Film "Scary Movie 5"Aus Hollywoods Humor-Sweatshops

Mittelwitzige Konfektionsware vom Reißbrett: In Spoof-Filmen wie "Scary Movie 5" parodiert das amerikanische Blockbusterkino sich selbst. von Andreas Busche

Charlie Sheens Auftritt in Scary Movie 5 war wohl unvermeidlich. Eigentlich hatte Sheen ja schon im letzten Teil das Zeitliche gesegnet, er starb gewissermaßen an einer unkontrollierten Riesenerektion. Der Tod ist wie alles in den Scary Movie-Filmen ein Zitat ohne Verbindlichkeit. Darum darf Sheen noch einmal zurückkehren, diesmal als er selbst: Charlie Sheen also.

Er hat Sex mit Lindsay Lohan, die man mittlerweile auch nur noch aus medialen Zusammenhängen zu kennen meint, welche wiederum mit dem Kino eher am Rande zu tun haben – umso mehr aber mit der Unterhaltungsindustrie, deren Verwertungslogik den Handlungsrahmen der Scary-Movie-Filme vorgibt. Sheen und Lohan spielen noch einmal im Schnelldurchlauf alle Witze durch, die sich in der Klatschpresse in den letzten Jahren über die beiden angesammelt haben. Dann ist Sheen auch schon wieder tot, hingerafft von seiner Pornostar-Libido.

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Man fragt sich, was die Macher von Scary Movie 5 dazu bewogen hat, die Reihe nach sechsjähriger Pause wiederzubeleben. Gewartet hat auf diese Fortsetzung niemand. Das Genre des sogenannten "Spoof"-Films, diesem von der Kritik so ungeliebten Bastard aus Parodie und Hommage, hat sich seit dem ersten Teil vor dreizehn Jahren derart diversifiziert, dass der Markenkern der Scary-Movie-Filme kaum noch erkennbar ist.

Zynismus und sinnlose Leere

In der Zwischenzeit gab es Date Movie, Disaster Movie, Nicht noch ein Teenie-Film und Vampires suck. Die programmatischen Titel waren meist so originell wie ihre konfektionierten Witze. Das Terrain, auf dem sich diese Reißbrettfilme bewegen, ist recht überschaubar. Um Nachschub muss man sich dennoch nicht sorgen, den liefert das amerikanische Mainstreamkino regelmäßig in Form von Blockbustern. In Scary Movie 5 müssen unter anderem Inception, Paranormal Activity, Black Swan und Planet der Affen: Prevolution als Witzvorlage herhalten.

Das Prinzip des "Spoof"-Films ist seine Vorhersehbarkeit, die Witze basieren auf bloßen Wiedererkennungseffekten. Darum können sie auf eine eigene Erzählung oder komödiantisches Timing ganz verzichten. Stattdessen laufen die Pointen immer wieder unweigerlich auf die Affirmation von vertrauten Versatzstücken und Handlungselementen hinaus, die lose durch einen Alibi-Plot verbunden sind. Ein Wissen um die Geschichte des Kinos oder gar von Genres ist nicht mehr nötig. Es reicht schon, die Trailer der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre zu kennen. In diesem Gebrauchskino vereinen sich alle Unarten des aktuellen Mainstreamfilms: Serialität, Warenförmigkeit, professioneller Zynismus und sinnlose Leere.

Charlie Sheens Wegwerf-Episode in Scary Movie 5 veranschaulicht das Verhältnis von "Spoof"-Film und Kino sehr gut. Sheen tritt hier gleich in doppelter Funktion auf: als abgehalfterter Filmstar und kultisch verehrte Reality-/Trash-TV-Ikone. Der selbstreferenzielle Impuls ist jedoch nur Makulatur, das eigentliche Thema ist die krasse Zuspitzung: als körperliche Verstümmelung, Zote oder Fäkalhumor. Ganz neu ist dieses Prinzip natürlich nicht. 

Leserkommentare
  1. das spricht für sich selbst.....

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    Sheen und Lohan sind als Idole tatsächlich grundsätzlich sogar ein Lichtblick, weil sie dem amerikanischen Alptraum der platten, inhaltslosen Fassade einer glitzernden, bigotten, lustfeindlichen, menschenverachtenden Suburb-Gesellschaft ihre persönliche, echte, menschlich fehlbare Lebensrealität entgegenhalten.

  2. .
    Sheen und Lohan sind als Idole tatsächlich grundsätzlich sogar ein Lichtblick, weil sie dem amerikanischen Alptraum der platten, inhaltslosen Fassade einer glitzernden, bigotten, lustfeindlichen, menschenverachtenden Suburb-Gesellschaft ihre persönliche, echte, menschlich fehlbare Lebensrealität entgegenhalten.

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  • Schlagworte Film | Charlie Sheen | Genre | Kino
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