Nachttopf. Oder im medizinischen Sinne: Uringlas. Das ist die Übersetzung von Matula aus dem Lateinischen. In einigen slawischen Sprachen ist Matula eine liebevolle Verkleinerung von Mutter, also ein Mütterchen, in anderen eine Koseform von Matthias, in der der ähnlich klingende Schmetterling (Motyl) mitschwingt.

Privatdetektiv Hermann Josef Matula – ein Pisspott, ein Mütterchen, ein Schmetterling? Allenfalls letzteres: Notorisch ungebunden flattert der ewige Junggeselle von Fall zu Fall, von Rechtsanwalt zu Rechtsanwalt. Vier Partner hatte Claus Theo Gärtner in 300 Folgen Ein Fall für Zwei: Günter Strack, Rainer Hunold, Mathias Herrmann und zuletzt Paul Frielinghaus als Dr. Lessing. Nur Matula blieb immer derselbe.

Zwei Dutzend Lederjacken hat er zerschlissen und noch mehr Jeans, etliche Alfa Romeos geschrottet, Prügel öfter eingefangen als ausgeteilt. Er ist über Hunderte Zäune gehechtet und unter ebenso vielen Garagentoren durchgerollt, er ist entführt worden, in Verdacht geraten, im Knast gelandet, ausgebrochen. Im April wird Claus Theo Gärtner 70. Die Lederjacke wird er wohl auch privat weiter tragen: In Matula steckt viel Gärtner, auch stilistisch.

Josef Matula war vor 32 Jahren die Antwort auf Detektiv Rockford und Magnum – der amerikanischste unter den deutschen Ermittlern. Im Vergleich zu den anderen braven ZDF-Freitagabendserien, zu Der Alte und Derrick, war Ein Fall für Zwei geradezu eine Action-Serie. So etwas wie Alarm für Cobra 11 war im deutschen TV noch undenkbar.

Billard, Dosenbier, Kippen

Selbst der ebenfalls 1981 entstandene Horst Schimanski blieb im Kern ein Beamter, für den jeder Regelverstoß zum Problem werden konnte. Dagegen bildete für die Partnerschaft zwischen Matula und seinen Anwälten das Sponti-Prinzip "Legal, Illegal, Scheißegal" geradezu die Arbeitsgrundlage: Der kultivierte, besonnene Dr. jur. war für die Gesetze zuständig, der robuste Matula für deren Umgehung.

Doch der Draufgänger ermittelte nicht in Malibu oder Miami, sondern in Frankfurt am Main und Umgebung. In Bankentürmen, Industriebrachen und Villenvierteln, im Rotlicht-Milieu und der Apfelwein-Szene. Exotik und Glamour? Fehlanzeige. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Dr. Renz, der erste der Anwälte, in die Toskana auswanderte und Dauer-Sekretärin Helga nach Spanien ging.

Die Klienten waren in der Regel unschuldig in Verdacht geratene Sympathieträger. Staatsanwälte und Polizei standen meist auf der falschen Seite. Die Skepsis der 68er gegen die Staatsmacht war im Fernsehkrimi angekommen. Der kleine Mann, so die Erkenntnis, muss sich schon selber sein Recht erkämpfen. Und den kleinen Mann verkörperte der nicht eben groß gewachsene Gärtner wie kein anderer.

Aber Matula war nicht explizit politisch. Matula, das war Billard, Dosenbier, Currywurst und Kippen – die öffentlich-rechtlich gezähmte Variante von Punk. Eine Frau hatte er nicht. Jedenfalls keine, die dauerhafte Verpflichtungen mit sich brächte. Auch keine Kinder, soweit bekannt. Wie auch, Matula war meistens blank, musste um Vorschüsse und Spesenerstattung betteln. So sieht dann wohl Freiheit aus. Ist das nun No Future oder der Spießertraum vom Junggesellendasein?