn, der sich selber spielt. Sie kann in ihrem kleinteiligen Anspielungsreichtum eigentlich nur von denen ganz verstanden werden, die alle Serien mit Sascha Hehn gesehen haben. Oberflächlich bleibt sie dennoch ganz amüsant.

Wenn Hehn mit Don-Johnson-Sonnenbrille unter lauter Hip-Hop-Beschallung den Rollstuhlfahrer auf dem Behindertenparkplatz neben sich zuparkt, hat das durchaus Charme. Er gibt den abgehalfterten, eingebildeten Rentnerstar Sascha Hehn, das Klischee seiner selbst, mit einer überraschend dezenten Hintergrundlausbubenhaftigkeit. Manchmal schimmert existenzielle Verzweiflung durch die gebräunte Maske. Manchmal scheint aber auch das Bemühen durch, es allen zu zeigen, dass er ein sehr guter Schauspieler ist.

Das neue ZDF-Publikum fremdelt

Gerade wenn man kein begeisterter ZDF-Zuschauer ist, wenn einem die Serien und die Namen der Stars nichts sagen, fremdelt man anfangs ein wenig. Zu klischeehaft werden Klischees (Qualitätsfernsehen versus seichte Unterhaltung und dergleichen mehr) ironisiert, zu zahm gerät der Einstieg. Und wenn es dann auch noch um erotische Verwicklungen geht, tun einem die Schauspieler leid. Zwei sind im Fahrstuhl: wie schrecklich!

Allmählich lernt man die Haupt- und Nebenfiguren jedoch kennen, fiebert mit ihnen, freut sich, wenn ein Redakteur sagt: "Ich bin zwar vom Kika, aber so einfach ist es dann doch nicht." Man ist selbst überrascht, dass man über ein von Sascha Hehn hingenuscheltes "Internet? Was ist Internet" lachen muss.

Die Ausstattung ist großartig. Die Mainzelmännchen, die neben einem Buddhakopf auf dem Schreibtisch stehen. Die degradierte Redakteurin, die in der vierten Folge traurig in einem Mainzelmännchenkostüm durch die Gegend wankt.

Dass die satirischen Momente der Serie keinem wehtun, dass die wirklichen Probleme des ZDF nicht benannt werden, dass das ZDF in Lerchenberg wie eine ein bisschen verrückte, aber doch sympathische, fast familiäre Institution rüber kommt, liegt in der Natur der Sache. Wie sollte ein Sender sich auch anders darstellen in einem populären Format. Eine wirklich kritische, also die Strukturen infrage stellende Soap-Opera wäre ein Widerspruch in sich. Soap Operas sind grundsätzlich Maschinen zur Sympathieerzeugung.