Als Regisseur J.J. Abrams 2009 das Ruder der U.S.S. Enterprise übernahm, war
es keineswegs eine ausgemachte Sache, dass sich der Star Trek-Mythos, der bis dahin zehn Kinofilme und sechs Fernsehserien mit insgesamt 726 Folgen gespeist hatte, noch einmal wiederbeleben ließe. In den Jahren zuvor war das Raumschiff in den unendlichen Weiten medialer Wiederverwertung ins Schlingern geraten. Die letzte Kinoversion Nemesis hatte 2002 gerade einmal ihre Produktionskosten eingespielt und die sechste TV-Serie wurde 2005 nach vier Staffeln wegen zu geringer Einschaltquoten eingestellt.

Mit dem sicherlich nicht neuen, jedoch effizient eingesetzten Taschenspielertrick des Prequels, in dem die Geschichte über ihren Anfang hinaus zurückgespult wurde, sorgte Abrams vor vier Jahren für eine gründliche Auffrischung des Science-Fiction-Klassikers. Er bediente Fans mit Vertrautem und stieß gleichzeitig mit den Werkzeugen des High-Tech-Kinos in neue Publikumsgalaxien vor. Der Film spielte weltweit 386 Millionen Dollar ein.

Jetzt legt Abrams mit Star Trek Into Darkness nach und präsentiert die neue Kinofolge in feinster IMAX- und 3D-Technologie. Schon in der Eröffnungssequenz zeigt der Film seine muskulöse Visualität: Kirk (Chris Pine) und seine Gefolgsleute jagen halsbrecherisch durch eine fantastische Dschungellandschaft und Spock (Zachary Quinto) stürzt sich zeitgleich in das Innere eines Vulkans, um dessen alles vernichtenden Ausbruch zu verhindern. Aus den Tiefen des Ozeans steigt die Enterprise auf, um den Vulkanier in letzter Sekunde zu retten, doch statt Dank muss sich der kühne Retter nur die Vorwürfe des emotionslosen Spitzohrs anhören. Der Zwist zwischen Spock’scher Vernunft und Kirk’schem Draufgängertum wird erneut zum gruppendynamischen Treibstoff innerhalb der jungen Crew.

Derweil erreicht der Terrorismus auch das Star Trek-Universum, als ein hochbegabter Bösewicht den Hauptsitz der Sternenflotte in die Luft gehen lässt. Die Enterprise wird mit neu entwickelten Raketen bestückt Richtung Kronos geschickt, um den Terroristen unschädlich zu machen. Zum ersten Mal geht das Entdeckungs- und Forschungsschiff auf eine kriegerische Mission und schon bald müssen Kirk und seine Crew feststellen, dass die Gefahr des Terrors nicht von außen, sondern aus dem Inneren der Sternenflotte kommt.

In Star Trek Into Darkness werden der Pazifismus und die rechtsstaatliche Moral der Enterprise-Besatzung auf eine harte Probe gestellt. Kirk hat alle Hände voll zu tun, sich nicht in einen Krieg gegen den Terror hineinziehen zu lassen. Anstatt den undurchsichtigen Bösewicht John Harrison (hervorragend:
Benedict Cumberbatch) wie befohlen mit einem Raketenangriff zu eliminieren,
bringt er ihn als Gefangenen an Bord und kooperiert zeitweise sogar mit dem
gefährlichen Übeltäter, um größere Gefahren abzuwenden.