Bei den lobenden Worten des Arztes – "Sie haben ein besonders straffes Perineum" – bricht Barbara in Tränen aus. Sein Kompliment über ihren gut verheilten Dammschnitt ist seit Monaten das erste Lob, das die junge Mutter zu hören bekommt. Kein Zweifel: in dieser französischen Tragikomödie über eine Schwangerschaft und das erste Jahr des Mutterseins geht es ans Eingemachte.

Wie vor Kurzem Kokowääh 2 illustriert der Film von Rémi Bezançon (C'est la vie – So sind wir, so ist das Leben) die Verwandlung eines glücklichen Pärchens in eine zerrüttete Familie. Doch im Gegensatz zu der deutschen Komödie, in der Til Schweiger mit Pipi-Kaka-Witzen als Papa kokettierte, dreht sich Bezançons amüsante Dramödie um den Stress und jene tiefsitzenden, vielgestaltigen Ängste, von denen Erstmütter umgetrieben werden.

Vorlage für Ein freudiges Ereignis war der autobiographisch inspirierte Roman Un heureux évenement der französischen Schriftstellerin Eliette Abécassis. Mit ihrer polemischen Schilderung des weiblichen Gefühlschaos rund ums Kinderkriegen hatte sie 2005 ein Tabu gebrochen und in Frankreich heftige Debatten angestoßen. Ist es Müttern erlaubt, ihren kleinen Hosenscheißer nicht immer so toll zu finden, ja, manchmal sogar keine "naturgegebene" Mutterliebe zu verspüren? Lassen sich Mütter durch das moderne Öko- und Konsum-Trara rund um den rar gewordenen Kindersegen nicht unnötig verrückt machen?

Dabei ist Baby Léa ein Wunschkind der Liebe. Zuerst flirten sich der Videothekar Nicolas und die Philosophiestudentin Barbara beim DVD-Ausleih an mittels Filmtiteln wie In the Mood for Love über Just a Kiss bis zu Catch me if you can. Schnell ziehen sie zusammen und beschließen, ein Baby zu bekommen. Mit fließender Kamera hält Bezançon von Anfang an ein hohes Tempo. Doch mit dem obligatorischen Balken des Schwangerschaftstests schwenkt der Film weg von der Romantik, hin zur Realität: vom rosaroten Liebesrausch über schwangerschaftliche Gebrechen zur tristen Krankenhausatmosphäre – und zurück ins traute Heim, das für Barbara bald zur Hölle wird. Denn Nico strampelt in seiner Ernährerrolle und lässt sie zwischen Kindergeschrei, Haus- und Doktorarbeit, vor allem aber mit ihren Ängsten, weitgehend allein.


Auch stilistisch markiert der Teststreifen eine Zäsur. Die Kunst der Inszenierung besteht fortan vor allem darin, die schier endlose Frustphase nach der Geburt mit selbstironischem Witz goutierbar zu machen. Der ein oder andere männliche Zuschauer wird dann wohl schnell mental abschalten wie Barbaras Liebster, denn unversehens bekommt der individuelle Konflikt einen philosophischen Überbau. Barbara knutscht und streitet nicht nur rasant, sie erkundet auch das ideologische Minenfeld der Mutterschaft. Per Voice-Over analysiert die angehende Philosophin ihr Unbehagen über die eigene Metamorphose vom denkenden Subjekt zur Gebärmaschine. Barbara sitzt an einer Doktorarbeit über Wittgenstein und hat eine Assistenzstelle an der Uni in Aussicht. Doch Kant und Husserl sagen der jungen Frau immer weniger. Stattdessen glaubt man in ihrem Gedankenstrom Zitate der Philosophinnen Elisabeth Badinter und Simone de Beauvoir zu vernehmen, die sich mit der Mystifizierung der Mutterliebe befasst haben.