Doku "Internationaler Strafgerichtshof"Am Hof der Gerechtigkeit

Der Internationale Strafgerichtshof ist eine der zivilisatorisch wichtigsten Einrichtungen der Welt. Jetzt hat ein Filmteam eine Dokumentation über ihn gedreht. von 

Kriegsverbrecher und Völkermörder sollen sich nicht mehr sicher fühlen. Sie sollen verurteilt und bestraft werden. Das ist die wesentliche Botschaft, die vom Internationalen Strafgerichtshof ausgeht (ICC). Sie ist auch eine Warnung.

2002 wurde die Institution im niederländischen Den Haag eingesetzt. Mehr als 100 Staaten haben sich bis heute bereit erklärt, die Jurisdiktion Den Haags anzuerkennen. Das sind beileibe nicht genug, und ein paar große und wichtige Länder fehlen leider. Die USA, China und Russland. Großmächte, oder solche, die sich noch dafür halten, wollen sich keinem internationalen Gericht wie dem ICC unterstellen. Dennoch ist dieser ICC einmalig: Er ist das einzige internationale Gericht, das Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen ahndet.

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Die Regisseure Marcus Vetter und Michele Gentile wollen uns mit ihrer knapp 80-minütigen Dokumentation The Court diese erstaunliche Institution vorstellen. Dafür begleiteten sie den ersten Chefankläger des ICC, den Argentinier Luis Moreno-Ocampo, über mehrere Jahre mit der Kamera. Wir lernen seine tägliche Arbeit kennen, seinen international zusammengesetzten Mitarbeiterstab, seine Stellvertreterin und spätere Nachfolgerin Fatou Bensouda. Vetter und Gentile ist ihre Dokumentation dadurch zu einem Porträt geraten. Sicher, der Mann hat Charisma und begleitete bereits im Argentinien der achtziger Jahre als Assistent der Staatsanwaltschaft Prozesse gegen die Junta-Generäle. Das stark Personenbezogene ist aber auch eine Schwäche des Films, denn hinter dem arg häufig zu Wort kommenden Moreno-Ocampo bleibt eine Menge wichtiges Wissen über Kriegsverbrecherprozesse auf der Strecke. Ein ungutes Gefühl.

Dennoch wünscht man der Dokumentation, dass viele Menschen sie sehen werden. Wohl auch deswegen haben die Filmemacher den Superlativenstar Angelina Jolie in ihre Dokumentation aufgenommen und zeigen, wie sie um Öffentlichkeit für das Weltgericht wirbt. Jolies Auftritt bleibt ohne Mehrwert für den Film, lockt aber möglicherweise noch ein paar zusätzliche Zuschauer an. Der Zweck soll in diesem Fall die Mittel rechtfertigen. Noch immer ist das Weltstrafgericht zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert, obwohl es regelmäßig in den Nachrichten erwähnt wird – ganz im Gegensatz zu beispielsweise IWF und Weltbank, internationale Finanzinstitutionen, die aufgrund der Finanz- und Euro-Krise inzwischen jeder kennt. Das hätte auch der ICC verdient. Er spielt eine Rolle in einigen der großen Konflikte dieser Zeit, bei der Anti-Gaddafi-Revolte in Libyen beispielsweise und in der Staatlichkeitsdebatte Palästinas

Leserkommentare
  1. Bush, Blair, Rumsfeld, Cheney usw. davor sitzen......

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    Alle gehören hin, die Kampftruppen in weit entfernte Länder schicken!

    • 29C3
    • 29. April 2013 19:39 Uhr

    "Der Internationale Strafgerichtshof ist eine der zivilisatorisch wichtigsten Einrichtungen der Welt."

    Wäre er noch von allen seiner Gründungsinitiatoren anerkannt, so könnte man sich ernsthaft über die Inhalte unterhalten.

    Daher nur zur Erinnerung:
    1) es ist bereits mehrere male vorgekommen, dass IGH per Steckbrief Kriegsverbrecher sucht, die sich sogar freiwillig stellten. Dann stellte sich heraus, dass IGH de jure nichts, aber rein gar nichts gegen diese Menschen in der Hand hatte (ist anschenend für eine weltweite Jagd nach jemandem gar nicht nötig), und sie sogar jahrelang auf den Beginn ihres "rechtmäßigen" Verfahrens warten mussten. Und dann dauern die Verfahren selbst weitere viele Jahre, ohne dass stichhaltige Beweise vorliegen oder ein Urteil naht.

    Aber just in den Ländern, die diesen Internationalen Strafgerichtshof ins Leben gerufen haben, wird so eine Behandlung eines Verdächtigen de jure als staatlich angeordnete Freiheitsberaubung sanktioniert. Jahrelang ohne Anklage im BRD-Knast? Undenkbar!

    2) es ist ebenso bereits vorgekommen, dass Anklage dort Zeugen gegen die Angeklagten ruft, und diese dann vor laufenden Kameras das glatte Gegenteil behaupten, d.h. für den Angeklagten sprechen. Derart gut vorbereitete und juristisch stichhaltige Aktionen kann man auch bei YouTube beobachten, da geht einem die Haare hoch.

    IGH ist - leider - bestenfalls eine gute Idee und eine mediale Maschine für die schlichten Gut-Und-Böse-Stories für Massenpublikum.

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  2. eher Vorhof und selbst das ist übertrieben.
    Warum? Weil Länder wie USA, Russland, China, Saudi- Arabien, Türkei, Nord- Korea etc.
    die Mitgliedschaft nicht ratifiziert haben.

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  3. ..."Westeuropa" kommt ist "Den-Haag-befreit".

    Ansonsten kann man den "Gerichtshof" als "Racheorgan" der NATO/EU abhaken - die Kosten könnte man sinnvoller verwenden.

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  4. Wikipedia;

    "Härtester Gegner des IStGH sind die USA. (...) Durch den Abschluss bilateraler Verträge mit IStGH-Vertragsparteien und anderen Staaten versuchen die USA, eine Überstellung von US-Staatsangehörigen an den IStGH vorsorglich auszuschließen. 2002 wurde der American Service-Members’ Protection Act rechtskräftig, der den US-Präsidenten implizit dazu ermächtigt, eine militärische Befreiung von US-Staatsbürgern vorzunehmen, die sich in Den Haag vor dem IStGH verantworten müssten. Eine Zusammenarbeit mit dem Gericht wird US-Behörden verboten."

    http://de.wikipedia.org/w...

    4 Leserempfehlungen
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    Weitere Staaten, die das Rom-Statut nicht ratifiziert haben, sind die Volksrepublik China, Indien, Irak, Iran, Israel, Kuba, Nordkorea, Pakistan, Russland, Syrien, Saudi-Arabien, Sudan und die Türkei.

  5. Aus dem Guardian

    "The conviction of Charles Taylor, the former president of Liberia, is said to have sent an unequivocal message to current leaders: that great office confers no immunity. In fact it sent two messages: if you run a small, weak nation, you may be subject to the full force of international law; if you run a powerful nation, you have nothing to fear.

    While anyone with an interest in human rights should welcome the verdict, it reminds us that no one has faced legal consequences for launching the illegal war against Iraq. This fits the Nuremberg tribunal's definition of a "crime of aggression", which it called "the supreme international crime". The charges on which, in an impartial system, George Bush, Tony Blair and their associates should have been investigated are far graver than those for which Taylor was found guilty."

    http://www.guardian.co.uk...

    Eine Leserempfehlung
  6. Weitere Staaten, die das Rom-Statut nicht ratifiziert haben, sind die Volksrepublik China, Indien, Irak, Iran, Israel, Kuba, Nordkorea, Pakistan, Russland, Syrien, Saudi-Arabien, Sudan und die Türkei.

  7. Die Wichtigkeit dieses Gerichtshofes kann nicht überschätzt werden. Kindermörder, Giftgasschmeisser, Angriffskrieger, all diese Höllenvertreter müssen sich vor diesem Gerichtshof nun verantworten. Kein Wunder, dass sämtliche Diktaturen der Welt den IStGH nicht anerkennen. Gadhafi, Assad, Kim Yong Un, man muss sie nach Den Haag schleifen, denn freiwillig kommen sie natürlich nicht, um ihrer gerechten Strafe ins Auge zu sehen. Allesamt Feiglinge, was soll man auch anderes erwarten?

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Luis Moreno-Ocampo | Film | Dokumentation | Euro-Krise | Genozid | Prozess
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