Unerwartete Niederlagen machen das Leben kompliziert. Im Sport wie im Kulturbetrieb. Konnte ja niemand ahnen, dass die besten Frauen der Welt, wie die deutschen Fußballerinnen im WM-Sommer 2011 von jeder Litfaßsäule aus angepriesen wurden, schon früh gegen noch bessere Frauen aus Japan verlieren würden. Schon gar nicht die Filmemacherin Sung-Hyung Cho (Full Metal Village), die es wie Sönke Wortmann ein paar Jahre vorher machen wollte. Bloß besser, mit Happy End nämlich, mit Jubel, schwarz-rot-goldenem Konfetti und dem WM-Pokal. Deutschland war schließlich Favorit, amtierender Doppel-Weltmeister, unschlagbar. Nichts konnte schiefgehen.

Am Ende ging alles schief. Die Mannschaft schied schon im Viertelfinale aus. Und wie die Spielerinnen musste Cho erst einmal überlegen, wie es weitergeht. Ein paar Monate nach der WM schnitt sie eine sehenswerte 22-minütige Kurzversion der Dokumentation zusammen, die das ZDF im Spätabendprogramm versenkte. Zwischendurch hieß es, das Kinofilm-Projekt sei beerdigt. Nach fast zwei Jahren kommt der Streifen nun doch auf die Leinwand. Getreu dem Motto: Wenn wir schon gefilmt haben, machen wir auch einen Film. Gelohnt hat es sich nicht.

Dabei hätte es so viel zu erzählen gegeben. Es war ja ein ziemlich seltsamer Sommer, dieser 2011er. Gehypet von DFB, Sponsoren und Medien bildete sich eine riesige Frauenfußball-Blase. 74.000 Zuschauer kamen zum Eröffnungsspiel ins Berliner Olympiastadion, 17 Millionen schauten am Fernseher zu, es gab Public Viewings, Bild-Titel-Seiten und in den Kneipen diskutierten ascheplatzgestählte Männer darüber, ob die Veteranin Birgit Prinz spielen sollte oder doch die junge Alexandra Popp.

Doch früh merkte man, dass das alles nicht funktionieren würde. Schon im ersten WM-Spiel lief es zäh, plötzlich, als das ganze Land hinschaute. Unter der Last der Erwartungen quälte sich die Mannschaft durch das Turnier. Die Inszenierung der Sportsoldatinnen, Polizistinnen und Bankangestellten als "sexy" tat ihr übriges.

In diesem Widerspruch hätte die Chance des Films gelegen. Wenn es schon keinen Titel zu feiern gab, hätte er zumindest auf Ursachenforschung gehen können. Die richtigen Fragen an die richtigen, weil für den Rummel verantwortlichen, Personen, hätten etwas Licht in diesen sportlich so dunklen Sommer bringen können. Vielleicht aber ist das auch zu viel erwartet, von einer Dokumentation, bei der der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offizieller Kooperationspartner war.

So muss man schon ganz genau hinschauen, um die Ursache für das schlechte Abschneiden durchscheinen zu sehen. Zweimal tritt der besorgte Teampsychologe Arno Schimpf auf. "Es ist ein schmaler Grat, was hier passiert", sagt er. Und: "Es kann unter Umständen zu viel werden." Die Spielerin Bianca Schmidt sagt nach dem Turnier. "Das war alles nicht real. Man schaut aus dem Fenster, sieht den Hubschrauber über dem Hotel und dann macht man den Fernseher an und schaut sich die Bilder an."

Unfreiwillig komisch auch die Aufnahmen der Foto-Shootings für die Sponsoren, bei denen sich die eher bodenständigen Frauen in High Heels und extravagant geschnittene Kleider zwängen mussten. Sie sahen so verkleidet aus wie einst Marijke Amados Opfer in der Mini Playback Show.