Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das wird sich Reinhold Beckmann gedacht haben. Die Entscheidung ist gefallen: Die Talkshow des Moderators am Donnerstag wird mit Ende der derzeitigen Vertragslaufzeit Ende 2014 enden. Er sei der Debatten über den Sinn und Unsinn der Polittalks im Ersten einfach müde, sagte Beckmann im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Beckmann erklärte, es sei sein Entschluss gewesen, mit der Sendung aufzuhören. Es klingt wie eine Abrechnung mit Gremien und Intendanten mancher ARD-Anstalten. So habe er den Eindruck, dass es bei der Bewertung der Sendungen längst nicht mehr um Qualität, sondern um die Frage gehe, welche Sendeanstalt wie viele Talkshows habe.

Seit Herbst 2011 gibt es in der ARD fünf Spättalks zwischen Sonntag und Donnerstag. Innerhalb des Senderverbunds wird schon seit längerem über einen Abbau der Formate diskutiert. Am Sonntagabend talkt Günther Jauch, montags Frank Plasberg, dienstags Sandra Maischberger, mittwochs Anne Will und donnerstags Reinhold Beckmann.

Ausschlaggebend war demnach, dass sich der BR-Rundfunkrat die Forderung von BR-Intendant Ulrich Wilhelm nach einer Reduzierung auf drei Talks zu eigen gemacht habe. Beckmann habe nicht "Gegenstand eines senderpolitischen Ablass- oder Kuhhandels werden" wollen. Beckmann sagte, er habe seine Entscheidung NDR-Intendant Lutz Marmor schon vor drei Wochen mitgeteilt.

Demnach, so ist aus Beckmanns Umfeld zu hören, ist die Causa Beckmann – anders als der Spiegel berichtet – zumindest auch kein gesondertes Thema auf der Sitzung der ARD-Intendanten am Montag in Berlin. Dort sollte es vor allem um den Länderfinanzausgleich gehen, nicht um das Talkshowproblem, um zu viele Plauderrunden im Ersten, die die Senderbosse zu verantworten haben.

"Beckmann" von den Zuschauerzahlen her die schwächste Runde

Dass Beckmann jetzt entnervt selbst das Handtuch wirft, kommt nicht ganz unerwartet, in der Art und Weise aber doch etwas überraschend. Noch Mitte Februar hatte er sich anders geäußert: "Ich möchte schon zunächst so weitermachen, derzeit passt es einfach", antwortete er auf die Frage, ob er seinen Ausstieg plane. Abschied klingt anders. Er könne sich vorstellen, so Beckmann noch im Februar, auch mit Mitte 60 noch zu talken. "Wir machen ja keine klassische Talkshow, sondern eher eine Gesprächssendung, die unaufgeregt daherkommt. So eine Sendung, denke ich, wird mit steigender Lebenserfahrung eher noch interessanter und vielleicht auch besser."

Trotz mehrerer öffentlich geäußerter Durchhalteparolen war die Talkshow am Donnerstagabend die schwächste Gesprächsrunde aller ARD-Talkshows – gemessen am Zuspruch vom Publikum – und galt als Favorit für die Einstellung, falls man in der ARD das Überangebot an Talkshows reduzieren wollen würde. Beckmanns Talk erzielt donnerstags fast durchweg klar einstellige Marktanteile. Gerade mal 900.000 Zuschauer sahen die Sendung, die sich aus aktuellem Anlass mit dem Terror in Boston beschäftigte. Dadurch verknappt sich die Diskussion um gutes und schlechtes öffentlich-rechtliches Fernsehen allerdings auch wieder auf das Thema Quote.

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor ließ am Sonntag jedenfalls mitteilen: "Ich verstehe und respektiere die Entscheidung von Reinhold Beckmann. Es ist völlig nachvollziehbar, dass er nach 15 Jahren etwas Neues für uns machen möchte, zumal er die ständigen Diskussionen über die Talkshows ermüdend findet. Dieses Gefühl teile ich." Beckmann soll der ARD über das Ende seines wöchentlichen Talks hinaus erhalten bleiben, nicht nur mit der Sportschau-Moderation. Kein absolutes Ende also, kein Wechsel zum ZDF. Wer hat eigentlich gewonnen, wer verloren?

Erschienen im Tagesspiegel