Film "11 Freundinnen"In der DFB-Mühle

Eine Doku sollte Deutschlands Fußball-Frauen 2011 bis zum WM-Titel begleiten. Doch im Viertelfinale kam das Aus. Schade für die Frauen. Und schade für den Film. von 

Die Nationalspielerinnen Lira Bajramaj (li.), Sonja Fuss, Linda Bresonik und Inka Grings überprüfen ihre Leistungsstärke.

Die Nationalspielerinnen Lira Bajramaj (li.), Sonja Fuss, Linda Bresonik und Inka Grings überprüfen ihre Leistungsstärke.  |  © Pandora - Engelhard

Unerwartete Niederlagen machen das Leben kompliziert. Im Sport wie im Kulturbetrieb. Konnte ja niemand ahnen, dass die besten Frauen der Welt, wie die deutschen Fußballerinnen im WM-Sommer 2011 von jeder Litfaßsäule aus angepriesen wurden, schon früh gegen noch bessere Frauen aus Japan verlieren würden. Schon gar nicht die Filmemacherin Sung-Hyung Cho (Full Metal Village), die es wie Sönke Wortmann ein paar Jahre vorher machen wollte. Bloß besser, mit Happy End nämlich, mit Jubel, schwarz-rot-goldenem Konfetti und dem WM-Pokal. Deutschland war schließlich Favorit, amtierender Doppel-Weltmeister, unschlagbar. Nichts konnte schiefgehen.

Am Ende ging alles schief. Die Mannschaft schied schon im Viertelfinale aus. Und wie die Spielerinnen musste Cho erst einmal überlegen, wie es weitergeht. Ein paar Monate nach der WM schnitt sie eine sehenswerte 22-minütige Kurzversion der Dokumentation zusammen, die das ZDF im Spätabendprogramm versenkte. Zwischendurch hieß es, das Kinofilm-Projekt sei beerdigt. Nach fast zwei Jahren kommt der Streifen nun doch auf die Leinwand. Getreu dem Motto: Wenn wir schon gefilmt haben, machen wir auch einen Film. Gelohnt hat es sich nicht.

Anzeige

Dabei hätte es so viel zu erzählen gegeben. Es war ja ein ziemlich seltsamer Sommer, dieser 2011er. Gehypet von DFB, Sponsoren und Medien bildete sich eine riesige Frauenfußball-Blase. 74.000 Zuschauer kamen zum Eröffnungsspiel ins Berliner Olympiastadion, 17 Millionen schauten am Fernseher zu, es gab Public Viewings, Bild-Titel-Seiten und in den Kneipen diskutierten ascheplatzgestählte Männer darüber, ob die Veteranin Birgit Prinz spielen sollte oder doch die junge Alexandra Popp.

Doch früh merkte man, dass das alles nicht funktionieren würde. Schon im ersten WM-Spiel lief es zäh, plötzlich, als das ganze Land hinschaute. Unter der Last der Erwartungen quälte sich die Mannschaft durch das Turnier. Die Inszenierung der Sportsoldatinnen, Polizistinnen und Bankangestellten als "sexy" tat ihr übriges.

In diesem Widerspruch hätte die Chance des Films gelegen. Wenn es schon keinen Titel zu feiern gab, hätte er zumindest auf Ursachenforschung gehen können. Die richtigen Fragen an die richtigen, weil für den Rummel verantwortlichen, Personen, hätten etwas Licht in diesen sportlich so dunklen Sommer bringen können. Vielleicht aber ist das auch zu viel erwartet, von einer Dokumentation, bei der der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offizieller Kooperationspartner war.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

So muss man schon ganz genau hinschauen, um die Ursache für das schlechte Abschneiden durchscheinen zu sehen. Zweimal tritt der besorgte Teampsychologe Arno Schimpf auf. "Es ist ein schmaler Grat, was hier passiert", sagt er. Und: "Es kann unter Umständen zu viel werden." Die Spielerin Bianca Schmidt sagt nach dem Turnier. "Das war alles nicht real. Man schaut aus dem Fenster, sieht den Hubschrauber über dem Hotel und dann macht man den Fernseher an und schaut sich die Bilder an."

Unfreiwillig komisch auch die Aufnahmen der Foto-Shootings für die Sponsoren, bei denen sich die eher bodenständigen Frauen in High Heels und extravagant geschnittene Kleider zwängen mussten. Sie sahen so verkleidet aus wie einst Marijke Amados Opfer in der Mini Playback Show.

Leserkommentare
  1. ... wenn es erlaubt ist, diese unsägliche Werbung aus 2011 mal auf die Schippe zu nehmen.

    Ich bin weder Fußballfan, noch Genderist - aber ich fand den Hype schon damals aberwitzig (inkl. der Plakatwerbung eines "Demokratie-Abgabe-Fernsehens".

    Was ist schade an einem Film, den keiner sehen möchte? Das ist kein "schmaler Grat" - höchstens für mich als Kommentator ...

    Eine Leserempfehlung
  2. Wo der DFB auch die Spielerinen "motivierte" sich ruhig auszuziehen und man versuchte sich über den Männerfussball zu stellen, da man ja so "erfolgreich" war?
    Manchmal ist's ganz gut, wenn so ein eingeplanter Sieg nicht kommt.

    Ach... eigentlich wäre ich froh, wenn ich mich gerade nicht an diese WM zurückerinnert hätte.

    2 Leserempfehlungen
  3. ... und Medien bildete sich eine riesige Frauenfußball-Blase."

    Ach, ist das sowas wie ein kleines Stück Selbstkritik? Etwas spät, aber immerhin.

    Wobei:
    "Die richtigen Fragen an die richtigen, weil für den Rummel verantwortlichen, Personen, hätten etwas Licht in diesen sportlich so dunklen Sommer bringen können."
    Wenn es Sie schon so brennend interessiert, dann erzählen Sie doch mal aus Ihrer Sicht, Herr Spiller. Waren es doch nicht zuletzt auch Sie und Ihre Redaktion, die kräftig beim aufblasen der Blase geholfen hat.
    Klären Sie uns auf!

    3 Leserempfehlungen
  4. Ich bin Fußballfan und fand, dass die Frauen davor einen guten Job gemacht
    hatten.
    Dann fingen sie an mit Homestories, frechen Sprüchen... alles außer Fußball,
    ich weiß beim besten Willen nicht, was sie damit erreichen wollten.
    Frauen sprachen mich an, die Fußball nicht interessiert, wieviel toller doch
    Frauenfußball sei.
    Nicht so brutal, viel tacktischer, mehr möchte ich nicht wiedergeben, um Peinlichkeiten zu vermeiden.
    Doch, doch der Frauenfußball hat sich tatsächlich so entwickelt, dass man als Fußballfan ihn entspannt auch mal angesehen hat.
    Mein Fußballherz hat auch laut gelacht, als die "Halbfinale sind nur was für Männer"-Mädels an Japan kläglich gescheitert sind.
    Ich geb es zu, ich habe den Japanerinnen, die mit Herzblut gespielt haben,
    die Daumen gedrückt.
    Dann noch der ganze Streit um Trainerin und wer gespielt hat usw,
    Da war er, der Unterschied zu echten Mannschaften, die große Spiele verlieren .
    Nächste Woche haben wir eine großartige Mannschaft, die gewonnen hat, aber auch eine großartige, die verloren hat.
    Die Frauen sollten sich mal genau anschauen, was bei den Männern
    abgeht, oder auch in anderen Sportarten, was erfolgreiche Mannschaften auszeichnet.
    Erst dann werde ich mir wieder mal Fußball von Frauen anschauen...

    Eine Leserempfehlung
  5. Tja, das einzige, an was ich mich noch erinnere, war, dass diese WM in der deutschen Öffentlichkeitsarbeit einen männerfeindlichen Anstrich bekam. Der Rest hat mich dann mich sehr interessiert. Ich bin seitdem als Fan für Frauenfußball ein Totalausfall gewesen und werde es wohl noch eine Weile lang sein. Was das wohl sollte...

    Eine Leserempfehlung
  6. Hat Frauenfußball ihre Daseinsberechtigung verloren, nur weil wir nicht Weltmeisterinnen geworden sind? Die Messlatte finde ich ganz schön hoch gesetzt. Ich persönlich habe die WM sehr genossen und bin unheimlich stolz auf unsere Frauen. Und an Turniersiegen hat es seit der WM nicht gemangelt. Schade dass die Berichterstattung daran kaum anknüpft

    via ZEIT ONLINE plus App

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte üben Sie Kritik in einem sachlichen und respektvollen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

  7. 7. [...]

    Bitte üben Sie Kritik in einem sachlichen und respektvollen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

  8. Schade. Im Grunde gäbe die Story einen faszinierenden Film her: da sind diese im Allgemeinen von der Öffentlichkeit eher unbeachteten Fußballfrauen, die plötzlich in den Fokus des medialen Interesses gezerrt werden, die Medien (nicht unbedingt die Menschen, aber die Medien brauchen ja immer ihren Aufhänger) schreiben und jubeln das zweite "Sommermärchen" herbei, sie spielen gut, aber nicht überragend und werden dann etwas unspektakulär im Viertelfinale besiegt, die Blase zerplatzt wieder. Ein kluger, mutiger Regisseur hätte daraus ein Meisterwerk schaffen können.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DFB | Birgit Prinz | Frauenfußball-WM | Nadine Angerer | Silvia Neid | Japan
Service