Zum Tod von Vivi BachModeratorin des Aufbruchs

"Wünsch Dir was" mit dänischem Akzent: Die Unterhalterin Vivi Bach ist tot. An der Seite ihres Ehemanns Dietmar Schönherr prägte sie die deutsche Fernsehlandschaft. von Joachim Huber

In dieser Fernsehshow geschah Unerhörtes. Die 17-jährige Kandidatin Leonie Stöhr ließ ihre Brüste in einer transparenten Bluse sehen, das war im November 1970; in der Show vom März 1971 wurde eine Familie in einem Auto in ein Wasserbassin versenkt, sie sollte sich selbst befreien, was die Mutter erst durch den entschlossenen Einsatz von Tauchern schaffte. Das Publikum war gebannt, die Aufregung riesig, die Moderatoren mussten zusehen, dass diese beiden Shows wie die übrigen 22 Ausgaben aller Risiken und Skandale zum Trotz ihr Ende fanden.

Die Moderatoren, das waren Dietmar Schönherr und Vivi Bach: Sie mit Angst vor dem Millionenpublikum, er mit einem ordentlichen Schuss Provokation und beide mit überraschenden Ratespielen und Mutproben, zumeist von Kreativmeister André Heller ersonnen und von Michael Pfleghar (Klimbim) inszeniert. Wünsch Dir was, eine Gemeinschaftsproduktion von ZDF, ORF und Schweizer Fernsehen, lief von 1969 bis 1972.

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Wer anders hätte diesen Aufbruch des Fernsehens in der Zeit gesellschaftlichen Umbruchs auch sonst moderieren sollen? Dietmar Schönherr, der grimmige SPD-Sympathisant, Vivi Bach, die fröhliche Dänin, deren Ausstrahlung, Auftritte und Attribute einer "dänischen Bardot" Assoziationen zum (auch sexuell) freizügigeren Skandinavien freisetzen konnten. Bei ihrem größten gemeinsamen Erfolg waren sie schon ein Ehepaar. Kennen- und lieben gelernt hatten sie sich 1963 bei den Dreharbeiten zum Krimi Das Geheimnis der roten Quaste. Ein totaler Flop für die Filmproduzentin Vivi Bach, egal, Ende 1965 wurde geheiratet, zwei weitere gemeinsame Produktionen folgten.

Beliebte Lustspiele mit Musik

Die Bäckerstochter, geboren am 3. September 1939 in Kopenhagen als Vivi Bak, hatte da schon einiges an Karriere hinter sich. Ausgebildet als Sängerin und Schauspielerin arbeitete sie erst in der Heimat und dann in der Bundesrepublik. Was für die 19-Jährige mit dem dänischen Film Kurdt Og Klunker begann, mündete im Nachbarland während der fünfziger und frühen sechziger Jahre in die so beliebten Lustspiele mit Musik: Gitarren klingen leise durch die Nacht, Die Abenteuer des Grafen Bobby waren die Titel, die Partner Peter Alexander, Rex Gildo, Fred Bertelsmann und Gus Backus. Mit Hey Vivi – hey Gerhard, der deutschen Version des US-Hits Hey Paula, konnte sie sich ein (und kein zweites) Mal in der deutschen Hitparade platzieren.

Mit Dietmar Schönherr kam der Wechsel ins Fernsehen, zur Moderation. Der Gala-Abend der Schallplatte, Wünsch Dir was waren die popularisierenden Aufgaben, ein Erfolgskapital, das sich in die Serie Luftsprünge mit Luis Trenker und Toni Sailer münzen ließ. Sicherlich, Vivi Bach wurde bei den meisten der bisherigen Engagements auf der Sonnenseite des Lebens platziert. Aber die Nebenrollenspielerin mit Sex-Appeal, die hübsche Assistentin mit dem noch hübscheren dänischen Akzent, die aufregende Frau an Schönherrs Seite, damit wäre ihr Vermögen unzureichend markiert. Der WDR traute ihr 1973 die Personality-Show Vivat Vivi zu, in der sie sich sehr vielseitig zeigte, allein, der Erfolg blieb aus. Ebenso beim Nachfolgeprojekt Heute Abend bei Vivi

Auflagenerfolg mit Memoiren

1976 veröffentlichte Bach ihre letzte Schallplatte, noch einmal ein Duett mit Dietmar Schönherr, danach zog sie sich ins Privatleben zurück, über die Dörfer zog sie nicht. Wobei Privatleben nicht Privatier bedeutete. Was ihr 1971 glückte, ein Auflagenerfolg mit dem selbst illustrierten Erinnerungsbuch Ein Kind aus Kopenhagen, das wollte sie mit fantasievoll-naiven Bildern, Tapetenmustern und weiteren Kinderbüchern fortsetzen. 

Ob bei Fernsehfilmen oder bei der Co-Regie bei Inszenierungen der Tiroler Volksschauspiele in Telfs – die Dietmar Schönherr gegründet hatte und mit der Uraufführung von Karl Schönherrs umstrittenen Drama Der Weibsteufel (1983) zu größerer Beachtung gebracht hatte –, Vivi Bach und ihr Mann waren mehr als ein Ehepaar, sie waren ein künstlerisches Team. Engagiert auch bei verschiedenen Umweltschutzprojekten oder im Einsatz für Menschenrechte.

Wie sehr bei Vivi Bach und Dietmar Schönherr das Leben, die Kunst und die Liebe zur Symbiose fanden, mag Schönherrs Reaktion auf den Tod seiner Frau in ihrer Wahlheimat, der spanischen Insel Ibiza, zeigen. "Niemand hatte mit ihrem Tod gerechnet. Er kam völlig überraschend", sagte der 86-jährige Schönherr der Zeitschrift Das neue Blatt. "Ich wachte neben ihr auf – und sie atmete nicht mehr. Ich weiß nicht, wie es ohne sie weitergehen soll. Ich bin ein gebrochener Mann!" Das Paar war 47 Jahre verheiratet. Vivi Bach wurde 73 Jahr alt, sie starb an Herzversagen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Held meiner letzten Kinderträume. Es tut mir leid das zu hören. Viel von dem was nach Raumpatrouille kam hab ich nicht mitbekommen. Aber gemocht habe ich ihn (und sie) immer. Und das diese Ehe wirklich gehalten hat "bis das der Tod Euch scheidet" ist ja auch keine Selbstverständlichkeit mehr heutzutage. Ich hoffe, dass er drüber weg kommt und nicht wirklich daran zerbricht.

    7 Leserempfehlungen
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    Oberst Cliff Allister McLane,

    nach dem er in Folge 7 die Erde gerettet hat, wurde der Befördert und wieder zu den schnellen Raumstreitkräfen versetzt.

  2. Und der Zwiebelfisch hat doch recht: Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod.

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    Passierte dem Schreiber wahrscheinlich deshalb, weil 'trotz' eben trotz trotzdem meist mit dem Genitiv gebraucht wird.

  3. Oberst Cliff Allister McLane,

    nach dem er in Folge 7 die Erde gerettet hat, wurde der Befördert und wieder zu den schnellen Raumstreitkräfen versetzt.

  4. Schöner Nachruf. Ich habe sie noch gut in Erinnerung, die "Wünsch Dir Was" Sendungen. Damals hat das Fernsehen sich noch was getraut! Vivi Bach hatte sehr viel Charme (ja und natürlich auch Grips) Sie ist zu früh gestorben. Ein Künstlerehepaar, dass 47 Jahre verheiratet war, so etwas gibt es leider viel zu selten.

    8 Leserempfehlungen
  5. Wünsch dir was -die legende der Samstagabendshows im deutschen Fernsehen hat ihr Herz verloren Vivi Bach, unsere Trauer gilt auch Dietmar schönherr und Beileid, Ibiza trägt Trauer...

    Für die Ewigkeit auf Zelluloid gebahnt (digital bearbeitet evtl. vielleicht ein Remake?)und in den Büchern der Fernsehgeschichte - Wünsch dir was und ihre Songs....

    Eine Leserempfehlung
  6. Sie gehen einen langen Weg gemeinsam. Und dann betritt der eine eine andere Welt, doch der andere muss dort weitergehen, wo er ist. Ein tiefer Einschnitt, voll Schmerz und Einsamkeit.

    Aber was ist die andere Welt? hat der eine überhaupt seinen Weg verlassen? hat er vielleicht nur die Ebene gewechselt, aber wandelt noch immer auf dem selben Weg? Ist es nicht vielleicht immer noch der gemeinsame - auch wenn der, der in großer Trauer zurück bleibt, es nicht sehen kann?

    Wenn wir von hier weggehen, gehen wir nicht weit.
    Wir gehen nur einen Schritt weiter.

    • aapple
    • 23. April 2013 21:27 Uhr

    ...,allerdings zu spät, den Qualitäten dieser wunderbaren Frau gerecht. Sie stand für die unaufdringliche Intelligenz von öffentlichen Menschen, ohne sich über die Maßen zu produzieren. Daneben grenzt ein Vergleich in der FAZ online mit irgendeiner M. Hunziger beleidigend und abqualifizierend. Frauen ihrer Güte sucht man heute vergebens in der Medienlandschaft.

    6 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Dietmar Schönherr | Luis Trenker | Moderator | ORF | Peter Alexander | Toni Sailer
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