Wenn man Valeria Bruni Tedeschi schon vorwirft, immer Filme über ihre eigene Familie zu drehen, dann müsste diese Kritiker doch wenigstens interessieren, warum diesmal ihre Schwester Carla Bruni nicht als Figur vorkommt.

In Ein Schloss in Italien erzählt  Bruni Tedeschi die Geschichte ihrer reichen Familie (wie 2003 in ihrem Debüt Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr...) zwischen deren Schloss in Italien und den Wohnungen in Paris sowie parallel dazu eine Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt steht die 43-jährige Louise (die Tedeschi wieder selbst spielt) und deren Beziehungen zur Mutter (die wieder von ihrer eigenen Mutter gespielt wird). Außerdem ihr Verhältnis zum älteren Bruder Ludovic und zu ihrem jüngeren Liebhaber Nathan.

Louise hat ihren Beruf als Schauspielerin aufgegeben (war auch schon mal Thema) und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind (dito). Als sie den jungen Nathan kennenlernt, sieht sie ihre letzte Chance gekommen. Ach ja, um das Verhältnis zum katholischen Glauben geht es auch noch.

Der Plot oszilliert zwischen der großen Nähe zwischen den Geschwistern Ludovic und Louise einerseits und Louises und Nathans Liebe andererseits. Nach der Vorstellung ihres Films in Cannes sprach Bruni Tedeschi viel von der Balance, die sie zu finden versucht hätte (übrigens der Grund, warum diesmal kein Schwester-Charakter vorkommt). Doch Ludovic (Filippo Timi) bringt entschieden mehr Gewicht in den Film. Auch diese Kritik wiederholt sich: Wo will Bruni Tedeschi eigentlich hin? Auch in ihrem dritten Film gibt es darauf wenig Antwort.

Wenn man die Regisseurin hier in Cannes erlebt, muss man allerdings erkennen, dass man ihr diese Frage so nicht zu stellen braucht. Sie hat offensichtlich kaum darüber nachgedacht. Stattdessen erzählt sie auf sympathisch-verstrubbelte Art, dass sie immer zuerst zwei oder drei Szenen im Kopf habe, die sie unbedingt einmal drehen wolle. Die Szene, die sie diesmal unterbringen musste, spielt im Auto. Louises Butler fährt. Auf der Rückbank streiten sich Louise und Nathan (Louis Garrel). Den Anlass erfährt man erst, nachdem schon heftige Vorwürfe ausgetauscht wurden: Die beiden sind auf dem Weg ins Krankenhaus, um eine künstliche Befruchtung vorzunehmen. Erst dann suche sie nach einem Plot, der das zusammenbinde, sagt Bruni Tedeschi. Ungewöhnlich könnte man diese Arbeitsweise nennen. "Genauso chaotisch wie deine Handtasche", sagt ihr Filmpartner Garrel.

Aber in Ein Schloss in Italien gelingt Bruni Tedeschi auch die große Leichtigkeit wieder, für die sie schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie hat wirklich ein Talent für Ironie: Als Louise endlich schwanger ist, sucht sie eine Kirche auf. "Lourdes war zu weit", entschuldigt sie sich bei der alten Ordensschwester am Eingang und erklärt rasch, dass sie zwar nicht verheiratet, das Kind in ihrem Bauch aber ohne körperliche Liebe entstanden sei. "Ich verstehe nicht", erwidert die Alte und ruft eine jüngere hinzu: In-vitro-Fertilisation für Nonnen.