Die Regisseurin Anne Zohra Berrached © privat

ZEIT ONLINE: In Cannes hat gerade ein Film über ein lesbisches Liebespaar die Goldene Palme gewonnen. Diese Woche läuft Ihr Film Zwei Mütter über ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch in Deutschland an. Ist die Aufmerksamkeit für das Thema ein Zufall?

Anne Zohra Berrached: Es gibt tatsächlich gerade eine richtige Welle an lesbischen Filmen. Das ist erstaunlich, denn verglichen mit schwulen Filmen laufen sie eher schlecht. Neu ist auch die ernsthafte Herangehensweise. Ich selbst kannte bislang vor allem Komödien, zumindest wenn es ums Kinderkriegen von Lesben ging. Jetzt traut man sich auch an die Form des Dramas heran. 

ZEIT ONLINE: Woran liegt das?

Berrached: Das Thema ist politisch relevant, in Deutschland und vor allem in Frankreich, das hat die Entscheidung in Cannes gezeigt. Scheinbar wird klar, dass Lesben auf große Ungerechtigkeit stoßen und man das zeigen muss. 

ZEIT ONLINE: Um welche Ungerechtigkeit geht es in Ihrem Film?

Berrached: In Deutschland dürfen Lesben bekanntlich heiraten. Aber wenn sie ein Kind bekommen möchten, fehlt der gesetzliche Rahmen. Isabella und Katja, die beiden Frauen in meinem Film, erfahren das auf schmerzhafte Weise.

ZEIT ONLINE: Weil es ohne gesetzlichen Vater niemanden gibt, der Unterhalt zahlen muss?

Berrached: Ja, im Zweifel müssten die Samenbank das übernehmen. Nur vier von elf Banken in Deutschland behandeln Lesben überhaupt. Aber sie verlangen ein hohes Einkommen beider Partner, um Unterhaltsklagen vorzubeugen.

ZEIT ONLINE: Katja und Isabella versuchen es dann übers Internet. Zeigen Sie da etwas Illegales?

Berrached: Nein, ein Kind zu bekommen ist ja nicht verboten. Mein Film beruht auf Gesprächen mit vier lesbischen Elternpaaren, die mir berichtet haben, dass das gang und gäbe ist. Das Problem ist eher, dass der Markt für Sperma im Internet vollkommen unkontrolliert ist. Da wird vielleicht mal ein HIV-Test auf den Tisch gelegt, aber der kann veraltet sein. In einer Samenbank wird das Sperma dagegen ein halbes Jahr lang untersucht, bevor es freigegeben wird.

ZEIT ONLINE: Haben Sie selbst einen Bezug zur lesbischen Szene?

Berrached: Sie wollen wissen, ob ich lesbisch bin.

ZEIT ONLINE: Vor allem interessiert mich, wie wichtig die Mitarbeit von Lesben an diesem Film war. 

Berrached: Ich selbst bin nicht lesbisch. Aber die Frage wird mir immer wieder gestellt, auch von lesbischen Frauen, sie muss also wichtig sein.