Glückliche Menschen, die durch eine sonnendurchflutete Landschaft reiten, die mit Begeisterung ein Lied singen und zur Melodie fröhlich mit den Füßen wippen... Typische Werbeszenen. Doch im Film ¡No! soll mit ihnen kein neues Produkt verkauft werden, sondern die Rückkehr zur Demokratie.

Die Realität im Chile Ende der achtziger Jahre sieht bei weitem nicht so heiter aus. Der Militärmachthaber Augusto Pinochet ist seit 1973 an der Macht. Anderthalb Jahrzehnte Verfolgung, Folter und Tod liegen hinter den Menschen. Gleichzeitig erfährt das Land gerade einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. In dieser widersprüchlichen Situation muss sich Pinochet 1988 einer Volksabstimmung über die Fortsetzung seiner Präsidentschaft stellen. Was in den Augen des Regimes nur ein Pro-Forma-Akt sein soll, führt am Ende überraschend zur Abwahl des Diktators.

Der Spielfilm ¡No! des chilenischen Regisseurs Pablo Larraín erzählt, wie die von der Opposition initiierte gleichnamige Kampagne Pinochets Ende und einen demokratischen Neubeginn auslöste. Dafür standen der Opposition nur 15 Fernsehminuten täglich zur Verfügung.

¡No!, der für den Auslandsoscar nominiert war, ist ein Grenzgänger zwischen Spiel- und Dokumentarfilm. Er basiert auf historischen Tatsachen, die Filmfiguren sind aber weitgehend fiktiv. Der Hauptprotagonist, der Werbefachmann René Saavedra (Gael García Bernal) ist der Leiter der Kampagne. Ein unbedarfter Typ, der mehr mit dem Scheitern seiner Ehe und der Sorge um seinen Sohn beschäftigt ist, als mit den politischen Verhältnissen in seinem Land – obwohl angedeutet wird, dass seine Eltern Oppositionelle sind. Als ihm die Leitung der ¡No!-Kampagne angetragen wird, sagt er zunächst nur aus professionellem Ehrgeiz zu.

Weil der Werber glaubt, dass mit düsteren Anklagen gegen Pinochet das Referendum nicht zu gewinnen ist, muss Licht her, Leidenschaft, Witz, Sänger und Tänzer. Der Slogan unter dem regenbogenfarbenen Logo lautet schließlich: "Chile, die Freude erwartet uns!" Saavedras Fernsehspots erinnern mehr an eine Coca-Cola-Werbung als an eine politische Kampagne und werden innerhalb der Opposition heftig kritisiert.

¡No! verwendet viele der originalen Kampagnenspots. Etwa ein Drittel des Films besteht aus historischen Aufnahmen. Dass es keinen ästhetischen Bruch zwischen Archiv- und Spielfilmszenen gibt, ist einem genialen Kunstgriff des Regisseurs geschuldet. Er hat den gesamten Film mit Umatic-Kameras aus den achtziger Jahren im damals gebräuchlichen 4:3-Format gedreht. Die Bilder wirken dadurch leicht verschwommen und farbverfälscht, für heutige Sehgewohnheiten erst einmal irritierend.

"Wir haben versucht zu denken, wie man damals gedacht hat, zu träumen wie man damals geträumt hat", sagte Larraín im Interview mit ZEIT ONLINE. "Während der Recherche zu ¡No! merkten wir, dass die Kampagne von Menschen gemacht worden ist, die ein alltägliches Leben führten. Sie haben den Kurs des Landes verändert, ohne sich darüber im Klaren zu sein, ohne es zu wollen."