Naturfilm "Die Nordsee" : Axel Prahl erzählt vom Meer

Die Nordsee ist langweilig: nur Watt, Robben und Möwenschiss? Von wegen. Diese Dokumentation ist so imposant vielfältig, dass man sofort selbst hinfahren möchte.

Hoffentlich haben Sie noch nicht Ihren Sommerurlaub gebucht. Denn wenn Sie diesen Film gesehen haben, dann werden Sie wohl an die Nordsee wollen: vor der Insel Düne neben Kegelrobben schnorcheln, in norwegischen Fjorden zu Kaltwasser-Korallen hinabtauchen, einen Postboten begleiten, wie er auf Schienen durch Marschland fährt, um Briefe auf die Halligen zu bringen.

Der Naturfilm Die Nordsee – unser Meer nimmt die Zuschauer mit auf eine Rundreise (auch wenn leider kein einziges Mal eine Landkarte gezeigt wird und man so bei Ansagen wie "Weiter nach Westen" die Orientierung verliert): Los geht es bei den Halligen, den ungeschützten Marschinseln im Wattenmeer vor Schleswig-Holstein und Dänemark, über Helgoland hinauf nach Norwegen, gegen den Uhrzeigersinn weiter nach Schottland und Dover und schließlich über die Niederlande zurück nach Deutschland. Dabei sieht man Helgoländer Hummer durchs Wasser krabbeln. Man bestaunt, wie ein Papageientaucher fast ein Dutzend erbeutete Fische in seinem Schnabel festhält und wie clever und vornehm Fischotter Krabben verspeisen. Man leidet mit zwei Moschus-Ochsen, die im Kampf um die angebetete Zottel-Dame ein paar Meter Anlauf nehmen, aufeinander zurennen und ihre Köpfe aufeinanderprallen lassen, bis einer klein beigibt. Man hält den Atem an, wenn sich ein Baby-Meeresvogel auf Helgoland von einer Klippe fallen lässt, 30 Meter tief, weil es noch nicht fliegen kann, und trotzdem keinen mörderischen Bauchklatscher hinlegt.

Die Kinofilm-Reise durch die Nordsee dauert anderthalb Stunden, eine touristische Rundreise entlang der Filmroute müsste ein paar Tage dauern. Die Macher des Films haben viel länger gebraucht: mehr als 2.000 Drehtage während der Jahre 2002 bis 2013. Allein auf Helgoland hat das Team ein paar Wintertage am Strand ausschließlich damit verbracht, zu warten, dass eine trächtige Kegelrobbe ihr Junges zur Welt bringt.

An mehr als 60 Orten wurde gedreht – an Land, in der Luft, unter Wasser. Vor allem Florian Graner sind epische Momente zu verdanken: Der promovierte Meeresbiologe und Taucher ging mit einer speziellen Ausrüstung unter Wasser, die keine Atemblasen produziert. So konnte er zum Beispiel zwei Kegelrobben im, nun ja, Zwiegespräch filmen. Die Produzenten – NDR Naturfilm, Doclights und polyband Medien – haben bereits ähnlich aufwändige Dokumentationen ins Kino gebracht: Serengeti zum Beispiel und Russland – im Reich der Tiger, Bären und Vulkane oder erst vor Kurzem Das grüne Wunder – unser Wald.

Diesmal wollten die Naturfilmer zeigen: Die Nordsee bedeutet mehr als Watt, Robben und Möwen. Das ist ihnen gelungen. So ästhetisch sind die Gezeiten im Zeitraffer, so imposant die Flüge von Vögeln in Zeitlupe mit bis zu 2.000 Bildern pro Sekunde, so unbekannt manche der vorgestellten Tiere. Es wäre also gar nicht notwendig gewesen, ständig in Märchen- und Fantasy-Metaphern zu verfallen: Wo die Rede ist von "verwunschenen Landschaften", vom "Schaf im Wolfspelz" und von "Kobolden", da hätten es Fjorde, Riesenhai und Gemeiner Tintenfisch viel besser getan.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

11 Kommentare Kommentieren

Die Nordsee ist langweilig: nur Watt, Robben und Möwenschiss?

Natürlich nicht !!! Dazu ist es andauernd kalt und windig, sogar im Sommer ! Segeln kann man auch nicht so gut, von wegen Gezeiten, das macht null Spass! Schwimmen ? Naja, wers mag ! Seitdem ich erfahren habe, daß die Engländer die Nordsee als Klo benutzen und ihre Abwässer nur rudimentär klären, habe ich auch daran einen Haken gemacht.
Dazu kommt dass die Küstenbewohner die Touristen als eine Art Beutegut erachten und rauspressen was nur geht.
Alles in allem, gut für Postkarten !